Die Leiden des Marcus Held: Was hat der Metzler, was ich nicht habe? 

In Oppen­heim herrscht wie­der „busi­ness as usu­al“. War da was gewe­sen am letz­ten Sonn­tag? Die Polit-Pla­ka­te sind alle­samt weg, sie wur­den so blitz­ar­tig abge­hängt und weg­ge­packt, dass man glau­ben könn­te, die Ver­ant­wort­li­chen in der Stadt woll­ten den kol­lek­ti­ven Urnen­gang schnellst­mög­lich ver­ges­sen machen.

Jetzt rüs­tet sich die Stadt schon wie­der für das nächs­te „Event-High­light“, das gro­ße Schlem­mer­wan­dern…

Schon ver­ges­sen, was gesche­hen ist? Der Oppen­hei­mer SPD-Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held wur­de in sei­ner eige­nen Stadt und auch in der Ver­bands­ge­mein­de in uner­hör­ter Wei­se abge­watscht. Loka­le Polit-Spit­zen ver­brei­te­ten dar­auf­hin aben­teu­er­li­che Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Und zwei Bei­ge­ord­ne­te gönn­ten sich, das soll ja ein pro­ba­tes Mit­tel gegen drü­cken­de Wahl­de­pres­sio­nen sein, einen net­ten Aus­flug in die Bun­des­haupt­stadt, wer immer das auch bezahlt hat.

Wir schau­en an die­sem Sams­tag, mit der gesun­den Ruhe des zeit­li­chen Abstands, auf die Wahl und ihre Nach­we­hen zurück: Das, was letz­ten Sonn­tag pas­siert ist, dürf­te das poli­ti­sche Leben in Oppen­heim nach­hal­tig ver­än­dern.

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Mar­cus Held, der in den Wochen des Wahl­kamp­fes hyper­ak­tiv die Soci­al-Media-Kanä­le bedient hat­te, schlug gleich am Mon­tag wie­der sei­ne Face­book-Sei­te auf und wand­te sich an sei­ne Fan-Gemein­de:

Ich möch­te mich bei allen Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern ganz herz­lich für ihr Ver­trau­en bedan­ken. Ins­ge­samt 44.568 Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler gaben mir ihre Erst­stim­me, was mich sehr freut!“

Zum Ver­grö­ßern ankli­cken: Die­ser Screen­shot zeigt Helds Face­book-Sei­te.

Das war mal wie­der so ein typi­scher Held-Satz: gefäl­lig-geschmei­dig für den flüch­ti­gen Leser, bei nähe­rem Hin­se­hen jedoch erken­nen wir die typi­schen Sym­pto­me des geüb­ten Fabu­lan­ten. Die Zahl, die Held nann­te, mag auf dem ers­ten Blick viel­leicht groß­ar­tig klin­gen. Aber einen Mann mit sei­nem über­bor­den­den Selbst­wert­ge­fühl wird sie nie­mals gefreut haben, ganz im Gegen­teil, sie dürf­te ihm höl­lisch weh tun. Weiß er doch ganz genau, dass ihm damit nahe­zu 10.000 Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler abhan­den gekom­men sind:

Bei der letz­ten Bun­des­tags­wahl vor vier Jah­ren hat­ten im Wahl­kreis Worms noch 53.948 Men­schen ihr Kreuz­chen für Mar­cus Held gemacht. Jetzt waren’s 9.380 weni­ger. Wo sind nur all die Wäh­ler geblie­ben?

Die­se Fra­ge lässt einen Poli­ti­ker nicht mehr los: War­um lie­fen all die vie­len Wäh­ler ein­fach weg von mir? Wie konn­te das nur pas­sie­ren?

Zum Ver­gleich: Für den CDU-Kan­di­da­ten Jan Metz­ler stimm­ten im Wahl­kreis Worms 68.684 Men­schen. Das sind nicht nur knapp 25.000 mehr als für Held. Metz­ler konn­te die Zahl der für ihn abge­ge­be­nen Erst­stim­men auch noch deut­lich stei­gern: Er bekam 7.347 mehr als vor vier Jah­ren.

