Oppenheim-Skandal: Prüfbericht liegt bereits seit drei Wochen vor

Wir wol­len auch an die­sem Wochen­en­de wie­der auf die ver­gan­ge­ne Woche zurück­bli­cken, müs­sen dafür aller­dings erst ein­mal etwas wei­ter aus­ho­len:

Die Kalen­der­wo­che 39 mar­kiert, wie wir im gan­zen Aus­maß erst jetzt erfah­ren haben, die bis­lang bit­ters­ten Tage im Polit-Leben des Mar­cus Held. Es ist mehr als frag­lich, ob er sich von den Ereig­nis­sen in die­ser vor­letz­ten Sep­tem­ber-Woche jemals wie­der wird erho­len kön­nen:

Zuerst straf­ten ihn „sei­ne“ Wäh­ler in nie für mög­lich gehal­te­nem Aus­maß ab: Selbst in Oppen­heim, der ver­meint­li­chen SPD-Hoch­burg, wo er seit Jah­ren den gro­ßen Zam­pa­no gibt, ver­wei­ger­ten ihm am 24. Sep­tem­ber bei der Bun­des­tags­wahl vie­le Bür­ger ihre Stim­me. Auch hier wähl­ten sie mehr­heit­lich den CDU-Kan­di­da­ten Jan Metz­ler; Mar­cus Held, als Stadt­bür­ger­meis­ter eigent­lich im Vor­teil, was er vor vier Jah­ren mit stol­zen 50 Pro­zent krön­te, krieg­te dies­mal nur noch knapp über 30 Pro­zent.

Eine Deba­kel ohne­glei­chen! Und ein Bän­de spre­chen­des Desas­ter für den Stadt­bür­ger­meis­ter und SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten!

Aber für Mar­cus Held soll­te es in die­ser 39. Kalen­der­wo­che noch schlim­mer kom­men:

Am ver­gan­ge­nen Diens­tag (10.Oktober) hat­ten wir geschrie­ben, dass der Bericht des Lan­des­rech­nungs­ho­fes in Oppen­heim ein­ge­trof­fen und an die Fach­be­reichs­lei­ter der VG-Ver­wal­tung ver­teilt wor­den sei – aus­zugs­wei­se, jeder bekam nur die Pas­sa­gen aus­ge­hän­digt, die sei­nen Arbeits­be­reich betra­fen, kei­ner durf­te den kom­plet­ten Bericht lesen.

Erst jetzt wur­de bekannt: Die Akte aus der rhein­land-pfäl­zi­schen Kon­troll­be­hör­de, in der das Fehl­ver­hal­ten des Stadt­bür­ger­meis­ters behörd­lich fest­ge­stellt wird, liegt schon wesent­lich län­ger vor! Die Spit­ze der Ver­bands­ge­mein­de und natür­lich auch Mar­cus Held ken­nen den Bericht seit fast drei Wochen!

Die Unter­la­gen wur­den in eben jener 39. Kalen­der­wo­che an die Ver­bands­ge­mein­de über­ge­ben: 80 Sei­ten stark, mit 82 Fest­stel­lun­gen, dar­un­ter angeb­lich auch Hin­wei­se auf straf­recht­lich rele­van­tes Ver­hal­ten – die Akte mit dem inkri­mi­nie­ren­den Inhalt kam bereits am 27. Sep­tem­ber in Oppen­heim an! Also drei Tage nach der für Mar­cus Held so kata­stro­pha­len Bun­des­tags­wahl!

27. Sep­tem­ber – das heißt auch: Nahe­zu 14 Tage lang hat­ten VG-Bür­ger­meis­ter Klaus Pen­zer und Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held den Bericht vor­lie­gen, aber sie ver­heim­lich­ten ihn sogar in der eige­nen Ver­wal­tung. Das Schwei­gen der SPD-Män­ner: Zwei Wochen lang hiel­ten sie die Öffent­lich­keit hin, dann erst wur­den – streng ver­trau­lich! – die zustän­di­gen Fach­be­reichs­lei­ter der VG-Ver­wal­tung ein­ge­weiht. Die Men­schen in der Stadt soll­ten es eigent­lich noch gar nicht erfah­ren…

Es ist eine poli­ti­sche Bin­sen­weis­heit: Wer das Ver­trau­en der Men­schen gewin­nen will, muss vor allem eines sein – glaub­wür­dig“, sag­te ein­mal Wolf­gang Thier­se, der aner­kann­te SPD-Bun­des­po­li­ti­ker und lang­jäh­ri­ge Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges.

