Privatfirma beutet städtische Geldquelle aus

Was kommt da noch alles hoch in Oppen­heim? Jetzt wur­de bekannt: Der Lan­des­rech­nungs­hof hat eine Fir­ma, die von Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held mit einer Cli­que von Gefolgs­leu­ten gegrün­det wur­de, ins Visier genom­men. Es besteht der drin­gen­de Ver­dacht, dass hier Ein­nah­men aus der Ver­wer­tung städ­ti­schen Ver­mö­gens abkas­siert wur­den – erneut hin­ter dem Rücken des Stadt­par­la­ments.

Das Tou­ris­mus-Büro an der Meri­an­stra­ße in Oppen­heim: Es gehört nicht mehr der Stadt, son­dern einer GmbH, die sich mehr­heit­lich im Besitz von SPD-Genos­sen und eini­gen Unter­neh­mern befin­det.

Es war im Herbst 2012, als Mar­cus Held – er war in die Rol­le des Geschäfts­füh­rers der Haus- und Grund­stücks­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft HGO geschlüpft – vor dem ört­li­chen Notar ein Pro­to­koll unter­zeich­ne­te, das inzwi­schen beim Amts­ge­richt Mainz abge­hef­tet liegt: Zusam­men mit der Stadt und einem guten Dut­zend pri­va­ter Gesell­schaf­ter grün­de­te er die „Oppen­heim Tou­ris­mus GmbH“, ein­ge­tra­gen beim Han­dels­re­gis­ter unter der Num­mer HRB 44502. „Gegen­stand der Gesell­schaft“, so heißt es im übli­chen Amts­deutsch, sei „die Unter­hal­tung tou­ris­ti­scher Ange­bo­te ins­be­son­de­re im Bereich der Stadt Oppen­heim, die För­de­rung des Tou­ris­mus ins­be­son­de­re im Bereich der Stadt Oppen­heim als auch des­sen Ent­wick­lung“.

Eine sol­che GmbH hät­te, viel­leicht, eine gute Sache wer­den kön­nen – wenn nicht der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Oppen­hei­mer Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held wie gewohnt in einer Mischung aus dubi­os anmu­ten­der Kli­en­tel-Poli­tik und undurch­sich­ti­gem Umgang mit städ­ti­schen Finan­zen vor­ge­gan­gen wäre.

Wer steckt da noch alles mit drin?

Die Tou­ris­mus GmbH gehört von Anfang an nicht allein der Stadt, son­dern zum größ­ten Teil aus­ge­such­ten SPD-Par­tei­freun­den sowie eini­gen pri­va­ten Unter­neh­men. Die Fir­ma kas­sier­te den­noch in den letz­ten Jah­ren meh­re­re hun­dert­tau­send Euro, die eigent­lich der Stadt zuste­hen: Es han­delt sich um die Erlö­se aus dem Ein­tritt für das städ­ti­sche Kel­ler­la­by­rinth-Sys­tem. Über die Ver­wer­tung des städ­ti­schen Unter­grunds hät­te allein der Stadt­rat zu ent­schei­den gehabt. Doch der wur­de nie gefragt: Die gewähl­ten Bür­ger­ver­tre­ter wur­den bis heu­te nicht dar­über infor­miert, dass die Kel­ler-Ein­tritts­gel­der seit Jah­ren in eine mehr­heit­lich pri­vat geführ­te GmbH umge­lei­tet wer­den.

Wie konn­te das pas­sie­ren? Was steckt dahin­ter, und vor allem: Wer steckt da noch alles mit drin?

Seit der Oppen­heim-Skan­dal auf­ge­flo­gen ist, seit der Rech­nungs­hof die Geschäf­te des Stadt­bür­ger­meis­ters prüft und die Staats­an­walt­schaft Ermitt­lun­gen wegen des Ver­dachts der Untreue gegen Mar­cus Held ein­ge­lei­tet hat, will im Rat­haus an der Meri­an­stra­ße kei­ner mehr rich­tig Aus­kunft geben.