Und ein Mar­cus Held wird sich des­halb jetzt auch die­se Fra­gen stel­len: Was hat der Metz­ler, was ich nicht habe? War­um nur ist der Mann bei den Leu­ten so viel belieb­ter als ich?

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Es ist ja nicht nur das Ergeb­nis im Wahl­kreis Worms, das einen Held zum gro­ßen Loser die­ser Wahl gemacht hat. Gehen wir in die Nie­de­run­gen der Lokal­po­li­tik, dann sehen wir: Das Ergeb­nis in „sei­ner“ Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz fiel für ihn eben­falls bedrü­ckend aus: Die SPD hol­te hier bei den Zweit­stim­men 23,4 Pro­zent; Mar­cus Held kam bei den Erst­stim­men auf 22,6 Pro­zent.

Zum Ver­grö­ßern ankli­cken: So stellt der Lan­des­wahl­lei­ter das Wahl­er­geb­nis in Rhein-Selz dar.

In die­sen zwei Zah­len steckt eine ganz bit­te­re Wahr­heit: Wenn ein Kan­di­dat weni­ger Erst- als Zweit­stim­men bekommt, bedeu­tet das, dass etli­che Men­schen wohl sei­ner Par­tei ihre Stim­me gaben, den Kan­di­da­ten selbst aber nicht ihr Ver­trau­en schen­ken woll­ten. Sie hal­ten ihn offen­bar für nicht geeig­net. Für nicht wähl­bar.

Mar­cus Held hat in Rhein-Selz mit 22,6 Pro­zent 15,4 Pro­zent der Erst­stim­men ver­lo­ren. Für einen Poli­ti­ker, für sei­ne Par­tei ist das ein Fanal!

Schau­en wir rüber zum Kon­kur­ren­ten Jan Metz­ler: Der CDU-Kan­di­dat hol­te im Gebiet der Ver­bands­ge­mein­de 44,6 Pro­zent der Erst­stim­men und 34,2 Pro­zent bei den Zweit­stim­men. Bei Metz­ler ist es also genau umge­kehrt: Vie­le Wäh­ler woll­ten der Mer­kel-Par­tei nicht ihr Kreuz­chen geben. Aber den Kan­di­da­ten hal­ten sie für ver­trau­ens­wür­dig und gut geeig­net, ihre Inter­es­sen zu ver­tre­ten. Jan Metz­ler konn­te sei­nen Stim­men­an­teil in der Ver­bands­ge­mein­de sogar noch um 4,4 Pro­zent stei­gern.

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Gehen wir noch eine Stu­fe tie­fer, dann kom­men wir in Oppen­heim an. Nach der letz­ten Bun­des­tags­wahl 2013 durf­te sich Mar­cus Held in sei­nem Wohn­ort als Tri­um­pha­tor füh­len: Jeder zwei­te Wahl­be­rech­tig­te hat­te ihm sei­ne Erst­stim­me gege­ben – 50,1 Pro­zent! Für­wahr ein beein­dru­cken­des Ergeb­nis! Das Signal war unmiss­ver­ständ­lich: Die Men­schen in sei­ner Stadt setz­ten auf Mar­cus Held. Sie ver­trau­ten ihm, sie bau­ten auf ihn.

Zum Ver­grö­ßern ankli­cken: Eine Gra­fik zum Wahl­er­geb­nis in Oppen­heim.

Jetzt der Absturz, wie er schlim­mer kaum sein kann. Nur noch küm­mer­li­che 31,6 Pro­zent bekam Held. Ein Minus von 18,5 Pro­zent – ein Desas­ter! Der Amts­bo­nus als Stadt­bür­ger­meis­ter – ver­spielt. Die tag­täg­li­che Prä­senz in den Medi­en – umsonst. Mit dem Slo­gan „Wir mit Mar­cus Held“ hat­te er in sei­nem Wahl­kampf getrom­melt. Die Abstim­mung ent­larv­te den Spruch als distanz­lo­se Anbie­de­rung, die Wäh­ler for­mu­lier­ten ihn an der Urne ein­fach um: Wir nicht mit Mar­cus Held!