Die (SPD nahe­ste­hen­de) Fried­rich-Ebert-Stif­tung hat zum The­ma „Poli­tik und Glaub­wür­dig­keit“ ein aus­führ­li­ches Papier erar­bei­tet, in dem es heißt: „Ver­trau­en wird nur den­je­ni­gen geschenkt, die trans­pa­rent han­deln. Des­halb ist Trans­pa­renz sowohl von Par­tei­en als auch von poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen wich­tig“, weil ansons­ten Glaub­wür­dig­keit und Ver­trau­en beschä­digt wür­den.

In Oppen­heim, so scheint’s, arbei­tet die SPD-Stadt­spit­ze mit all ihren Kräf­ten dar­an, das Ver­trau­en in die Poli­tik und die Glaub­wür­dig­keit der Poli­ti­ker zu ato­mi­sie­ren.

Donnerschlag im Rondo der Verbandsgemeinde

Das „Ron­do“, der Sitz der Ver­wal­tung der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz.

Es war am ver­gan­ge­nen Mon­tag, als die Fach­be­reichs­lei­ter der Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung um 14 Uhr im „Ron­do“ zusam­men­ge­trom­melt und end­lich infor­miert wur­de. Wir haben dar­über berich­tet: Die Anwe­sen­den wur­den zu Still­schwei­gen ver­don­nert, sie beka­men ledig­lich Aus­zü­ge des Lan­des­rech­nungs­hof-Berichts über­ge­ben und sol­len nun eine Stel­lung­nah­me erar­bei­ten. Klaus Pen­zer über­ließ die­sen uner­freu­li­chen Ter­min übri­gens sei­nem Büro­lei­ter: Der Ver­wal­tungs­chef hat­te sich in den Urlaub ver­ab­schie­det. In sei­nem Umfeld heißt es, Pen­zer sei des stän­di­gen Ärgers müde, er den­ke ans Auf­hö­ren, spä­tes­tens im nächs­ten Jahr wol­le er vor­zei­tig abtre­ten. Der inzwi­schen 67-Jäh­ri­ge hege die Hoff­nung, sagt ein enger Mit­ar­bei­ter, dass sich bis dahin der Sturm um sei­nen Par­tei­freund Held gelegt habe, denn dann sei ihm viel­leicht doch noch ein Abschied in Ehren ver­gönnt…

Einen Tag nach der ver­trau­li­chen Füh­rungs­run­de, am Diens­tag die­ser Woche, wur­den die Mit­ar­bei­ter der VG-Ver­wal­tung in einer Hef­tig­keit auf­ge­schreckt, als wäre soeben ein Meteo­rit ins „Ron­do“ ein­ge­schla­gen: All das, was tags zuvor unter dem Sie­gel der Ver­schwie­gen­heit gesagt wor­den war, konn­ten sie im Inter­net nach­le­sen:

Am Diens­tag um exakt 8.54 Uhr wur­de auf die­ser Web­sei­te ein neu­er Arti­kel ver­öf­fent­licht – Über­schrift: „Bericht des Rech­nungs­ho­fes liegt vor“.

Minu­ten spä­ter, die Com­pu­ter-Uhr notier­te 09.11 Uhr, wur­de News­let­ter Nr. 44 zum Oppen­heim-Skan­dal ver­schickt: Er erreich­te Sekun­den spä­ter die mehr als 300 Abon­nen­ten und wies sie kurz und knapp auf den neu­en Arti­kel hin.