Wir blät­tern einen neu­en Akt im inzwi­schen dicken Buch „Der Oppen­heim-Skan­dal“ auf: Was wur­de denn da schon wie­der für ein Ding gedreht?

Hal­ten wir uns an die Fak­ten:

Vor fünf Jah­ren, im April 2012, stell­ten Stadt­bür­ger­meis­ter Held (SPD) und sein dama­li­ger Tou­ris­mus-Bei­ge­ord­ne­ter Rai­mund Darm­stadt (AL) das GmbH-Kon­zept wäh­rend einer Stadt­rats­sit­zung vor. Damals war die SPD mit der AL eine unge­lieb­te, aber not­wen­di­ge Koali­ti­on ein­ge­gan­gen: Nur so ver­füg­te der Stadt­bür­ger­meis­ter über eine Mehr­heit im Rat­haus-Par­la­ment.

In einer Rats­sit­zung im Sep­tem­ber 2012 wur­de die Grün­dung der Tou­ris­mus GmbH for­mal und end­gül­tig abge­seg­net. Auf den ers­ten Blick: alles rech­tens. Nur um die Anteils­eig­ner des Unter­neh­mens – die Gesell­schaf­ter – wur­de ein merk­wür­di­ges Gewe­se gemacht: Held leg­te ihre Namen zwar dem Stadt­rat vor, aber das geschah, wie die „All­ge­mei­ne Zei­tung“ damals berich­te­te, in nicht-öffent­li­cher Sit­zung, was recht unge­wöhn­lich ist: Gesell­schaf­ter-Namen unter­lie­gen gemein­hin kei­ner Geheim­hal­tung, sie müs­sen sogar öffent­lich ein­seh­bar sein.

Geheimnistuerei – wohl aus guten Gründen

Inzwi­schen wis­sen wir Genaue­res, und wir kön­nen des­halb auch eine Erklä­rung für die Geheim­nis­tue­rei ver­mu­ten: Mar­cus Held hat­te bei der Grün­dung der GmbH wie­der ein­mal enge Par­tei­freun­de bedient und auch ein paar Unter­neh­mer, die von ihm bis heu­te regel­mä­ßig mit Auf­trä­gen bedacht wer­den. Schau­en wir hin­ter die Kulis­sen der Fir­ma, sehen wir die ent­schei­den­den Details:

49 Pro­zent der Oppen­heim Tou­ris­mus GmbH gehö­ren der Stadt – nur 49 Pro­zent!

Die rest­li­chen 51 Pro­zent – also die Fir­men-Mehr­heit! – gin­gen größ­ten­teils an alte Bekann­te. Aus­zug aus der Lis­te der Gesell­schaf­ter:

  • Da ist Rudolf Baum­gar­ten (58), in der Stadt inzwi­schen hin­läng­lich bekannt als einer der Haupt-Pro­fi­teu­re der Held­schen Rat­haus­füh­rung: Der Oppen­hei­mer Stadt­bür­ger­meis­ter beschäf­tigt sei­nen Amts­kol­le­gen aus dem benach­bar­ten Uel­vers­heim als frei­be­ruf­li­chen Stadt­pla­ner mit eige­nem Büro im Oppen­hei­mer Rat­haus („plan­gUT“), er ver­half ihm als Mak­ler in Krä­mer­eck-Süd zu üppi­gen Cour­ta­gen („Immo­bi­li­en­ser­vice Rudolf Baum­gar­ten“). Neben­bei sitzt „der rote Hengst von Uel­vers­heim“ (O-Ton Held) im Auf­sichts­rat der gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft GWG und soll dort die Geschäf­te des Vor­stands­vor­sit­zen­den (Name: Mar­cus Held) beauf­sich­ti­gen…
  • Mar­kus Appel­mann (39) ist natür­lich auch wie­der mit dabei. Der Chef der Wer­be­agen­tur InMe­dia wird eben­falls regel­mä­ßig von Mar­cus Held mit Auf­trä­gen bedacht: Appelmann/InMedia gestal­te­te unter ande­rem diver­se Inter­net­sei­ten für die loka­le SPD, für die Stadt, für die GWG und deren Toch­ter­un­ter­neh­men HGO, er macht dazu regel­mä­ßig Wer­bung für städ­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen usw. usf. Glaubt man den anony­men Auto­ren des Dos­siers, das den Oppen­heim-Skan­dal ins Rol­len gebracht hat, kas­sier­te Appel­mann über sei­ne InMe­dia-Agen­tur immer wie­der sehr üppi­ge Beträ­ge von der Stadt – allein zwi­schen 2012 und 2015 mehr als 200.000 Euro! Bei der Grün­dung der Tou­ris­mus GmbH gab Appel­mann vor dem Notar übri­gens sei­ne pri­va­te Wohn­an­schrift mit Krä­mer­stra­ße 18 an: An die­ser Adres­se aber befand sich damals nur sei­ne Agen­tur; inzwi­schen hat die ört­li­che SPD in dem Alt­stadt-Fach­werk­haus ihr „Bür­ger­bü­ro“ ein­ge­rich­tet.
  • Klaus Senf­ter (69) ist Anteils­eig­ner der Tou­ris­mus GmbH: Er war frü­her Frak­ti­ons­chef der SPD im Oppen­hei­mer Stadt­rat.
  • Auch Heinz See­lin­ger (65) darf sich GmbH-Gesell­schaf­ter nen­nen: Poli­tisch hat er sich zwar noch nicht beson­ders her­vor­ge­tan, doch er pflegt offen­sicht­lich enge Nähe zu Mar­cus Held: Gut ein Jahr nach der GmbH-Grün­dung unter­schrieb er sei­nen Auf­nah­me­an­trag in die SPD. Weni­ge Mona­te spä­ter reis­te er nach Ber­lin und über­gab als Vor­stands­mit­glied des Car­ne­val Ver­ein Oppen­heim (CVO) den Orden der Nar­ren­kap­pe Ber­lin an Mar­cus Held. Zugleich ernann­te er sei­nen neu­en Par­tei­freund zum Bot­schaf­ter der rhein­hes­si­schen Fast­nachts­kul­tur in der Haupt­stadt.
  • Hans­jür­gen Bod­de­ras (61), der Ers­te Bei­ge­ord­ne­te, gilt als engs­ter Ver­trau­ter von Held im Rat­haus. Er ist nicht nur Geschäfts­füh­rer der GmbH, son­dern auch deren Gesell­schaf­ter.
  • Peter Con­rad (53) ist nach der Stadt der zweit­größ­te Anteils­eig­ner. Er ist Chef (Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer) des Bau­un­ter­neh­mens Hebau GmbH und auf die­se Wei­se Mar­cus Held ver­bun­den: Wenn es um städ­ti­sche Stra­ßen­bau­maß­nah­men geht, prä­sen­tiert der Stadt­bür­ger­meis­ter den Par­la­men­ta­ri­ern gewöhn­lich die Ange­bots­lis­te. Zur Ver­blüf­fung vie­ler Rats­mit­glie­der und Kon­kur­renz­be­trie­be schafft es die Hebau GmbH, bei nahe­zu allen Stra­ßen­bau­auf­trä­gen in Oppen­heim der güns­tigs­te Anbie­ter zu sein – und bekommt des­halb natür­lich den Zuschlag.
  • Ste­fan Lösch (56) hält eben­falls einen Anteil – für die MAP Con­sult GmbH, deren Geschäfts­füh­rer er ist. Die­se Fir­ma durf­te ihr Büro neben dem von Rudi Baum­gar­ten im Rat­haus ein­rich­ten: Sie ist im Dau­er­auf­trag für die Stadt­sa­nie­rung enga­giert.
  • Auch Hel­mut Kre­the (62) kauf­te sich ein. Damals war er noch in der CDU, hat­te sich aber längst auf die Sei­te des SPD-Stadt­bür­ger­meis­ters geschla­gen. Kre­the dräng­te im Zuge der Kom­mu­nal­wahl 2014 dar­auf, dass sich die CDU auf eine Koali­ti­on mit der SPD ein­ließ, obwohl die Sozi­al­de­mo­kra­ten die Mehr­heit im Stadt­par­la­ment errun­gen hat­ten. Das bescher­te ihm den Pos­ten des Tou­ris­mus-Bei­ge­ord­ne­ten (und ent­zwei­te ihn mit sei­ner Par­tei: Er ver­ließ sie, woll­te gleich­wohl in der CDU-Frak­ti­on ver­blei­ben, die ihn aber unlängst raus­warf).

