Oppenheimer Verträge: So wird die Stadt abgezockt

An die­sem Sonn­tag wird in Oppen­heim ein neu­er Stadt­bür­ger­meis­ter gewählt. Es ist der Stadt zu wün­schen, dass mög­lichst vie­le Bür­ger zur Wahl gehen, mit „Ja“ für den ein­zi­gen Kan­di­da­ten Wal­ter Jertz stim­men und so ein deut­li­ches Zei­chen set­zen: Im Oppen­hei­mer Rat­haus muss end­lich auf­ge­räumt wer­den! Drin­gend! Auch aus die­sem Grund: In dem his­to­ri­schen Gemäu­er an der Meri­an­stras­se lie­gen jede Men­ge Ver­trags­wer­ke, die Mar­cus Held unter Ver­schluss gehal­ten hat und nur weni­ge Ver­trau­te sei­ner Cli­que ein­se­hen ließ. Eini­ge die­ser Doku­men­te wur­den uns jetzt zuge­tra­gen, und sie unter­mau­ern den Ver­dacht: Ver­trä­ge aus der Held-Ära kön­nen die Stadt noch ver­dammt teu­er zu ste­hen kom­men – wenn nicht schleu­nigst mit juris­ti­schem Sach­ver­stand ein­ge­grif­fen wird.

Baumgarten-Vertrag: Freibrief zum Abkassieren?

Vor kur­zem beka­men wir ein Paket aus Oppen­heim zuge­schickt. Dar­in lag, ein­ge­wi­ckelt in hell­brau­nem Pack­pa­pier, ein dun­kel­grau­er Akten­ord­ner. Und dar­in waren, grob geschätzt, mehr als 600 DinA-4-Sei­ten abge­hef­tet:

Mehr als 600 Kopi­en von Rech­nun­gen von Rudolf Baum­gar­ten und der Hebau GmbH schmug­gel­ten Whist­leb­lo­wer aus der VG-Ver­wal­tung.

Es han­delt sich im Wesent­li­chen um Kopi­en von Rech­nun­gen, die aus dem Oppen­hei­mer Stadt­sä­ckel bezahlt wur­den. Absen­der in fast allen Fäl­len: Rudolf Baum­gar­ten mit sei­ner soge­nann­ten „Pla­nungs­ge­mein­schaft für Umwelt Tech­nik“ (Plan­gUT) und das Main­zer Bau­un­ter­neh­men Hebau GmbH.

Die Unter­la­gen stam­men alle­samt aus der Ver­wal­tung der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz (VG), also aus jener Behör­de, aus der vor gut einem Jahr bis heu­te unbe­kann­te Mit­ar­bei­ter jede Men­ge Papie­re vor allem zu Grund­stücks­ge­schäf­ten in Krä­mer­eck-Süd her­aus­ge­tra­gen hat­ten. Die Doku­men­te bün­del­ten sie damals zu einem Dos­sier und alar­mier­ten Behör­den und Jour­na­lis­ten. Dar­auf­hin ent­stand die­se Web­sei­te, der Lan­des­rech­nungs­hof rück­te an, und die Staats­an­walt­schaft in Mainz lei­te­te unge­wöhn­lich vie­le Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen Stadt­bür­ger­meis­ter Held sowie VG-Chef Klaus Pen­zer ein:

Der Oppen­heim-Skan­dal war auf­ge­platzt wie ein eit­ri­ges Geschwür! Erst vor weni­gen Wochen, nach Helds Rück­tritt im März die­ses Jah­res, war der Weg frei für Auf­klä­rung und Auf­ar­bei­tung, die aller­dings mit Held-Freund Hel­mut Kre­the an der Stadt­spit­ze kaum mög­lich sind und des­halb zwin­gend einen neu­en Rat­haus­chef ver­lan­gen.

Die Wei­chen sind gestellt, an die­sem Sonn­tag ist Stadt­bür­ger­meis­ter-Wahl – Hei­lung ist damit abseh­bar. Aber bit­te­re Pil­len muss der „Pati­ent Oppen­heim“ wohl noch eini­ge Zeit schlu­cken:

Dar­auf deu­ten die Unter­la­gen hin, die jetzt wie­der aus der VG-Ver­wal­tung her­aus­tra­gen wur­den. Ein­zig denk­ba­res Motiv: Behör­den­mit­ar­bei­ter sind offen­bar in gro­ßer Sor­ge, dass im Oppen­hei­mer Rat­haus unter Füh­rung des Held-Getreu­en Hel­mut Kre­the Unter­la­gen mani­pu­liert wer­den oder gar ver­schwin­den könn­ten.

Die nun auf­ge­tauch­ten Rech­nungs­ko­pi­en bedür­fen einer inten­si­ven Über­prü­fung, was natur­ge­mäß dau­ert. Doch oben­drauf lag noch ein klei­nes „Extra“, das wir schon heu­te etwas genau­er anschau­en wol­len: Es han­delt sich um den Ver­trag, den Mar­cus Held mit Rudolf Baum­gar­ten abge­schlos­sen hat.

Rudolf Baum­gar­ten: Der Mann ist SPD-Bür­ger­meis­ter in Uel­vers­heim. Er mischt trotz­dem in Oppen­heim über­all und jeder­zeit mit, vor­nehm­lich im Hin­ter­grund. Baum­gar­ten gilt als enger Ver­trau­ter von Held, tritt im Namen der Stadt als Pla­ner von Gebäu­den, Stra­ßen und Bau­ge­bie­ten auf – und konn­te dank Held auch noch als Mak­ler abkas­sie­ren (hier). Er ist Mit­ei­gen­tü­mer der umstrit­te­nen Oppen­heim Tou­ris­mus GmbH, die seit Jah­ren mit Ein­wil­li­gung des eins­ti­gen Stadt­bür­ger­meis­ters städ­ti­sche Geld­quel­len aus­beu­tet (hier). Baum­gar­tens Name taucht auch in dem von Held initi­ier­ten Ver­ein „Oppen­heim bewegt“ auf, der in völ­li­ger Intrans­pa­renz mit ziem­lich viel Steu­er­geld jon­gliert (hier).