Es ver­gin­gen nur weni­ge Minu­ten, und dann regis­trier­te das Ana­ly­se­tool die­ser Web­sei­te einen urplötz­lich anstei­gen­den Traf­fic. Im Minu­ten­takt kamen neue User auf die­se Home­page, um 10 Uhr waren es 130, bis 11 Uhr wei­te­re 185, bis 12 Uhr wei­te­re 320…

Und so ging das wei­ter, den gan­zen Tag und auch den nächs­ten und über­nächs­ten. „ER ist da“, die­se Nach­richt elek­tri­sier­te die Men­schen in und um Oppen­heim. Die Infor­ma­ti­on, auf die sie so lan­ge gewar­tet haben: Auf die­ser Web­sei­te erfuh­ren sie, dass der Bericht des Lan­des­rech­nungs­ho­fes end­lich ange­kom­men ist! Und dass dem­nächst – in Kür­ze – die gan­ze Wahr­heit auf den Tisch kom­men wird.

Im „Ron­do“ herrsch­te an die­sem Diens­tag­vor­mit­tag erst Schock-Star­re, dann heil­lo­ses Ent­set­zen – und schließ­lich ging ein Gewit­ter über den Mit­ar­bei­tern der Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung nie­der: Dass der Bericht des Lan­des­rech­nungs­ho­fes vor­lag – schlimm genug! Aber nun war nach Mei­nung der Ver­wal­tungs­spit­ze noch Schlim­me­res gesche­hen: Die Infor­ma­ti­on, dass ER da ist, soll­te eigent­lich geheim blei­ben – und war trotz­dem nach drau­ßen gedrun­gen! Hat­te man nicht extra alle Mit­wis­ser zu strengs­tem Still­schwei­gen ver­don­nert?

Es folg­te die übli­che Mecha­nik: Alle Ener­gie auf Auf­klä­rung – des Leak, wohl­ge­merkt, nicht des Skan­dals.

Allein in den ers­ten 48 Stun­den rie­fen mehr als 6000 Men­schen den Arti­kel „ER ist da“ auf die­ser Web­sei­te auf, inzwi­schen sind’s fast 7000. Bei einer durch­schnitt­li­chen Ver­weil­dau­er (auch sie wird vom Ana­ly­se­tool gemes­sen) von knapp drei Minu­ten darf man davon aus­ge­hen, dass die Men­schen ihn Wort für Wort gele­sen haben.

Warum die Zeitung so Held-freundlich ist

Nächs­ter Tag – Mitt­woch, der 11. Okto­ber: Mit Unge­duld wird auf die „All­ge­mei­ne Zei­tung Lands­kro­ne“ gewar­tet. Was die wohl schreibt? Die Redak­ti­on mit bekannt­lich engs­ter Anbin­dung an Held und Pen­zer wür­de, so die Über­le­gung, dank ihrer guten Con­nec­tion bestimmt neue, wei­ter­ge­hen­de Infor­ma­tio­nen ver­öf­fent­li­chen. Viel­leicht sogar Details aus dem Bericht?! Viel­leicht eine ers­te Stel­lung­nah­me vom „Haupt­tä­ter“ Mar­cus Held!?

Ver­giss es! Die Zei­tung ver­öf­fent­lich­te am nächs­ten Tag ledig­lich einen Mini-Zwei­spal­ter („Held-Bericht liegt vor“), und den muss­te man auf der Rhein­land-Pfalz-Sei­te suchen. Im Oppen­hei­mer Lokal­teil wur­de mit kei­ner Sil­be dar­über berich­tet, dass sich der Oppen­heim-Skan­dal sei­nem Höhe­punkt nähert.

Wenn wir uns nun die Fra­ge stel­len, war­um eine Zei­tungs­re­dak­ti­on, zu deren Auf­ga­ben die kri­ti­sche Beglei­tung des Stadt­ge­sche­hens gehört, jeden Ansatz von kri­ti­scher Bericht­erstat­tung mög­lichst weit­räu­mig umgeht, dann liegt in die­sem Fall die Ant­wort viel­leicht ganz nahe:

In den Sit­zun­gen des Stadt­ra­tes gibt Mar­cus Held regel­mä­ßig bekannt (das schreibt die Gemein­de­ord­nung so vor), wer wie viel Geld wofür an die Stadt gespen­det hat. Regel­mä­ßig fällt dann der Name der Ver­lags­grup­pe Rhein-Main: Das Main­zer Medi­en­haus, in dem die „All­ge­mei­ne Zei­tung Lands­kro­ne“ erscheint, spen­diert der Stadt immer wie­der Geld für Ver­an­stal­tun­gen in Oppen­heim – mal ein paar tau­send Euro für die Fest­spie­le, auch mal an die Zehn­tau­send Euro fürs Rhein­ra­deln (was etwas selt­sam ist, weil die Stadt hier gar nicht Ver­an­stal­ter ist, aber das ist ein ande­res The­ma).

