Schlendrian im Hause Held – gar mit System?

Im Oppen­hei­mer Rat­haus haben sich Abgrün­de auf­ge­tan, und vie­le Men­schen nicht nur in der Stadt fra­gen sich: Wie konn­te das gesche­hen? Hat sich der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held mit sei­nen vie­len Jobs und Neben­tä­tig­kei­ten viel­leicht über­nom­men, macht er des­halb so vie­le gra­vie­ren­de Feh­ler bei der Füh­rung der Stadt­ge­schäf­te? Geschieht dies gar wil­lent­lich? Oder hat ihn die Ver­wal­tung der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz nicht genü­gend unter­stützt und betreut? Hat ihn VG-Bür­ger­meis­ter Klaus Pen­zer viel zu lan­ge ohne Kon­trol­le gewäh­ren las­sen, weil Held als Jurist doch eigent­lich wis­sen müss­te, was Recht und Unrecht ist?

Nicht nach­voll­zieh­ba­re Zah­lun­gen zu Las­ten der Stadt­kas­se wur­den vom Stadt­bür­ger­meis­ter ver­an­lasst, er hat Grund­stü­cke zu teu­er ein­ge­kauft und zu bil­lig wei­ter­ver­kauft, er stat­te­te Par­tei­freun­de mit Dau­er-Auf­trä­gen aus – und zu alle­dem agier­te er bei die­sen Ent­schei­dun­gen, die teil­wei­se bereits Gegen­stand staats­an­walt­schaft­li­cher Ermitt­lun­gen sind, auch noch oft­mals hin­term Rücken des Stadt­ra­tes! Das alles und noch viel mehr ist inzwi­schen bekannt und wird auf die­ser Web­sei­te aus­führ­lich doku­men­tiert. Der Rech­nungs­hof prüft, die Staats­an­walt­schaft ermit­telt – und Mar­cus Held tönt, er habe „immer ver­sucht, für die Stadt Bes­tes zu tun“. Es klang nach purer Ver­zweif­lung, als er jüngst sei­ne Face­book-Gemein­de per Video-Bot­schaft anfleh­te: Man sol­le doch jetzt „ein­fach dem Poli­ti­ker Mar­cus Held, dem Men­schen Mar­cus Held in die Augen schau­en“.

Und dann? Was sehen wir dann?

Wenn wir genau­er hin­schau­en, wenn wir noch tie­fer hin­ab­stei­gen in die Ver­wal­tungs­ge­schäf­te des Mar­cus Held: Dann sehen wir, dass unter sei­ner Regent­schaft selbst sim­pels­te Vor­schrif­ten der Gemein­de­ord­nung in Oppen­heim offen­bar nicht beach­tet wur­den.

Ein neu­es Bei­spiel wur­de jetzt bekannt: Laut Gemein­de­ord­nung ist nahe­zu jede Kom­mu­ne mit Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen ver­pflich­tet, einen „Betei­li­gungs­be­richt“ zu erstel­len. Das ist in Para­graf 90 Absatz 2 ganz klar gere­gelt: Wenn eine Gemein­de an auch nur einem Unter­neh­men mit min­des­tens fünf Pro­zent betei­ligt ist, muss sie das in einem Betei­li­gungs­be­richt fest­hal­ten und dabei ins­be­son­de­re über die Erfül­lung des öffent­li­chen Zwecks der Betei­li­gung und die Wirt­schafts­füh­rung des Unter­neh­mens – nament­lich auch über die Bezü­ge von Geschäfts­füh­rung und Auf­sichts­rat – infor­mie­ren. Es ist genau vor­ge­schrie­ben, wel­che Infor­ma­tio­nen ein sol­cher Bericht ent­hal­ten muss, und zudem ist in Para­graf 114 Absatz 2 der Gemein­de­ord­nung fest­ge­legt, dass er an sie­ben Werk­ta­gen bei der Gemein­de­ver­wal­tung öffent­lich aus­zu­le­gen ist.

So ist unser Ver­wal­tungs­sys­tem nun mal: Simp­le Vor­gän­ge wer­den ganz genau defi­niert, damit Trans­pa­renz herrscht und von den Ver­ant­wort­li­chen nicht gemau­schelt wer­den kann.

Der Betei­li­gungs­be­richt einer Kom­mu­ne ist also kein Geheim­pa­pier. Er muss öffent­lich ein­seh­bar sein!

Jetzt fra­gen wir mal nach, ob wir den Betei­li­gungs­be­richt der Stadt Oppen­heim ein­se­hen dür­fen: Die Stadt ist mit 49 Pro­zent an der Oppen­heim Tou­ris­mus GmbH betei­ligt (Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­rats: Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held), also müss­te Mar­cus Held ja wohl auch einen Betei­li­gungs­be­richt erstellt haben.

Bei die­ser Fra­ge gibt sich der Stadt­bür­ger­meis­ter plötz­lich völ­lig unty­pisch äußerst wort­karg: Nach allem, was er auf die­ser Web­sei­te habe lesen müs­sen, „ins­be­son­de­re wie Sie Tat­sa­chen so ver­dreht haben, dass dar­aus ein Polit­kri­mi fälsch­li­cher­wei­se zu mei­nen Las­ten wur­de“, wer­de er „kei­ne Berich­te oder lan­ge Stel­lung­nah­men, gleich wel­cher Art“, her­aus­ge­ben. Und er ver­weist an die Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung Rhein-Selz, die von sei­nem Par­tei­freund Klaus Pen­zer gelei­tet wird: Da sol­le man nach­fra­gen.