Nahe­zu gro­tesk mutet Baum­gar­tens Tätig­keit bei der ins Schlin­gern gera­te­nen Gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft GWG Oppen­heim an: Als stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­rats müss­te er die Tätig­keit des Vor­stands kon­trol­lie­ren. Vor­stands­vor­sit­zen­der war über vie­le Jah­re und bis vor kur­zem sein Kum­pel Mar­cus Held. Die Fra­ge, wie Baum­gar­ten ange­sichts sei­ner wirt­schaft­li­chen Abhän­gig­keit von Held des­sen Tätig­keit bei der GWG/HGO wir­kungs­voll beauf­sich­ti­gen konn­te, wur­de nie beant­wor­tet.

Die freund­schaft­li­che Nähe zwi­schen den bei­den Genos­sen führ­te auch dazu, dass der Pri­vat­un­ter­neh­mer Baum­gar­ten ein Büro im städ­ti­schen Rat­haus bezie­hen durf­te (wie zwei ande­re Unter­neh­men auch), dies auch noch zu Son­der­kon­di­tio­nen, wie der Lan­des­rech­nungs­hof fest­ge­stellt hat. Nun ist Held weg, aber Baum­gar­ten sitzt immer noch da. Angeb­lich hat die Stadt, ver­tre­ten durch Hel­mut Kre­the, die Fir­men­chefs im Rat­haus gebe­ten, eine Miet­erhö­hung zu akzep­tie­ren. Die Her­ren sol­len, wen wundert’s, abge­lehnt haben.

So ist er, der Rudi Baum­gar­ten. Und weil man so gut mit­ein­an­der konn­te, in der Par­tei, im Rat­haus, in Fir­men und Ver­ei­nen, eben des­halb hat der Mar­cus dem Rudi auch einen rich­tig guten Ver­trag gege­ben. „Dienst­leis­tungs­ver­trag“ steht oben drü­ber, es ist ein dürf­ti­ges Werk, umfasst gera­de mal zwei­ein­halb Sei­ten und sieht aus, als habe jemand einen Blan­ko-Ver­trag aus dem Inter­net gela­den und schnell mit ein paar Ein­tra­gun­gen ange­füllt. So mutet die­ser Ver­trag wie ein Frei­brief zum Abkas­sie­ren an: Elf mage­re Para­gra­fen ver­ra­ten, war­um nahe­zu sämt­li­che städ­ti­sche Bau­maß­nah­men von Baum­gar­ten gesteu­ert wur­den (und wohl auch noch wer­den):

Para­graf 1 des Ver­tra­ges sieht vor, ganz all­ge­mein, dass Baum­gar­ten die Stadt Oppen­heim („ver­tre­ten durch Herrn Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held“) pla­ne­risch und orga­ni­sa­to­risch bei der Instand­hal­tung und Sanie­rung städ­ti­scher Lie­gen­schaf­ten „unter­stützt“. Kon­kret geht es um „Gebäude/bauliche Anla­gen, stadt­ei­ge­ne Straßen/Wege/Plätze inkl. Ent­wäs­se­rungs­ar­bei­ten“. Es geht also eigent­lich um alle städ­ti­sche Bau­ar­bei­ten, die doch eigent­lich ori­gi­när in die Zustän­dig­keit der Bau­ver­wal­tung der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz fal­len, wofür die Stadt schließ­lich auch eine Umla­ge an die Ver­bands­ge­mein­de zahlt.

Baum­gar­ten soll, so sieht es Para­graf 2 vor, fol­gen­de Leis­tun­gen erbrin­gen: „Pla­nung, Bau­lei­tung und Kon­trol­le, Rech­nungs­prü­fung, Abrech­nung“. Man kann durch­aus sagen: Mit die­ser Ver­ein­ba­rung war Baum­gar­ten vom Stadt­bür­ger­meis­ter zum obers­ten städ­ti­schen Bau­auf­se­her gemacht wor­den.

In Para­graf 3 des Ver­tra­ges wur­de als Ver­gü­tung für Baum­gar­ten ein Stun­den­satz von 55 Euro fest­ge­legt, „zzgl. der Umsatz­steu­er in gesetz­li­cher Höhe und einer Neben­kos­ten­pau­scha­le von 6,5%“. Eine Begren­zung der Stun­den­zahl ist nicht vor­ge­se­hen.

Kon­trol­le? Ja, die soll’s natür­lich geben: Zeit und Ort der Leis­tungs­er­brin­gung, so lesen wir in Para­graf 4, „ver­ein­ba­ren die Ver­trags­par­tei­en im Ein­zel­nen ein­ver­nehm­lich“. Laut Para­graf 5 muss Baum­gar­ten „auf Anfor­de­rung“ Bericht über sei­ne lau­fen­de Arbeit und deren Ergeb­nis­se erstat­ten. Natür­lich an den Stadt­bür­ger­meis­ter, also an Mar­cus Held, sei­nen Par­tei­freund.

Für­wahr ein tol­ler Job! Zumal ohne jedes Risi­ko für den Auf­trag­neh­mer: Auf einen Para­gra­fen, der Baum­gar­ten zu irgend­ei­ner Haf­tung ver­pflich­tet hät­te (oder zumin­dest zum Abschluss ent­spre­chen­der Ver­si­che­run­gen), hat Mar­cus Held groß­zü­gig ver­zich­tet.