Es ist ein­deu­tig: Die Oppen­hei­mer haben das Ver­trau­en zu ihrem Stadt­bür­ger­meis­ter ver­lo­ren. Sie haben dem Mann ihre Zunei­gung ent­zo­gen. Sie haben, als sie allein und unbe­ein­flusst in der Wahl­ka­bi­ne stan­den, das ihnen zuste­hen­de demo­kra­ti­sche Recht genutzt und ihre eige­ne Ent­schei­dung getrof­fen: Der Held kriegt mein Kreuz­chen nicht!

Schnell auch hier ein Sei­ten­blick rüber zum direk­ten Kon­tra­hen­ten von der CDU: Jan Metz­ler bekam in der SPD-Hoch­burg Oppen­heim mehr Erstim­men als der amtie­ren­de Stadt­bür­ger­meis­ter: 33,7 Pro­zent! Im Ver­gleich zur letz­ten Bun­des­tags­wahl konn­te der Christ­de­mo­krat sogar noch 3,4 Pro­zent zule­gen. Das ist, man kann’s nicht anders nen­nen, ein sen­sa­tio­nel­ler Erfolg!

Zum Ver­grö­ßern ankli­cken: Die­se Gra­fik zeigt, wie Mar­cus Held und Jan Metz­ler in den Orten der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz abschnit­ten

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Was, zum Teu­fel, ist nur in Dol­ges­heim pas­siert? Kei­ne tau­send Men­schen leben in die­ser Wein­bau­ge­mein­de, das gut 15 Auto­mi­nu­ten von Oppen­heim ent­fernt zu fin­den ist. Exakt 809 der Ein­woh­ner sind über 18 Jah­re alt, und von denen gin­gen am Sonn­tag 474 zur Wahl.

Zum Ver­grö­ßern ankli­cken: Eine Gra­fik zum Wahl­er­geb­nis in Dol­ges­heim.

106 von ihnen mach­ten ihr Kreuz­chen hin­term Namen des SPD-Kan­di­da­ten Mar­cus Held, das sind 22,8 Pro­zent. Auch die­ses Ergeb­nis ist schreck­lich für den Mann: Letz­tes Jahr hat­ten ihn noch 184 Dol­ges­hei­mer gewählt, das waren stol­ze 42,5 Pro­zent.

19,7 Pro­zent hat er hier bin­nen vier Jah­ren ver­lo­ren: In kei­ner ande­ren Kom­mu­ne der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz hat Mar­cus Held der­ar­ti­ge Ver­lus­te hin­neh­men müs­sen.

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Dol­ges­heim führt die Nega­tiv-Lis­te des SPD-Kan­di­da­ten Mar­cus Held an.

Auf Platz zwei liegt „sein“ Oppen­heim mit minus 18,5 Pro­zent.

Zum Ver­grö­ßern ankli­cken: Eine Gra­fik zum Wahl­aus­gang in Uel­vers­heim.

Das dritt­schlech­tes­te Ergeb­nis in der Ver­bands­ge­mein­de kas­sier­te Held in Uel­vers­heim: Hier ver­lor er im Ver­gleich zur letz­ten Bun­des­tags­wahl 17,5 Pro­zent der Erst­stim­men.

Auch das ist bemer­kens­wert: Denn in Uel­vers­heim regiert Held-Bud­dy Rudolf Baum­gar­ten als SPD-Bür­ger­meis­ter.

Inzwi­schen wis­sen wir: Baum­gar­ten (O-Ton Held: „der rote Hengst von Uel­vers­heim“) drängt’s immer wie­der aus sei­nem klei­nen Ort hin­aus, über­all ver­sucht er mit­zu­mi­schen. Längst ist er tief ver­strickt im Oppen­hei­mer SPD-Netz­werk, bekommt als Pla­ner und auch als Mak­ler von Mar­cus Held regel­mä­ßig Auf­trä­ge zuge­schanzt, mischt mit in Oppen­hei­mer Ver­ei­nen und Ver­ei­ni­gun­gen. In der Gemein­de Gun­ters­blum wie­der­um hat er den Vor­sitz der poten­ten Orts­grup­pe der Arbei­ter­wohl­fahrt (AWO) inne…