Die Gründung der GmbH war Chefsache“

Wer hat die Gesell­schaf­ter der Tou­ris­mus GmbH aus­ge­wählt? Die­se Fra­ge ist nicht so ein­fach zu beant­wor­ten. Geschäfts­füh­rer Bod­de­ras teil­te mit, dies sei über eine Mel­dung im Wochen­blatt gesche­hen: Danach sei­en „alle an einer Par­ti­zi­pa­ti­on inter­es­sier­ten Mit­bür­ger, Fir­men und Betrie­be“ am 10. Mai 2012 zu einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung ein­ge­la­den wor­den. Folg­lich hät­te jeder kom­men und ein­stei­gen kön­nen.

Ange­sichts einer Namens­lis­te von Held-Günst­lin­gen und -Begüns­tig­ten liegt aller­dings die Ver­mu­tung nahe, dass die Gesell­schaf­ter vom Stadt­bür­ger­meis­ter hand­ver­le­sen aus­ge­wählt wur­den. Tat­säch­lich sagt der dama­li­ge Tou­ris­mus-Bei­ge­ord­ne­te Rai­mund Darm­stadt heu­te: „Die GmbH war Chef­sa­che, da habe ich damals nicht ein­mal als Tou­ris­mus-Bei­ge­ord­ne­ter mit­re­den kön­nen. Mar­cus Held hat alles ganz allein ent­schie­den.“

Die GmbH star­te­te mit einem Stamm­ka­pi­tal von 100.000 Euro, wovon die pri­va­ten Gesell­schaf­ter 51.000 Euro ein­zahl­ten. Die Stadt brach­te ihren Anteil (49% = 49.000 Euro) als soge­nann­te Sach­ein­la­ge in Form ihres Tou­ris­mus­bü­ros ein: Das zwei­stö­cki­ge Gebäu­de an der Meri­an­stra­ße 2A wur­de beim Amts­ge­richt Mainz im Grund­buch Blatt 5266 auf die neue GmbH über­tra­gen. Die „All­ge­mei­ne Zei­tung“ schrieb damals, dass der Sach­wert des Rat­haus-Nach­bar­ge­bäu­des „genau die­ser Sum­me ent­spricht“, also 49.000 Euro aus­ma­che. Das war nicht ganz rich­tig: In einem Kurz-Gut­ach­ten war der Wert des Alt­stadt-Objekts mit 80.000 Euro bezif­fert wor­den. Somit kas­sier­te die GmbH rein rech­ne­risch 31.000 Euro zu viel; die­ser über­schie­ßen­de Betrag wur­de als Dar­le­hen der Stadt an die GmbH ver­bucht, das jähr­lich mit zwei Pro­zent zu ver­zin­sen ist.

Das ist buch­hal­te­risch wohl alles kor­rekt, und auch die Zusam­men­set­zung des neun­köp­fi­gen Auf­sichts­rats ist nicht strit­tig: Der Stadt­bür­ger­meis­ter und der Tou­ris­mus-Bei­ge­ord­ne­te sind kraft Amtes Mit­glied, drei wei­te­re Mit­glie­der wer­den vom Stadt­rat gewählt, die übri­gen vier wer­den von den Gesell­schaf­tern ernannt. Klar ist sodann gere­gelt: „Die Ver­tre­ter der Stadt Oppen­heim im Auf­sichts­rat sind an Richt­li­ni­en und Wei­sun­gen des Rats der Stadt Oppen­heim gebun­den.“

Infos für den Stadtrat? Gibt’s nicht!