Um kurz auf­zu­zei­gen, wie dank eines sol­chen Ver­trags abge­rech­net wer­den konn­te, schau­en wir uns eine belie­bi­ge Rech­nung aus dem Akten­ord­ner an:

Am 10. August 2016 schick­te Baum­gar­ten eine Rech­nung ans Rat­haus, sie betraf den „Leis­tungs­zeit­raum Janu­ar 2016“, als wohl ein Stra­ßen­ein­lauf in der Main­zer Stra­ße zu repa­rie­ren gewe­sen war. Baum­gar­ten rech­ne­te ab: 1 Stun­de Orts­be­sich­ti­gung; 1,5 Stun­den Ange­bots­ein­ho­lung; 2 Stun­den Bau­lei­tung; 1 Stun­den Bau­lei­tung-Abnah­me; 0,5 Stun­den Rech­nungs­prü­fung. Macht unterm Strich 418,23 Euro.

An jenem 10. August 2016 schick­te Baum­gar­ten, aus­weis­lich der vor­lie­gen­den Unter­la­gen, min­des­tens drei wei­te­re sol­cher Rech­nun­gen ins Rat­haus. Die aus­ge­führ­ten Arbei­ten lagen alle­samt meh­re­re Mona­te zurück: Wer woll­te da noch die Rich­tig­keit prü­fen kön­nen?

Im Oppen­hei­mer Rat­haus hat­te man damit kei­ne Pro­ble­me: Mit Datum vom 11. August 2016 – das ging echt fix! – bestä­tig­te Mar­cus Held samt Stem­pel und Unter­schrift „die Rich­tig­keit der Lie­fe­rung-Leis­tung“ auf allen Baum­gar­ten-Rech­nun­gen und schick­te die Papie­re wei­ter an die Ver­wal­tung der Ver­bands­ge­mein­de, wo man für die Über­wei­sung zustän­dig ist.

Wäh­rend Mar­cus Held alle Baum­gar­ten-Rech­nun­gen schwung­voll abzeich­ne­te (unten im Bild), bestä­tig­ten VG-Mit­ar­bei­ter nur noch die rech­ne­ri­sche Rich­tig­keit – eine Art stil­ler Pro­test.

Im Ron­do waren eini­ge Mit­ar­bei­ter aber offen­sicht­lich skep­tisch gewor­den: Frü­her stem­pel­ten sie sol­che Rech­nun­gen als „Fach­tech­nisch rich­tig“ ab und setz­ten ihre Unter­schrift dar­un­ter – das Geld konn­te über­wie­sen wer­den. Zuletzt schrieb der zustän­di­ge Sach­be­ar­bei­ter nur noch hand­schrift­lich „Rech­ne­risch rich­tig“ dar­un­ter und zeich­ne­te ab. Das dürf­te als kla­res Signal zu wer­ten sein: Ver­ant­wor­tung für die­se Art unkon­trol­lier­ba­rer Rech­nun­gen aus dem Oppen­hei­mer Rat­haus woll­te in der VG-Ver­wal­tung kei­ner mehr über­neh­men, zumin­dest nicht in den unte­ren Eta­gen.

VG-Chef Klaus Pen­zer sei nie ein­ge­schrit­ten, heißt es heu­te in der VG-Ver­wal­tung. Er woll­te angeb­lich kei­nen Ärger mit sei­nem Par­tei­freund Mar­cus Held. Aber das ist ein ande­res The­ma…

Der Ver­trag zwi­schen Held und Baum­gar­ten wur­de aus­weis­lich der vor­lie­gen­den Unter­la­gen am 10. Dezem­ber 2010 unter­schrie­ben und trat zum 1. Janu­ar 2011 in Kraft. Aber auch hier gilt: Was heißt das schon in Oppen­heim? Die Whist­leb­lo­wer in der Ver­wal­tung der Ver­bands­ge­mein­de, die das Doku­ment nach drau­ßen geschmug­gelt haben, mer­ken an:

Der Ver­trag sei der VG-Ver­wal­tung erst nach Helds Rück­tritt und nur auf aus­drück­li­che Anfor­de­rung vor­ge­legt wor­den. Die Whist­leb­lo­wer: „Für die Rich­tig­keit des Aus­stel­lungs­da­tums kön­nen wir kei­ne Garan­tie über­neh­men.“ Soll wohl hei­ßen: Was im Oppen­hei­mer Rat­haus der­zeit abgeht – wer weiß das schon…

Parkplatz-Vertrag: Millionen-Schaden für die Stadt?

Oppen­hei­mer Stra­ßen­recht: Wer ohne Park­schein sein Auto parkt, den schleppt die Ver­kehrs­wacht ab.

Vor einem Monat hat­ten wir auf die­ser Web­sei­te den Ver­trag der Stadt Oppen­heim mit der Ver­kehrs­wacht Park­platz GmbH ver­öf­fent­licht: 35 Jah­re lang darf das Düs­sel­dor­fer Unter­neh­men in Oppen­heim bei den Auto­fah­rern abkas­sie­ren. Inzwi­schen haben sich Fach­leu­te das Werk etwas genau­er ange­schaut:

Alles deu­tet dar­auf hin, so sag­ten sie in einer ers­ten schnel­len Stel­lung­nah­me, dass der Deal des frü­he­ren SPD-Stadt­bür­ger­meis­ters mit dem Düs­sel­dor­fer Park­platz-Unter­neh­men für die Stadt über­haupt nicht gut sei. Sie spre­chen von einer „mas­si­ven und unan­ge­mes­se­nen Benach­tei­li­gung der Stadt“. Die Stadt habe „ohne erkenn­ba­re Grün­de“ auf Ein­nah­men ver­zich­tet. Die Ver­lus­te für die Stadt könn­ten sich im Lau­fe der Jah­re ver­mut­lich auf einen sie­ben­stel­li­gen Betrag sum­mie­ren.