Vor­lie­gen­de Unter­la­gen bewei­sen, dass die Stadt von dem Main­zer Ver­lags­haus in den letz­ten fünf, sechs Jah­ren fast 50.000 Euro „geschenkt“ bekam.

Eine Hand wäscht die ande­re: Im Gegen­zug, so wirkt es wenigs­tens, gibt die Stadt in den Zei­tun­gen des Main­zer Ver­lags­hau­ses immer wie­der teu­re Anzei­gen auf. Das hat­ten bereits die noch immer unbe­kann­ten Dos­sier-Auto­ren kri­tisch ange­merkt, als sie mit ihrem „Memo­ran­dum“ den Oppen­heim-Skan­dal ins Rol­len brach­ten:

Der Stadt Oppen­heim, schrei­ben sie, sei­en „Kos­ten von weit mehr als 30.000 Euro beim Rhein-Main-Ver­lag ent­stan­den“ – in 2016, also in nur einem Jahr! Dabei sei­en die Anzei­gen viel­fach sinn­frei, weil sie ent­we­der „wegen ihres Lokal­be­zugs ins Lee­re gin­gen oder jeden rele­van­ten Sach­be­zug zur Stadt Oppen­heim ver­mis­sen lie­ßen“.

Zum Ver­grö­ßern bit­te ankli­cken: Aus­zug aus dem Memo­ran­dum.

Die Dos­sier-Die Auto­ren wei­ter:

Anzei­gen mit rein loka­len Bezü­gen fin­den sich nicht nur im Rhein­hes­si­schen Wochen­blatt, in des­sen Ver­brei­tungs­ge­biet Oppen­heim liegt, son­dern auch im Alzey­er Wochen­blatt sowie im Worm­ser Wochen­blatt. Typi­scher­wei­se ent­hal­ten die Anzei­gen bebil­der­te Gruß­wor­te von Held – etwa im Zusam­men­hang mit Oster- oder Weih­nachts­markt in Oppen­heim oder dem sog. „Erleb­nis­bad“ Opp­ti-Mare.

Das Ver­brei­tungs­ge­biet ent­spre­chen­der Anzei­gen geht damit weit über deren loka­len Bezug hin­aus – anders aus­ge­drückt: Nie­mand in Alzey oder Worms ist rea­lis­ti­scher Wei­se für das 25-Meter-Schwimm­be­cken des „Oppti-Mare“-Hallenbades zu inter­es­sie­ren.

Sinn erge­ben ent­spre­chen­de Anzei­gen nur, wenn man nicht den Oppen­hei­mer Lokal­be­zug, son­dern die Ver­brei­tung der Per­son Held im Bun­des­tags­wahl­kreis Alzey-Worms-Oppen­heim in den Blick nimmt.

Mit ande­ren Wor­ten: Mar­cus Held schal­tet, so sehen es die Dos­sier-Auto­ren, Zei­tungs­an­zei­gen für sich selbst – auf Kos­ten der Stadt­kas­se. Der Ver­lag pro­fi­tiert davon und spon­sert ihm die eine oder ande­re loka­le Ver­an­stal­tung.

Das könn­te natür­lich eine Erklä­rung sein für die ange­pass­te Bericht­erstat­tung im Oppen­hei­mer Lokal­teil: Enga­gier­ter, kri­ti­scher Jour­na­lis­mus ist gar nicht gewollt! Es geht um Geschäf­te­ma­che­rei: Viel Geld fließt zwi­schen Ver­lag und Stadt hin und her. Im Gegen­zug darf man ja wohl freund­lich-wohl­wol­len­de Bericht­erstat­tung erwar­ten, oder?

SPD löscht Held-kritischen Facebook-Post

Zum Ver­grö­ßern ankli­cken: Die Face­book-Sei­te mit der geteil­ten Oppen­heim-Skan­dal-Sei­te.