Und genau hier fan­gen die Pro­ble­me an: Richt­li­ni­en und Wei­sun­gen kann ein Stadt­rat „sei­nen“ Auf­sichts­rats­mit­glie­dern natür­lich nur ertei­len, wenn er voll­stän­dig und umfas­send über die Geschäf­te der GmbH infor­miert wird. Die Pro­to­kol­le der Rats­sit­zun­gen aber wei­sen zur inhalt­li­chen Tätig­keit der Tou­ris­mus GmbH kei­nen ein­zi­gen Tages­ord­nungs­punkt aus. „Das war noch nie ein The­ma“, räumt denn auch ein lang­jäh­ri­ges SPD-Rats­mit­glied ein. Auch ein Betei­li­gungs­be­richt, den die Gemein­de­ord­nung zwin­gend vor­schreibt und der über die Geschäfts­tä­tig­keit der Tou­ris­mus GmbH infor­mie­ren müss­te, exis­tiert – wie unlängst auf­ge­deckt – im Rat­haus Oppen­heim nicht.

Die Mit­glie­der des Stadt­ra­tes wur­den somit offen­bar auch nie gefragt, ob die Ein­tritts­gel­der aus dem städ­ti­schen Kel­ler­la­by­rinth in die GmbH „umge­lei­tet“ wer­den dürf­ten. Mehr als 200.000 Euro nimmt die Tou­ris­mus-GmbH heu­te auf die­se Wei­se ein – pro Jahr. Nor­ma­ler­wei­se steht das gan­ze Geld der Stadt zu. Heu­te ver­blei­ben ihr – durch­ge­rech­net – gera­de mal 49 Pro­zent davon.

Und das wirk­lich ohne legi­ti­mie­ren­den Beschluss des Stadt­ra­tes?

Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held, der sonst zu allem etwas sagt, schweigt plötz­lich. „Wir“, so teilt er in mon­ar­chi­schem Plu­ra­lis Maje­s­ta­tis mit, also „wir“ sehen kei­ne Ver­an­las­sung mehr, „The­men jeg­li­cher Art ab sofort aus­ge­rech­net mit ihnen zu bespre­chen“. So schrieb er wört­lich, und wenn er auch etwas ver­quer for­mu­lier­te, so war sei­ne Bot­schaft doch unmiss­ver­ständ­lich: Kein Wort mehr zum Autor die­ser Web­sei­te.

Auskünfte fern ab jeder Sachkompetenz

Hans­jür­gen Bod­de­ras, Ers­ter Bei­ge­ord­ne­ter und GmbH-Geschäfts­füh­rer wie auch -Gesell­schaf­ter, müss­te die Geld­strö­me in „sei­ne“ GmbH eigent­lich erklä­ren kön­nen. Hart­nä­ckig hält sich in Krei­sen der Rats­mit­glie­der das Gerücht, dass sich der stu­dier­te Theo­lo­ge und Johann-Sebas­ti­an-Bach-Fan, der als Bei­ge­ord­ne­ter für Kul­tur, Bil­dung und Sozia­les 801 Euro/Monat bekommt, sei­nen Zusatz­job mit einem – gemes­sen an der Grö­ße der GmbH – sehr opu­lent dotier­ten Geschäfts­füh­rer-Ver­trag ent­loh­nen las­se. Dazu will er nichts sagen („Ich bezweif­le, dass es eine juris­ti­sche Grund­la­ge dafür gibt, mein Gehalt offen zu legen“). Auf wei­te­re Fra­gen zu Ein­nah­men und Aus­ga­ben der GmbH gerät er ins Stot­tern und teilt schließ­lich schrift­lich mit: „Bevor ich näher gehen­de Infor­ma­tio­nen her­aus­ge­be, schlie­ße ich mich zunächst mit mei­nem Bei­ge­ord­ne­ten für Tou­ris­mus kurz, der mein Dienst­herr ist.“