Klaus Pen­zer, dem der Ruf vor­aus­eilt, Befehls­emp­fän­ger von Mar­cus Held zu sein, ant­wor­tet auf eine ent­spre­chen­de Anfra­ge erst gar nicht. Irgend­wann zu nächt­li­cher Stun­de schickt er von sei­nem iPho­ne aus und über den Bür­ger­meis­ter-Account eine Email, die aller­dings nur eine arg absei­ti­ge Kari­ka­tur ent­hält. Eine üble Schmä­hung. Kei­ne Ant­wort.

Nächs­te Stu­fen in der Ver­wal­tungs­hier­ar­chie: die Kreis­ver­wal­tung Mainz-Bin­gen, die noch von Claus Schick gelei­tet wird. Auch er ist ein stram­mer SPD-Mann, und die in sei­nem Haus plat­zier­te Kom­mu­nal­auf­sicht soll, so heißt es land­auf land­ab, Hin­wei­se auf kri­tik­wür­di­ge Vor­gän­ge in SPD-geführ­ten Kom­mu­nen nur ungern nach­ge­hen, son­dern lie­ber in lang­wie­ri­gen büro­kra­ti­schen Pro­zes­sen aus­zu­sit­zen ver­su­chen.

In die­sem Fall aber hat die Ver­wal­tung wenigs­tens eine Ant­wort parat, die Pres­se­stel­le lässt sie von Julia Iser­men­ger über­mit­teln:

Der Rech­nungs­hof Rhein­land-Pfalz prüft der­zeit die Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der VG Rhein-Selz und der Stadt Oppen­heim und damit auch die Fra­ge nach der Not­wen­dig­keit eines Betei­li­gungs­be­richts. Solan­ge der Rech­nungs­hof als zustän­di­ge Lan­des­be­hör­de prüft, wird die Kom­mu­nal­auf­sicht der Prü­fung des Rech­nungs­ho­fes nicht vor­grei­fen.“

Wenn man die­se Ant­wort wört­lich nimmt, ist sie natür­lich Unsinn: Der Rech­nungs­hof wird kaum die Not­wen­dig­keit eines Betei­li­gungs­be­richts prü­fen, weil der ja laut Gemein­de­ord­nung zwin­gend vor­ge­schrie­ben ist. Wenn er im letz­ten Jahr her­aus­ge­ge­ben wur­de, war er öffent­lich, müss­te mit­hin auch jetzt noch ein­seh­bar sein.

Aber viel­leicht soll die ver­dreh­te Ant­wort etwas ganz ande­res ver­klau­su­liert ver­mit­teln: dass es näm­lich gar kei­nen Betei­li­gungs­be­richt in Oppen­heim gibt, wes­halb der Rech­nungs­hof erst ein­mal prü­fe, ob er über­haupt not­wen­dig sei…

Kein Betei­li­gungs­be­richt in der Stadt Oppen­heim? Das ent­sprä­che den Aus­sa­gen meh­re­re Rats­mit­glie­der, die auf Befra­gen erklär­ten, ein sol­ches Schrift­stück noch nie von Mar­cus Held bekom­men zu haben. Und auch in den bei der Ver­bands­ge­mein­de archi­vier­ten Pro­to­kol­len der Stadt­rats­sit­zun­gen fin­det sich kein ein­zi­ger Hin­weis dar­auf, dass den Oppen­hei­mer Par­la­men­ta­ri­er jemals ein sol­ches Papier vor­ge­legt wor­den wäre.

Wir müs­sen also davon aus­ge­hen: Es gibt gar kei­nen Betei­li­gungs­be­richt der Stadt Oppen­heim und damit auch kei­nen Bericht zur Wirt­schafts­füh­rung der Oppen­heim Tou­ris­mus GmbH! Das wäre ein kras­ser Ver­stoß gegen die Gemein­de­ord­nung. Wie­der ein­mal müs­sen die Rats­mit­glie­der der Stadt, ob von SPD, AL oder CDU, erken­nen, dass sie von ihrem Stadt­bür­ger­meis­ter nicht sach­ge­recht infor­miert wur­den. Geschah das vor­sätz­lich, weil dubio­se Geschäf­te nicht publik wer­den soll­ten? Oder fahr­läs­sig, weil die Viel­zahl an Jobs und Tätig­kei­ten den Stadt­bür­ger­meis­ter zu über­for­dern begin­nen?

Das wäre, nein: Das ist zu prü­fen. Eben­so wie die Mit­ver­ant­wor­tung der Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung von Klaus Pen­zer, die doch Hil­fe­stel­lung bei ört­li­chen Ver­wal­tungs­ge­schäf­ten leis­ten muss. Und nicht zuletzt wäre die Fra­ge zu klä­ren, war­um sich die Kreis­ver­wal­tung Mainz-Bin­gen eine Kom­mu­nal­auf­sicht leis­tet, wenn die­se die Geschäf­te der Kom­mu­nen nicht ord­nungs­ge­mäß beauf­sich­tigt…

Der Rech­nungs­hof hat über­nom­men: Das ist die gute Nach­richt in die­sem Akt des Oppen­heim-Skan­dals! Es wird, ganz bestimmt, eines Tages alles geklärt!