Alle befrag­ten Exper­ten raten drin­gend zu einer zeit­na­hen inten­si­ven juris­ti­schen Über­prü­fung.

Das Park­platz-The­ma aber ist in Oppen­heim noch viel dif­fi­zi­ler: Wie wir schon ein­mal berich­tet haben, gibt es hin­rei­chen­de Grün­de für den Ver­dacht, dass bei der Aus­ga­be von Bewoh­ner-Park­aus­wei­sen – freund­lich aus­ge­drückt – gemau­schelt wur­de. Man hört es allent­hal­ben: Etli­che Alt­stadt­be­woh­ner sol­len, obwohl sie über einen eige­nen Stell- und/oder Gara­gen­platz ver­fü­gen, einen Bewoh­ner­park­aus­weis bekom­men haben. Tickets für kos­ten­lo­ses Par­ken in der engen Alt­stadt wur­den angeb­lich an Unter­stüt­zer und Freun­de der loka­len SPD aus­ge­ge­ben, selbst wenn kein Anspruch dar­auf bestand. Vor­aus­set­zung für eine der­art bevor­zug­te Behand­lung war ledig­lich der Besitz des rich­ti­gen Par­tei­buchs.

Die „Ver­lei­hung“ von Park­platz-Aus­wei­sen als inte­gra­ler Bestand­teil der von Held gepfleg­ten Günst­lings­wirt­schaft: Nicht allen wird’s gefal­len, wenn auch hier auf­ge­räumt wird. Aber was wäre die Alter­na­ti­ve?

Tourismus GmbH: Der peinliche Fehler der Juristen

Sie tra­fen sich vor gut einer Woche und über­lie­ßen es hin­ter­her dem amtie­ren­den Stadt­chef Hel­mut Kre­the, die Nach­richt bekannt zu geben: Die Gesell­schaf­ter der Tou­ris­mus GmbH hat­ten dem­nach ihr Unter­neh­men auf­lö­sen wol­len. Aller­dings habe ein ein­zi­ger Gesell­schaf­ter, der über ein Pro­zent (= 1000 Euro) der 100.000-Euro-Einlage ver­fü­ge, dies abge­lehnt. Des­halb sei eine Auf­lö­sung nicht mög­lich gewe­sen.

(Die Namen der Gesell­schaf­ter haben wir auf die­ser Web­sei­te bereits vor Mona­ten auf­ge­deckt: Sie fin­den sie hier).

Die Eigen­tü­mer der Tou­ris­mus GmbH, so schrieb jetzt die Lokal­zei­tung unter Beru­fung auf Hel­mut Kre­the, sei­en bis­her davon aus­ge­gan­gen, dass man die GmbH mit einer Mehr­heit von 75 Pro­zent der Gesell­schaf­ter auf­lö­sen kön­ne. Doch dann habe man „im Vor­feld zwei sich wider­spre­chen­de Para­gra­fen in der GmbH-Sat­zung gefun­den“. Das „juris­ti­sche Dilem­ma“ habe man „durch Anwen­dung der stren­ge­ren Ein­stim­mig­keits­klau­sel“ gelöst.

Mal ganz ehr­lich: Wer hat das ver­stan­den?

Wir woll­ten es etwas genau­er wis­sen und haben uns des­halb die Gesell­schafts­un­ter­la­gen besorgt. Damals, bei der Grün­dung, hat­te sich die Stadt der Unter­stüt­zung der angeb­lich renom­mier­ten Main­zer Anwalts­kanz­lei Roh­wed­der & Part­ner bedient. Mar­cus Held schrieb vor einem hal­ben Jahr in sei­ner SPD-Stadt­pos­til­le:

Bereits 2011 wur­de über die Fra­ge der Ein­be­zie­hung Pri­va­ter in das The­ma Tou­ris­mus in Oppen­heim gespro­chen. Wir haben uns sodann der Anwalts­kanz­lei Roh­wed­der & Part­ner in Mainz bedient, die den Vor­gang ergeb­nis­of­fen mit uns dis­ku­tiert und die Erstel­lung des Ver­trags­ent­wurfs vor­ge­nom­men hat.“

Und in eben die­sem Ver­trags­werk, für des­sen Erstel­lung sich die Main­zer Juris­ten sicher­lich ange­mes­sen haben hono­rie­ren las­sen, ist ein ganz dicker Feh­ler ent­hal­ten:

In Para­graf 16 („Beschluss­fas­sung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung“) heißt es unter Punkt 5:

Fol­gen­de Beschlüs­se der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung bedür­fen einer Mehr­heit von 75% des abstim­men­den Kapi­tals: a) Ände­run­gen des Gesell­schafts­ver­trags b) Auf­lö­sung der Gesell­schaft c) Begrün­dung, Ände­rung oder Been­di­gung stil­ler Gesell­schaf­ten.“

Das ist unmiss­ver­ständ­lich: Eine Auf­lö­sung der Gesell­schaft ist mög­lich, wenn 75 Pro­zent der Gesell­schaf­ter zustim­men.