Der Bericht mit der Nach­richt „ER ist da“ hat, wie gesagt, über­aus gro­ße Reso­nanz gefun­den. Ein ent­spre­chen­der Post auf unse­rer Face­book-Sei­te wur­de mehr als 50mal geteilt und erreich­te nahe­zu 20.000 Men­schen. Es ist zu ver­mu­ten, dass dar­un­ter auch vie­le SPD-Mit­glie­der sind, die sich über Neu­ig­kei­ten im Oppen­heim-Skan­dal infor­mie­ren. Äußern dür­fen sie sich dazu nicht: Die SPD-Vor­de­ren, so wird schon seit gerau­mer Zeit gemun­kelt, hät­ten ihren Mit­glie­dern unter­sagt, ent­spre­chen­de Posts zu liken oder gar zu tei­len.

Einer hat’s dann doch gemacht. Am Diens­tag fand sich auf der Face­book-Sei­te des SPD-Orts­ver­eins Mainz-Lau­ben­heim ein inter­es­san­ter Post: „Ich lese die­se Sei­te von Anfang an“, bekann­te der Autor und ver­wies aus­drück­lich auf die­se Web­sei­te zum Oppen­heim-Skan­dal und den „Er ist da“-Bericht.

Zen­sur bei der SPD: Der Oppen­heim-Post ist weg, Malu Drey­er da.

Der Autor muss dem inner cir­cle des SPD-Orts­ver­eins ange­hö­ren, er kann schließ­lich im Namen des Orts­ver­eins Face­book-Posts publi­zie­ren, und er schrieb wei­ter: „Ich emp­feh­le jedem, die wei­te­ren Ereig­nis­se im Oppen­heim-Skan­dal zu ver­fol­gen.“

Stun­den spä­ter war der Post ver­schwun­den. Irgend­wer hat­te ihn gelöscht. Wir wol­len das gar nicht wei­ter kom­men­tie­ren: Das Unter­drü­cken von Mei­nungs­äu­ße­run­gen sagt genug aus über den Zustand einer Par­tei. Wes­halb wir das hier ein­fach mal so ste­hen las­sen.

Prüfbericht muss bald öffentlich zugänglich werden

Und wie geht’s jetzt wei­ter im Fall Mar­cus Held? Hier sind gesi­cher­te Infor­ma­tio­nen:

Der Lan­des­rech­nungs­hof Rhein­land-Pfalz hat die Ver­wal­tung der Ver­bands­ge­mein­de auf­ge­for­dert, zum Prüf­be­richt bis zum 30. Okto­ber 2017 schrift­lich Stel­lung zu neh­men. Auf Wunsch, da zeig­ten sich die Prü­fer aus Spey­er freund­lich-kulant, kön­ne man ger­ne eine zusätz­li­che Bespre­chung anbe­rau­men.

Aus dem vor­lie­gen­den Bericht, der als Ent­wurf dekla­riert ist, wer­de zusam­men mit den Äuße­run­gen aus Oppen­heim die end­gül­ti­ge Ver­si­on gebil­det, die bis Ende des Jah­res fer­tig­ge­stellt und ver­sandt wer­den soll. An die­sem Ter­min, sag­te Hart­mut Her­le vom Lan­des­rech­nungs­hof, sol­le „nach der­zei­ti­ger Pla­nung fest­ge­hal­ten wer­den“.

Sobald der end­gül­ti­ge Bericht vor­lie­ge, müss­ten ihn die Ver­bands­ge­mein­de und die Stadt öffent­lich aus­le­gen, das schrei­be Para­graf 110 Abs. 6 der Gemein­de­ord­nung vor. „Zeit und Ort der Aus­le­gung sind öffent­lich bekannt­zu­ma­chen. Dane­ben sind Ver­bands­ge­mein­de- und Stadt­rat nach Para­graf 33 Abs. 1 der Gemein­de­ord­nung über die Prü­fungs­er­geb­nis­se zu unter­rich­ten“, so Hart­mut Her­le.

Und schließ­lich: „Mit der vor­ge­nann­ten Aus­le­gung sind die Prü­fungs­mit­tei­lun­gen auch der Öffent­lich­keit zugäng­lich.“

Und dann ist da noch der Staatsanwalt…

Sicher ist: Selbst dann, wenn der Bericht öffent­lich und von allen Inter­es­sier­ten gele­sen und bewer­tet wor­den ist, wird Mar­cus Held kei­ne Ruhe fin­den. Dann war­tet der Staats­an­walt auf ihn.