Eine sol­che Aus­kunft zeugt nicht gera­de von Sach­kom­pe­tenz: Der Dienst­herr des Geschäfts­füh­rers ist natür­lich die Gesell­schaft, ver­tre­ten durch ihren Auf­sichts­rat, und nicht der Tou­ris­mus-Bei­ge­ord­ne­te. Aber ver­su­chen wir’s halt bei dem:

Auch Hel­mut Kre­the, der für den Job des Tou­ris­mus-Bei­ge­ord­ne­ten Monat für Monat trotz Ehren­amt­lich­keit eben­falls 801 Euro im Monat kas­siert, will erst nichts sagen. Drei lan­ge Emails schreibt er, die wir zur Doku­men­ta­ti­on im Wort­laut ver­öf­fent­li­chen – dann end­lich ringt er sich zu einer Ant­wort durch:

Erst ver­weist er auf sei­nen Bür­ger­meis­ter: Des­sen Schwei­ge-Gelüb­de habe er „nichts hin­zu­zu­fü­gen“.

Spä­ter, nach freund­li­chem Hin­weis auf bestehen­de Aus­kunfts­pflich­ten, schickt er eine län­ge­re Stel­lung­nah­me: Mit vie­len Wor­ten umschreibt er dar­in, war­um die Grün­dung der GmbH ein ganz nor­ma­ler Vor­gang gewe­sen sei (was nie bestrit­ten wur­de) und dass eine GmbH natür­lich Ein­nah­men ver­zeich­nen wol­le (was eben­falls unstrit­tig ist).

Erst in einer drit­ten Mail kommt er zur Sache: Und er räumt ein, dass der Stadt­rat nie gefragt wor­den sei, ob eine Pri­vat­fir­ma die Kel­ler-Ein­tritts­gel­der ver­ein­nah­men dür­fe. Sei­ner Mei­nung nach sei das auch voll­kom­men in Ord­nung, schreibt Kre­the, irgend­wie müs­se eine Tou­ris­mus-Fir­ma ja Geld ver­die­nen, sie habe schließ­lich auch Aus­ga­ben…

Noch ein Fall für den Staatsanwalt

Wenn er da nur nicht irrt! Denn wenn es kei­nen Rats­be­schluss dar­über gibt, wonach die Ein­tritts­gel­der aus dem städ­ti­schen Kel­ler­la­by­rinth-Sys­tem in eine mehr­heit­lich stadt­frem­de GmbH flie­ßen dür­fen, dann könn­te das straf­recht­lich noch äußerst inter­es­sant wer­den: Die GmbH ver­ein­nahmt seit Jah­ren Hun­dert­tau­sen­de, die der Stadt zuste­hen – ohne Geneh­mi­gung: Ein Jurist bezeich­net solch nicht geneh­mig­te Geld­flüs­se vor­bei an der Stadt­kas­se als „treu­wid­ri­ge Beschä­di­gung städ­ti­schen Ver­mö­gens“, wofür der Stadt­bür­ger­meis­ter ver­ant­wort­lich sei. „Das wären nach Para­graf 266 Straf­ge­setz­buch der nächs­te Fall der Untreue.“

Es gibt noch eini­ge wei­te­re Punk­te, die unklar sind:

  1. Laut Hel­mut Kre­the kas­siert die GmbH die städ­ti­schen Ein­nah­men im Zusam­men­hang mit Tou­ris­mus, weil sie ja im Gegen­zug auch die Aus­ga­ben über­nom­men habe. Kre­the ver­schweigt, dass zwei Mit­ar­bei­ter für den Tou­ris­mus noch immer auf Kos­ten der Stadt­kas­se ange­stellt sind. AL-Chef Darm­stadt hat­te im letz­ten Jahr im Stadt­rat bean­tragt, die­se bei­den Plan­stel­len durch die GmbH fort­füh­ren zu las­sen, dann wür­de die Stadt 70.000 Euro spa­ren. Der Antrag wur­de laut Sit­zungs­pro­to­koll mit den Stim­men von SPD und CDU abge­lehnt.
  2. Die Über­tra­gung der Kel­ler-Nut­zung an die GmbH hät­te nor­ma­ler­wei­se in einem Nut­zungs­über­las­sungs­ver­trag ver­ein­bart wer­den müs­sen. Dar­in wäre zum Bei­spiel unter ande­rem geklärt wor­den, wer anfal­len­de Kos­ten wie Strom, Ver­si­che­run­gen, Rei­ni­gung etc. über­nimmt. Und es wäre auch fest­ge­legt wor­den, wel­che Nut­zungs­ent­schä­di­gung die GmbH an die Stadt­kas­se abfüh­ren muss. Einen sol­chen Ver­trag aber gibt es offen­bar nicht. AL-Mann Darm­stadt hat­te des­halb im letz­ten Jahr im Stadt­rat den Antrag gestellt, dass die GmbH jähr­lich eine Pau­scha­le an die Stadt zah­len sol­le. Er sprach von 30.000 Euro; im Pro­to­koll heißt es: Antrag abge­lehnt!
  3. Und dann soll­te die GmbH, so lau­te­te ein wei­te­rer Vor­schlag des AL-Chefs, von ihren Gewin­nen jähr­lich 5000 Euro an die Stadt über­wei­sen. Im Pro­to­koll der Rats­sit­zung heißt es, dass über die­sen Antrag nicht abge­stimmt wor­den sei, „da er nicht zuläs­sig ist. Dar­über muss die Tou­ris­mus GmbH ent­schei­den.“ Das ist in die­ser Form nicht rich­tig: Natür­lich beschließt die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der Tou­ris­mus GmbH (und nicht der Stadt­rat) über die Ver­wen­dung des bei der GmbH ange­fal­le­nen Gewinns. Aber: Die Ver­tre­ter der Stadt Oppen­heim in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der Tou­ris­mus GmbH – also Stadt­bür­ger­meis­ter Held und sein Tou­ris­mus-Bei­ge­ord­ne­ter Kre­the – unter­lie­gen dabei nach Para­graf 88 Absatz 1 Satz 6 der Gemein­de­ord­nung Rhein­land-Pfalz und Para­graf 16 Absatz 9 des Gesell­schafts­ver­trags der Tou­ris­mus GmbH den Wei­sun­gen des Stadt­rats. Man konn­te – nein: man muss­te den Vor­schlag des AL-Chefs also dahin aus­le­gen, dass die Ver­tre­ter der Stadt ange­wie­sen wer­den, in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der GmbH einen ent­spre­chen­den Gewinn­ver­wen­dungs­vor­schlag durch­zu­set­zen. Das aber geschah nicht; statt­des­sen wur­de der sach­ge­rech­te Vor­schlag Darm­stadts faden­schei­nig und zu Unrecht „abge­bü­gelt“.

Bei so vie­len hand­werk­li­chen Ver­wal­tungs­feh­lern – wenn denn nicht rich­ti­ger von bewusst rechts­wid­ri­gem Vor­ge­hen gespro­chen wer­den muss: Hät­te die Ver­wal­tung der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz bei der Oppen­heim Tou­ris­mus GmbH nicht ein­schrei­ten müs­sen? Hät­te VG-Bür­ger­meis­ter Klaus Pen­zer sei­nen Par­tei­freund Mar­cus Held nicht recht­zei­tig an die Kan­da­re neh­men, zumin­dest aber vor sol­chem Geschäfts­ge­ba­ren ein­dring­lich war­nen müs­sen? Immer­hin, die VG-Ver­wal­tung ist mit­ver­ant­wort­lich für die Füh­rung der Amts­ge­schäf­te in Oppen­heim…

Pen­zer ant­wor­tet nicht auf Anfra­gen. Er lässt sei­nen Büro­lei­ter eine kur­ze Stel­lung­nah­me schi­cken: „Die Tou­ris­mus GmbH ist Bestand­teil der Prü­fung des Rech­nungs­ho­fes.“ Wäh­rend eines lau­fen­den Ver­fah­rens wür­den „zu den Prü­fungs­ge­gen­stän­den kei­ner­lei Infor­ma­tio­nen her­aus­ge­ge­ben“.