Sie­ben Sei­ten wei­ter aber heißt es unter Para­graf 26 („Liqui­da­ti­on“) gleich im ers­ten Satz:

Der Beschluss über die Auf­lö­sung der Gesell­schaft muss ein­stim­mig gefasst wer­den.“

Und das soll ein „juris­ti­sches Dilem­ma“ sein? Es han­delt sich wohl eher um einen mega-pein­li­chen Pat­zer, der den ver­meint­li­chen Roh­wed­der-Exper­ten unter­lau­fen war. Er wur­de auch vom Oppen­hei­mer Notar Dr. Hen­ning Münch nicht bemerkt, als in des­sen Kanz­lei der Ver­trag am 16. Okto­ber 2012 unter­zeich­net wur­de. Schlam­pi­ge Arbeit allent­hal­ben: Auch dem Voll­ju­ris­ten Mar­cus Held und dem heu­ti­gen Tou­ris­mus-Bei­geord­ne­ten Hel­mut Kre­the, der sich so ger­ne sei­ner juris­ti­schen Stu­di­en rühmt, ist der kras­se Faux­pas offen­bar nie auf­ge­fal­len.

Wir haben einen erfah­re­nen Rechts­ex­per­ten dazu befragt, wie ein so dum­mer Feh­ler in einem der­art wich­ti­gen Ver­trags­werk pas­sie­ren kön­ne und zu bewer­ten sei. Sei­ne Bewer­tung:

Der Feh­ler basiert ver­mut­lich auf Flick­schus­te­rei: Aus ver­schie­de­nen (in punk­to Mehr­heits­er­for­der­nis wider­sprüch­li­chen) Text­vor­la­gen wur­de ein Ver­trag zusam­men­ge­baut, der nicht kon­sis­tent ist. Das kann pas­sie­ren, ist aber ein recht mar­kan­ter Feh­ler. Übri­gens nicht nur des Anwalts, der den Ent­wurf ver­ant­wor­tet, son­dern auch des Notars, der die GmbH-Grün­dung beur­kun­det hat. Aller­dings ist die Haf­tung des Notars gegen­über der Haf­tung des Anwalts sub­si­di­är.

So die Auf­lö­sung der GmbH wegen der wider­sprüch­li­chen gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen blo­ckiert ist und die­se Blo­cka­de einen kau­sa­len wirt­schaft­li­chen Scha­den (etwa bei der Stadt Oppen­heim) ver­ur­sacht, ste­hen Scha­dens­er­satz­an­sprü­che im Raum.“

Laut Hel­mut Kre­the sei der Feh­ler „im Vor­feld“ fest­ge­stellt wor­den, also bereits vor der Gesell­schaf­ter-Ver­samm­lung. Wenn das wahr sein soll­te, dann hät­te die GmbH durch­aus längst auf­ge­löst wer­den kön­nen, wie der juris­ti­sche Fach­mann weiß:

Eine adäqua­te, vor­aus­schau­en­de Pla­nung hät­te dar­in bestan­den, einen Notar zur Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung zu laden, um im Wege eines nota­ri­ell zu beur­kun­den­den Gesell­schaf­ter­be­schlus­ses ent­we­der die Kor­rek­tur des Gesell­schafts­ver­trags zu beschlie­ßen oder – noch ziel­füh­ren­den­der – im Wege eines sog. sat­zungs­durch­bre­chen­den Beschlus­ses sofort die Auf­lö­sung der Gesell­schaft zu beschlie­ßen:

Das GmbH-Recht kennt als Rechts­in­sti­tut den sog. sat­zungs­durch­bre­chen­den Beschluss. Hier wird ohne lang­wie­ri­ge (erst noch durch Han­dels­re­gis­ter­ein­tra­gung zu voll­zie­hen­de) Ände­rung des Gesell­schafts­ver­trags ein­zel­fall­be­zo­gen unter Beach­tung der für eine Gesell­schafts­ver­trags­än­de­rung gel­ten­den Regu­la­ri­en (Ein­be­ru­fung, qua­li­fi­zier­te Mehr­heit, nota­ri­el­le Beur­kun­dung) eine gesell­schafts­ver­trag­li­che Rege­lung durch die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung bewusst durch­bro­chen.

Die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung hät­te sich also mit der für eine Gesell­schafts­ver­trags­än­de­rung sta­tu­ier­ten Mehr­heit von „75% des abstim­men­den Kapi­tals“ (§ 16 Abs. 5 lit. a Gesell­schafts­ver­tag) über das 100-Pro­zent-Mehr­heits­er­for­der­nis des § 24 Abs. 1 Gesell­schafts­ver­trag hin­weg­set­zen kön­nen. Dies mit der Fol­ge, dass mit 75% der abge­ge­be­nen Stim­men unmit­tel­bar die Auf­lö­sung hät­te beschlos­sen wer­den kön­nen.“

War­um gin­gen die Gesell­schaf­ter, die­se Fra­ge steht heu­te im Raum, nicht die­sen ein­fa­chen, den direk­ten Weg? War­um hat Hel­mut Kre­the, der als amtie­ren­der Rat­haus­chef auch Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­ra­tes ist, die GmbH in eine Ver­län­ge­rung geschickt? Jetzt soll erst am 5. Juni zunächst die Sat­zungs­än­de­rung vor­be­rei­tet wer­den – und dann im Herbst, also erst in eini­gen Mona­ten, die GmbH-Auf­lö­sung beschlos­sen wer­den. War­um die­se Zeit­ver­zö­ge­rung?

Das gewähl­te Ver­fah­ren – erst Ände­rung des Gesell­schafts­ver­tra­ges, dann Auf­lö­sung – las­se jeden Prag­ma­tis­mus und Beschleu­ni­gungs­wil­len ver­mis­sen, urteilt der Rechts-Exper­te kühl. Kri­ti­sche Stadt­rats-Mit­glie­der arg­wöh­nen Schlim­me­res: Die Gesell­schaf­ter wür­den ver­mut­lich mehr an ihr eige­nes Wohl den­ken als an das der Stadt; sie woll­ten sich womög­lich noch schnell über „ihr“ Unter­neh­men selbst bedie­nen.