Der Oppen­heim-Skan­dal umfasst bereits drei Kom­ple­xe bei der Main­zer Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de:

VG-Bür­ger­meis­ter Klaus Pen­zer hat­te Anzei­ge erstat­tet, weil die Dos­sier-Auto­ren mit ver­trau­li­chen Doku­men­ten aus sei­ner Behör­de die Affä­ren des Mar­cus Held auf­ge­deckt hat­ten. Das sei Geheim­nis­ver­rat, befand der VG-Bür­ger­meis­ter und ver­langt, dass die Whist­leb­lo­wer straf­recht­lich ver­folgt wer­den. Das gestal­tet sich aller­dings nicht ganz ein­fach: Die Auto­ren sind unbe­kannt.

Auch Mar­cus Held hat­te Straf­an­zei­ge erstat­tet: Irgend­ein Spin­ner hat­te ihm einen unfreund­li­chen, ziem­lich dümm­li­chen Brief geschickt. Damit konn­te Mar­cus Held kurz­zei­tig von sei­nem eige­nen Fehl­ver­hal­ten ablen­ken: Das sei Nöti­gung, klag­te er öffent­lich. Auch hier: Absen­der unbe­kannt, das macht Ermitt­lun­gen erfah­rungs­ge­mäß schwie­rig.

Und schließ­lich hat­ten Unbe­kann­te, nach­dem die gan­zen dubio­sen Geschäf­te des Stadt­bür­ger­meis­ters in dem Dos­sier auf­ge­deckt wor­den waren, Straf­an­zei­ge gegen Mar­cus Held erstat­tet. Als dann der Rech­nungs­hof ers­te Prü­fun­gen durch­ge­führt und ent­spre­chen­de Unter­la­gen (zu die­sem Zeit­punkt: einen blo­ßen Zwi­schen­be­richt!) an die Staats­an­walt­schaft wei­ter­ge­lei­tet hat­te, reagier­te die umge­hend: Die Straf­ver­fol­ger lei­te­ten ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen Mar­cus Held ein. Sie sahen „zurei­chen­de tat­säch­li­che Anhalts­punk­te für ein straf­ba­res Ver­hal­ten im Sin­ne von § 152 Abs. 2 Straf­pro­zess­ord­nung, und zwar von neun Fäl­le der Untreue gemäß §§ 266 Abs. 1, 53 Straf­ge­setz­buch“.

Die Pres­se­stel­le des Staats­an­walt­schaft teil­te auf Anfra­ge mit: Wei­te­re Erkennt­nis­se gebe es der­zeit nicht, alles gehe sei­nen Gang…

Doch halt, etwas Neu­es gibt es doch:

Im Juni die­ses Jah­res, so berich­tet die Lei­ten­de Ober­staats­an­wäl­tin Andrea Kel­ler, sei eine wei­te­re anony­me Straf­an­zei­ge gegen Mar­cus Held ein­ge­gan­gen – wegen „Wahl­be­ein­flus­sung“. Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te sol­le vor der Land­rats­wahl wider­recht­lich Lis­ten mit Nicht­wäh­lern zu Wahl­wer­bungs­zwe­cken benutzt haben.

Die Straf­an­zei­ge sei „unter allen denk­ba­ren recht­li­chen Gesichts­punk­ten geprüft wor­den, ins­be­son­de­re nach den Para­gra­fen 107 ff Straf­ge­setz­buch, die sich mit Stö­run­gen von Wah­len, Wahl­fäl­schung usw. befas­sen“. Von einer Ein­lei­tung eines Ermitt­lungs­ver­fah­rens habe man jedoch abge­se­hen, „weil sich aus dem vor­ge­tra­ge­nen – wenig kon­kre­ten und sub­stan­ti­ier­ten – Sach­ver­halt kein Anfangs­ver­dacht für straf­ba­res Ver­hal­ten ergab“.

Wird der Stadtrat Held einen Anwalt spendieren?

Zum Ver­grö­ßern ankli­cken: Aus­zug aus dem VG-Ter­min­ka­len­der.