Im Klar­text: Der Rech­nungs­hof, des­sen Son­der­prü­fung bereits dazu führ­te, dass die Staats­an­walt­schaft gegen Mar­cus Held wegen des Ver­dachts der mehr­fa­chen Untreue ermit­telt, hat sich auch des The­mas „Oppen­heim Tou­ris­mus GmbH“ ange­nom­men. Wir sind gespannt: Da kommt bestimmt noch was hoch!

3 Gedanken zu „Privatfirma beutet städtische Geldquelle aus

  1. K.Podesta

    Zitat: Was Gott von Geld hält, sieht man an denen, denen er es gibt!

  2. K.Podesta

    In der Bana­nen­re­pu­blik gibt es, wie bei den Gal­li­ern ein klei­nes, eigent­lich unbe­deu­ten­des Dorf mit einem Bür­ger­meis­tix, der sich nicht nur auf dem Schild her­um­tra­gen lässt, son­dern auch sei­ne Unter­ta­nen mit­tels Nasen­ring durch das Dorf führt! Immer dabei, sei­ne Genos­sen, allen vor­an „de Pla­nungs­ru­di“! Nicht nur, dass er immer am Gän­gel­band von Held hängt, nein, er ist auch beim Abkas­sie­ren immer vor­ne dabei! Kein Wun­der, dass er dann groß­zü­gig spen­den konn­te, war es, wie man lesen kann, nicht sein Geld, mit dem er den Beu­tel von Held und der SPD füll­te! Das sind tie­fe Abgrün­de, die sich da auf­tun! Die­je­ni­gen, wer immer das auch war, die das an die Öffent­lich­keit gebracht haben, gehö­ren aus­ge­zeich­net! in den USA wäre das der Pur­lit­zer-Preis, der an inves­ti­ga­ti­ve Jour­na­lis­ten ver­lie­hen wird! Das Zen­tral­or­ga­ne von Herrn Held, die AZ und vor allem das Wochen­blatt, wer­den viel auf­zu­ar­bei­ten haben, wenn es denn fest­steht, dass sie da mit­ge­hol­fen haben, das alles in einem schil­lern­den Licht für Herrn Held erschei­nen zu las­sen. Lei­der ist das nicht spa­ßig, son­dern die Bür­ger sind die leid­tra­gen­den, die wer­den vor­ge­führt, durch den Ring getrie­ben, weil sie alles nur scheib­chen­wei­se erfah­ren. Poli­tik ist ein schlimm, nein, es sind die Poli­ti­ker, die das schlecht machen, vor allem sol­che Leu­te, die den Hals nicht voll­be­kom­men kön­nen und immer und über­all an den Fleisch­töp­fen sit­zen. Eine Fra­ge stellt sich mir: Gibt es noch sol­che Pöst­chen in Oppen­heim? Wer kommt dafür noch in Fra­ge? Es ist ein­fach furcht­bar! Man hul­digt dem Ver­rat, hasst aber die Ver­rä­ter! Scha­de eigent­lich, dass die Prot­ago­nis­ten kei­ne Eier in der Hose haben und zurück­tre­ten! Wie sagt der Main­zer?. Wei­ne könnt ich, wei­ne! Der rote Hengst von Uel­vers­heim, mein Bür­ger­meis­ter fährt wie ein König durch unser schö­nes Dorf, es fehlt eigent­lich nur noch die Kut­sche! Kein Scham­ge­fühl! Jetzt gab es die letz­ten 5 Jah­re auch noch Geld von der GmbH! Fas­sungs­los ist man da! Was kommt noch alles ans Licht!?

  3. Michael Lohr

    Was unter­schei­det eigent­lich noch die deut­sche Poli­tik für die Mar­cus Held hier exem­pla­risch steht von den kor­rup­ten Regimes in Dritt­welt­län­dern? Die trei­ben es genau­so bunt. Wer gewählt ist, bedient sich an den Fleisch­töp­fen. Das alles geht zu Las­ten der Bür­ger! Wann wird es end­lich Kon­se­quen­zen geben?

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