Die Tou­ris­mus GmbH ver­dient ihr Geld bekannt­lich auf denk­bar ein­fa­che Wei­se: Sie gene­riert ihre Haupt­ein­nah­men aus den Füh­run­gen durch den städ­ti­schen Unter­grund – sie behält ein­fach die Ein­tritts­gel­der ein. Auf einen Nut­zungs­über­las­sungs­ver­trag zwi­schen der Stadt und der GmbH hat­te man sei­ner­zeit ver­zich­tet: „Pri­vat­fir­ma beu­tet städ­ti­sche Geld­quel­len aus“ hat­ten wir des­halb im letz­ten Jahr geschrie­ben; spä­ter for­der­te der Lan­des­rech­nungs­hof die Stadt auf: „Leis­tun­gen zwi­schen Stadt und Tou­ris­mus GmbH sind sach­ge­recht zu ver­rech­nen.“

Seit­her wird über einen Nut­zungs­ver­trag zumin­dest schon ein­mal nach­ge­dacht: Die GmbH will zehn Cent pro Besu­cher an die Stadt­kas­se abfüh­ren – aber offen­bar nur für die­ses Jahr. „Auf­sichts­rat und Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung haben emp­foh­len bzw. beschlos­sen, in die­sem Jahr die Nut­zungs­ent­schä­di­gung zu bezah­len“, teil­te Geschäfts­füh­rer Hans­jür­gen Bod­de­ras auf Anfra­ge mit. Und wei­ter: „Ich wer­de mit dem neu­en Bür­ger­meis­ter – und der sicher mit dem Stadt­rat – abklä­ren, in wel­chen monat­li­chen Abstän­den oder zum Jah­res­en­de das zu zah­len sein wird.“

Zehn Cent pro Besu­cher für die Stadt – das wären geschätzt rund 3.500 Euro im Jahr, bes­ten­falls. Und das nicht ein­mal rück­wir­kend? Das klingt nicht nur lächer­lich, das ist es auch – vor allem ange­sichts der Kos­ten, die der Stadt bei der Unter­hal­tung der Kel­ler ent­ste­hen. Einen rea­lis­ti­sche­ren Ansatz hat­te die Alter­na­ti­ve Lis­te (AL) ein­mal genannt: 30.000 Euro sol­le die Stadt über einen Nut­zungs­ver­trag von der Tou­ris­mus GmbH ver­lan­gen – pro Jahr. Einen ent­spre­chen­den Antrag hat­te AL-Chef Rai­mund Darm­stadt bereits im Dezem­ber 2016 in den Stadt­rat ein­ge­bracht. Der aber wur­de, wie das damals üblich war, kur­zer­hand abge­schmet­tert: SPD und CDU, sei­ner­zeit in einer Koali­ti­on ver­eint, lehn­ten ab.

Wür­de die Stadt auf eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung – auch rück­wir­kend – von der Tou­ris­mus GmbH bestehen, könn­te das bedeu­ten, dass bei einer Auf­lö­sung der GmbH die Gesell­schaf­ter ihr ein­ge­zahl­tes Kapi­tal nicht zurück­er­hiel­ten.

Begnügt sich die Stadt hin­ge­gen mit einer Mini-Ent­schä­di­gung von zehn Cent und ver­zich­tet auf alle wei­te­ren Ansprü­che, dann blie­be ver­mut­lich ein erkleck­li­ches Sümm­chen in der GmbH-Kas­se. „Dann wer­den sich die Gesell­schaf­ter nicht nur ihre Ein­la­ge zurück­ho­len, son­dern sich viel­leicht auch noch eine net­te Divi­den­de gön­nen“, mut­maßt ein Rats­mit­glied.

Wir haben dar­auf­hin Hans­jür­gen Bod­de­ras gefragt, der dank eines 70.000-Euro-Gehalts als ein­zi­ger Gewin­ner der GmbH-Grün­dung gilt : Wur­den bis­her von der Tou­ris­mus GmbH Divi­den­den aus­ge­schüt­tet bzw. soll das viel­leicht noch gesche­hen?

Den ers­ten Teil der Fra­ge hat der Geschäfts­füh­rer beant­wor­tet: „Den Gesell­schaf­tern wur­den bis dato kei­ner­lei Divi­den­den aus­ge­zahlt.“

Den zwei­ten Teil über­sah er geflis­sent­lich: Auf die Fra­ge nach künf­ti­gen Divi­den­den gab Bod­de­ras kei­ne Ant­wort.

Viel­leicht gibt’s dafür Grün­de?

10 Gedanken zu „Oppenheimer Verträge: So wird die Stadt abgezockt

  1. Peter Pfau

    Den Park­raum­be­wirt­schaf­tungs­ver­trag habe ich im Jahr 2014 schon ein­mal bewer­tet und bin, trotz vor­sich­ti­gen Kos­ten­an­satz, auf ein Mil­lio­nen­grab gekom­men. Hören woll­te es lei­der nie­mand und geän­dert hat es auch nichts.

  2. Helmut Krethe

    Im Oppen­hei­mer Rat­haus sind unter mei­ner Lei­tung kei­ne Unter­la­gen mani­pu­liert wor­den oder ver­schwun­den. Die­sen Ein­druck wei­se ich ent­schie­den zurück. Wer das Gegen­teil behaup­ten will ist herz­lich ein­ge­la­den den Beweis anzu­tre­ten. Ich war­te.

    • Alex

      Das mag ja sein, aber wun­dern wür­de es nie­man­den, wenn doch. Und das ist schlimm. Sie haben ja Kon­ti­nui­tät ange­kün­digt.