Zu guter Letzt: Letz­te Woche hat­ten wir berich­tet, dass Mar­cus Held kurz­fris­tig eine Sit­zung des Stadt­ra­tes pla­ne: Dann könn­te er sich von sei­ner SPD-Mehr­heit einen Anwalt auf Stadt­kos­ten geneh­mi­gen las­sen, der den Bericht des Lan­des­rech­nungs­hof über­prü­fen soll.

Jetzt fin­det sich ein ent­spre­chen­der Ter­min im Kalen­der der Ver­bands­ge­mein­de: 2. Novem­ber, 19 Uhr, im Sit­zungs­saal des Rat­hau­ses. Die Tages­ord­nung steht noch nicht fest.

Bereits im August hat­te der Stadt­rat mit der Stim­men-Mehr­heit der SPD für die Beauf­tra­gung eines Anwalts auf Kos­ten der Stadt­kas­se votiert. Held muss­te den von ihm selbst initi­ier­ten Beschluss jedoch wenig spä­ter zurück­neh­men: Er hat­te über das The­ma im nicht-öffent­li­chen Sit­zungs­teil dis­ku­tie­ren und abstim­men las­sen – das war rechts­wid­rig.

Wird er jetzt das The­ma erneut auf die Tages­ord­nung set­zen und dann abstim­men las­sen, dies­mal natür­lich im öffent­li­chen Sit­zungs­teil? Was davon zu hal­ten ist, hat­ten wir letz­te Woche geschrie­ben:

Der Bericht, den der Lan­des­rech­nungs­hof zu den Oppen­hei­mer Rat­haus-Geschäf­ten ist ohne rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung. Er kann mit­hin auch nicht Gegen­stand juris­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung sein. Des­halb nutzt die Beauf­tra­gung eines Rechts­an­walts nicht der Kom­mu­ne. Viel­mehr erfolgt sie aus­schließ­lich eigen­nüt­zig für Mar­cus Held: Sie dient allein dem Stadt­bür­ger­meis­ter, des­sen per­sön­li­ches Inter­es­se dahin­ge­hen muss, die Fest­stel­lun­gen des Rech­nungs­hofs im Hin­blick auf das gegen ihn anhän­gi­ge staats­an­walt­schaft­li­che Ermitt­lungs­ver­fah­ren aus­zu­he­beln. Das ist Helds gutes Recht (wenn es denn gelingt) – aber es soll­te bitt­schön auf eige­ne Kos­ten gesche­hen. Der städ­ti­schen Ver­mö­gens­nach­tei­le sind genug.

Wir sind gespannt, ob Mar­cus Held am 2. Novem­ber sei­ne urei­ge­nen Inter­es­sen wirk­lich im Stadt­rat durch­drü­cken wird. Mal sehen, ob ihm die SPD-Rats­mit­glie­der wei­ter­hin wider­spruchs­los fol­gen…

6 Gedanken zu „Oppenheim-Skandal: Prüfbericht liegt bereits seit drei Wochen vor

  1. E.G.

    Viel­leicht kann da ja einer einen Ter­min mit Mar­cus zwecks Ein­sicht­nah­me machen.

    Wel­che Erfah­run­gen hat­ten die inter­es­sier­ten Bür­ger, die bis dato einen Ter­min zwecks Ein­sicht­nah­me ange­fragt hat­ten, gemacht.

    Wie lan­ge war die War­te­zeit für einen Ter­min?
    Ist das Memo­ran­dum im Ter­min voll­um­fäng­lich ein­seh­bar gwe­sen?

    Bit­te ( hier) mal eure Erfah­run­gen pos­ten.

    Dabei könn­te man ihn fra­gen ob er nix dage­gen hat, dass die­ser Ter­min ( z.b. auf die­ser Web­sei­te) ver­öf­fent­licht wer­den darf, damit wei­te­re inter­es­sier­te Bür­ger auch gleich mit­kom­men.
    Oder will Herr Held dies lie­ber jedem Ein­zel in sepa­ra­ten Ter­mi­nen vor­stel­len ?

    • G.K.

      Das ist aus mei­ner Sicht ist die Ankün­di­gung ledig­lich ein tak­ti­sches Manö­ver. Wenn er noch nicht ein­mal dem Stadt­rat, der ja immer­hin das Kon­troll­or­gan der Stadt ist bzw sein soll­te, die Unter­la­gen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den und die Frak­tio­nen schon über eine Kla­ge beim Ver­wal­tungs­ge­richt nach­den­ken, kann es mit der Offen­le­gung für den Bür­ger nicht weit her sein. Oder sehe ich das falsch?
      Even­tu­ell müs­sen sich alle Stadt­rats­mit­glie­der einen Ter­min holen.…

      Und wie will er eine Kla­ge­ab­wei­sung begrün­den, wenn er einer­seits dem Bür­ger eine Ein­sicht gewäh­ren, dem Stadt­rat aber ver­wei­gern will?

      Und soll­te sich ein Jour­na­list mit dem Ansin­nen mel­den wird der sicher­lich mit dem Argu­ment abge­wie­sen, dass er kei­ne Bür­ger von Oppen­heim sei und damit auch nicht befugt ist. Weil er will ja nur die „Bür­ger“ infor­mie­ren.

  2. Emil Sauer

    Mei­ner Mei­nung nach ist der Skan­dal nicht nur auf Mar­kus Held und Oppen­heim beschränkt. Nicht nur, dass unter ande­rem die Wer­be­fir­ma imme­dia von Mar­kus Appel­mann kräf­tig kas­siert. Besag­ter Appel­mann arbei­tet noch als Mode­ra­tor der SAT1 Sen­dung 17:30 (soll­te ein Jour­na­list nicht neu­tral sein) und steht dar­über hin­aus für die SPD-geführ­te Lan­des­re­gie­rung immer wie­der auf Büh­nen. Unglaub­lich, kei­ne Scham die­se Leu­te!!!

  3. GS

    Die Ange­le­gen­heit möge nun vor­an­ge­hen, und irgend­wann wird die Staats­an­walt­schaft Mainz die Aus­wer­tung vor­neh­men und ent­spre­chend han­deln. Ich kann nur hof­fen, dass die vor­ge­nann­te Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de von die­ser Web­sei­te Kennt­nis erhielt, die­se sorg­fäl­tig aus­wer­tet und ent­spre­chend prüft, ob wei­te­re Anhalts­punk­te von straf­ba­ren Hand­lun­gen, die einen Anfangs­ver­dacht begrün­den könn­ten, vor­han­den sind.
    Die AZ Lands­kro­ne hat sich m. E. völ­lig iso­liert, weil sie in die­ser Sache in kei­ner Wei­se Nach­fra­gen und Recher­chen anstell­te, um kon­kret genann­te und vor­lie­gen­de Unstim­mig­kei­ten auf­zu­hel­len. Statt­des­sen berich­tet die­se Zei­tung, dass bei­spiels­wei­se Euro­pas schnells­ter Wind­hund hier in der Regi­on „ansäs­sig“ ist. Eine wirk­lich jour­na­lis­ti­sche Glanz­leis­tung – und das für einen Bezugs­preis von über 37 € im Monat.
    Ist die AZ Lands­kro­ne etwa ver­gleich­bar mit der PRAWDA oder der Zei­tung NEUES DEUTSCHLAND???
    Bei­de waren „Ver­kün­dungs­or­ga­ne“ und Sprach­roh­re der Regie­run­gen der UdSSR und der DDR. Erin­nern wir uns: nur das, was die Regie­run­gen woll­ten, wur­de berich­tet. Haben wir das nötig?

  4. Markus Frieauff

    Gibt es das Memo­ran­dum irgend­wo in vol­ler Län­ge zu lesen?

    • Thomas Ruhmöller Autor des Beitrages

      Natür­lich! Das gan­ze Werk zu lesen soll­te gar kein Pro­blem sein: Mar­cus Held hat mal gesagt, dass inter­es­sier­te Bür­ger das Doku­ment nebst sei­nen Erläu­te­run­gen jeder­zeit mit ihm gemein­sam im Rat­haus ein­se­hen könn­ten – „bit­te nach Ter­min­ab­spra­che“. Stand so in der All­ge­mei­nen Zei­tung, und zwar am 27. April 2017.

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