    • Werner Harth

      Ich ver­ste­he das nicht, denn nach Gemein­de­ord­nung rlp sind die juri­si­tisch ver­bind­li­chen Akten bei der VG-Ver­wal­tung zu füh­ren nach

      § 68 Gemein­de­ord­nung
      Wahr­neh­mung gemeind­li­cher und staat­li­cher Auf­ga­ben
      (1) Die Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung führt die Ver­wal­tungs­ge­schäf­te der Orts­ge­mein­den in deren Namen und in deren Auf­trag; sie ist dabei an Beschlüs­se der Orts­ge­mein­de­rä­te und an Ent­schei­dun­gen der Orts­bür­ger­meis­ter gebun­den. Zu den Ver­wal­tungs­ge­schäf­ten zäh­len auch
      1. die Ver­wal­tung der gemeind­li­chen Abga­ben,
      2. die Füh­rung des Rech­nungs­we­sens, die Erstel­lung der Haus­halts­sat­zung und des Haus­halts­plans mit sei­nen Anla­gen, die Ertei­lung der Kas­sen­an­ord­nun­gen sowie die Erstel­lung des Jah­res­ab­schlus­ses und des Gesamt­ab­schlus­ses,

      Nach mei­nem Ver­ständ­nis haben alle ört­li­chen Sat­zun­gen, ein- und aus­ga­be­wirk­sa­men Ver­trä­ge incl. vor­aus­ge­gan­ge­ner Rats­be­schlüs­se incl. Haus­halts­plan bei der Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung vor­zu­lie­gen und in einer Ver­trags­da­ten­bank (mit Ände­rungs­his­to­rie ana­log GoBD) erfasst zu sein.
      Sonst kön­nen von der Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tun­gen kei­ne Kas­sen­an­wei­sun­gen (Ein­nah­men und Aus­ga­ben) prüf­bar erteilt wer­den zur Ver­fü­gung über Ver­mö­gen und Haus­halts­mit­tel inner­halb der Haus­halts­an­sät­ze der Stadt, etwa bei Bezah­lung von Unter­neh­mer­rech­nun­gen unter Vor­la­ge ver­wal­tungs­in­tern geprüf­ter Leis­tungs­nach­wei­se / Lie­fer­schei­ne. Die Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung hat out­ge­sourc­te bzw. fremd­ver­ge­be­ne Auf­ga­ben zu über­wa­chen hin­sicht­lich Ter­min­ein­hal­tung, Quan­ti­tät und Qua­li­tät.

      Da dürf­te sich ver­mut­lich nicht nur in Oppen­heim ein Eigen­le­ben im Ver­hält­nis Orts­ge­mein­de – Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung in der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung und -kon­trol­le erhal­ten und ent­wi­ckelt haben.

  3. Werner Harth

    Ein Blick ins Kom­mu­nal­bre­vier incl. Gemein­de­ord­nung (GemO) sowie VV zu § 68 GemO läßt ganz klar die Zustän­dig­kei­ten und Ver­ant­wort­lich­kei­ten bei Bau, Unter­hal­tung und Finan­zie­rung von Gemein­de­stra­ßen erken­nen, wie sie auch vom BGH im Urteil vom 14. Dezem­ber 1989 – III ZR 68/89 – zitiert wer­den:

    … Bei Bau und Unter­hal­tung von Gemein­de­stra­ßen in ver­bands­ge­mein­de­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den in Rhein­land-Pfalz besteht ein Neben­ein­an­der von Orts­ge­mein­de und Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung. Hier wird zwi­schen der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung und der Kos­ten­tra­gung unter­schie­den (Hofmann/Beth/Dreibus, Die Kom­mu­nal­ge­set­ze für Rhein­land-Pfalz, § 68 GemO Anm. 2.5). Trä­ger der Stra­ßen­bau­last, die alle den Bau, die Unter­hal­tung, die Erneue­rung oder die Wie­der­her­stel­lung der Stra­ße betref­fen­den Auf­ga­ben umfaßt (§ 11 Abs. 1 LStrG), für Gemein­de­stra­ßen sind die (Orts-)Gemeinden (§ 14 LStrG). Die der Stra­ßen­be­hör­de nach dem Lan­des­stra­ßen­ge­setz oblie­gen­den Auf­ga­ben hat aber grund­sätz­lich die Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung zu erfül­len (§ 68 Abs. 2 Satz 1 GemO). Sie nimmt die­se Auf­ga­be im Namen und Auf­trag der Orts­ge­mein­de wahr und ist dabei an Beschlüs­se der Orts­ge­mein­de­rä­te und an Ent­schei­dun­gen der Orts­bür­ger­meis­ter gebun­den (§ 68 Abs. 2 Satz 1, 2. Halb­satz i.V.m. § 68 Abs. 1 Satz 1 GemO). Die Unter­hal­tung hat sie auf Antrag der Orts­ge­mein­de zu über­las­sen (§ 68 Abs. 2 Satz 3, 2. Halb­satz GemO). Pla­nung und Bau­aus­füh­rung kann sie mit Zustim­mung der Orts­ge­mein­de Drit­ten über­tra­gen (§ 68 Abs. 2 Satz 3, 1. Halb­satz GemO). Die Kos­ten für Bau und Unter­hal­tung trägt die Orts­ge­mein­de (§ 68 Abs. 2 Satz 2 GemO). …

    … Auch aus der Bin­dung der Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung an Beschlüs­se der Orts­ge­mein­de­rä­te und Ent­schei­dun­gen der Orts­bür­ger­meis­ter (§ 68 Abs. 1 Satz 1, 2. Halb­satz GemO) ergibt sich nichts ande­res. Die­se Bin­dung steht dem Anver­trau­en des Amtes nicht gleich. Hält die Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung eine sol­che Wei­sung für rechts­wid­rig, so darf sie sie nicht aus­füh­ren (vgl. W 2.3 zu § 68 GemO). Führt sie eine rechts­wid­ri­ge Wei­sung aus, so haf­tet sie für ihr eige­nes Ver­hal­ten, die Orts­ge­mein­de für die Wei­sung …“

  4. Markus Haase

    Bau­lei­tung, Bau­über­wa­chung,
    BAULEITUNG ist Leis­tung der aus­füh­ren­den Unter­neh­men oder bei Eigen­leis­tung (Aus­füh­rung mit eige­nen Mit­ar­bei­tern, Leih­ar­bei­ter oder ein­ge­kauf­ten Per­so­nal mit Arbeit­neh­mer Über­las­sung)
    BAUÜBERWACHUNG ist Kon­trol­le der aus­ge­führ­ten arbei­ten von exter­nen Unter­neh­men
    BAULEITUNG und BAUÜBERWACHUNG kann nur im Eigen­be­trieb (Aus­füh­rung mit eige­nen Per­so­nal oder.… sie­he oben) von einer Per­son gemacht wer­den.
    Da Herr Baum­gar­ten SEINE Rech­nun­gen als BAULEITER aus­ge­stellt hat, kann und darf er kei­ne Rech­nungs­prü­fung und Abnah­me der Arbei­ten bestä­ti­gen, als BAULEITER ist er ja im Auf­trag der aus­füh­ren­den Fir­ma tätig ist.
    Als Bau­über­wa­cher wäre er als Ver­tre­ter des AUFTRAGGEBER (STADT Oppen­heim) tätig, dann darf er aber bei fremd Ver­ga­be kei­ne BAULEITUNG über­neh­men.

  5. Roland Bürger

    Dass sich man­che Leu­te in Oppen­heim noch auf die Stra­ße trau­en ist nicht ihrem Mut zuzu­schrei­ben son­dern dem Ver­lust ihrer Scham. Ob sie Baum­gar­ten hei­ßen oder Sit­tig oder Mei­din­ger oder Kloos oder, oder, oder .…

  6. Frau Flämig

    Immer noch neue Merk­wür­dig­kei­ten um Mar­cus Held:
    Vor­ab vie­len Dank für Ihre Ver­öf­fent­li­chung der ers­ten Sei­te des Erb­bau­rechts­ver­trags mit dem Düs­sel­dor­fer Unter­neh­men Ver­kehrs­wacht GmbH. Hat der Oppen­hei­mer Bür­ger­meis­ter Mar­cus Held beim Oppen­hei­mer Notar Dr. Mar­tin Held Ver­trä­ge unter­zeich­net, die jedoch nichts dar­über aus­sa­gen, ob bei­de even­tu­ell ver­wandt oder ver­schwä­gert sind? Steht SPD neu­er­dings für „Spe­zi­al­klep­to­kra­ti­sche Par­tei Deutsch­lands“ ? Gilt Mar­cus Held wirk­lich als der Ur-Spe­zi­al­klep­to­krat? Fakt ist also, daß gegen Mar­cus Held bereits ca. 15 Ermitt­lungs­ver­fah­ren lau­fen wegen des Ver­dachts der Untreue, in einem Fall geht es um den Ver­dacht der Bestech­lich­keit. Gab es nicht auch unter Kur­ti Beck verdiente/ bzw. ver­die­nen­de Par­tei­ge­nos­sen, den Pos­ten und Geld­wert­hal­ti­ges zuge­schanzt wur­de. Was war mit Nür­burg­ring und Schloß­ho­tel Bad Berg­zabern?
    Ist #Rent-a-Sozi auch schon ver­ges­sen?
    Ist es nicht so, daß die Deut­sche Spe­zi­al­klep­to­kra­tie nicht weni­ge Voll­ju­ris­ten in öffent­li­che Ämter bug­sier­te, die dann ver­hal­tens­auf­fäl­lig wur­den?
    Gibt es in Mainz einen Betreu­ungs­skan­dal um Micha­el Ebling?
    Und wie tief ist bit­te­schön der Main­zer Ober­bür­ger­meis­ter Micha­el Ebling dar­in ver­strickt?
    https://​kan​di​da​ten​pech​.word​press​.com/​2​0​1​2​/​0​3​/​1​0​/​s​k​a​n​d​a​l​-​u​m​-​m​i​c​h​a​e​l​-​e​b​l​i​ng/

    Mit freund­li­chen Grü­ßen

    Frau Flä­mig

  7. Sven aus Oppenheim

    Dan­ke Herr Ruhmöl­ler, dass Sie wei­ter am Ball blei­ben!

    Es bleibt zu hof­fen, dass Oppen­heim heu­te einen neu­en Bür­ger­meis­ter gewählt hat (bzw. sei­ner Ernen­nung zuge­stimmt hat) und dass es ihm gelingt, gegen alle Wider­stän­de Ord­nung in das Cha­os zu brin­gen und die Abzo­cker aus Oppen­heim zu ver­trei­ben, bevor unse­rer schö­nen Stadt der finan­zi­el­le Ruin droht.

  8. Schiffel Bernhard

    Es ist span­nend, in abge​ord​ne​ten​watch​.de rein­zu­schau­en. Bei Bun­des­tag 55276 ein­ge­ben und es erscheint Mar­cus Held. Auf Abstim­mungs­ver­hal­ten drü­cken und man kann nach­le­sen, dass Herr Held seit dem 1. Febru­ar 2018 nicht mehr bei Abstim­mun­gen teil­ge­nom­men hat. Die Abstim­mung zur Diä­ten­an­pas­sung für Abge­ord­ne­te am 13. Dezem­ber 2017 hat er nicht ver­säumt und mit ja zuge­stimmt. War­um bin ich dumm gebo­ren…

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