Dass Mar­cus Held mit sei­ner Kan­di­da­tur in Uel­vers­heim der­art abschmier­te, lässt nur einen Schluss zu: Baum­gar­tens Ver­stri­ckun­gen in den Oppen­heim-Skan­dal wur­den von den Bür­gern sei­ner Gemein­de sehr genau regis­triert – und für nicht gut befun­den. Mit ihrer Ent­schei­dung gegen Mar­cus Held gin­gen die Wahl­be­rech­tig­ten von Uel­vers­heim zugleich auch deut­lich auf Distanz zu Rudi Baum­gar­ten, ihrem SPD-Bür­ger­meis­ter.

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Als fest­stand, dass die Wäh­ler sich von Mar­cus Held abge­wandt hat­ten, da such­ten sei­ne Weg­ge­fähr­ten nach Erklä­run­gen für die kra­chen­de Nie­der­la­ge. Nicht bei sich und auch nicht bei ihm. Sie ent­wi­ckel­ten flugs ein paar Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, die sie über die „All­ge­mei­ne Zei­tung“ unwi­der­spro­chen in die Welt hin­aus posau­nen konn­ten:

Micha­el Reit­zel, das SPD-Urge­stein in Rhein­hes­sen, der als poli­ti­scher Zieh­va­ter von Mar­cus Held gilt, dik­tier­te dem AZ-Redak­teur in den Block: „Natür­lich regis­trie­re ich da auch einen Zusam­men­hang mit den gegen Held gespon­ne­nen Intri­gen.“ Soll wohl hei­ßen: Er, Reit­zel, habe eine geplan­te Stra­te­gie aus­ge­macht – bei wem auch immer –, mit­tels derer Mar­cus Held der Wahl­er­folg genom­men wur­de.

Klaus Pen­zer, der alte Haudrauf aus der Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung, ging noch einen Schritt wei­ter: Er sprach von einer „Hetz­jagd“, die Held das mie­se Ergeb­nis ein­ge­brockt habe. Dass er sich für sei­ne selbst­ge­strick­te Blitz-Ana­ly­se beim Voka­bu­lar von AfD-Akteu­ren bedien­te, die damit ihre Kri­ti­ker zu denun­zie­ren ver­su­chen, wird ihn kaum stö­ren: Pen­zer ist bekannt dafür, dass er auf poli­tisch Anders­den­ken­de mit der Sen­si­bi­li­tät eines Pan­zers reagiert.

Lei­der führ­ten weder Herr Reit­zel noch Herr Pen­zer aus, wen sie hin­ter den „gespon­ne­nen Intri­gen“ oder auch der ver­meint­li­chen „Hetz­jagd“ wähn­ten. Glau­ben sie ernst­haft, die Beam­ten des Lan­des­rech­nungs­hofs, die seit Mona­ten die dubio­se Geschäfts­tä­tig­keit des Stadt­bür­ger­meis­ters über­prü­fen, wür­den Intri­gen spin­nen? Oder wol­len sie die Main­zer Staats­an­walt­schaft einer Hetz­jagd bezich­ti­gen, weil sie Ermitt­lun­gen gegen Mar­cus Held wegen des Ver­dachts der Untreue ein­ge­lei­tet hat? Oder soll­te die jour­na­lis­ti­sche Auf­ar­bei­tung des Oppen­heim-Skan­dals gemeint sein, mit der die zahl­rei­chen Affä­ren des SPD-Poli­ti­kers umfas­send doku­men­tiert wer­den?

Wenn Men­schen die Kon­trol­le ent­glei­tet, weiß die Psy­cho­lo­gie, dann bas­teln sie mit Hil­fe ihrer Vor­stel­lungs­kraft die wahn­wit­zigs­ten Erklä­run­gen für das zusam­men, was um uns her­um oder mit uns geschieht. So geben sich Reit­zel und Pen­zer als Inku­ba­to­ren neu­er Oppen­hei­mer Ver­schwö­rungs­theo­ri­en: Grün­de fürs Ver­sa­gen des SPD-Kan­di­da­ten Mar­cus Held bei der Bun­des­tags­wahl wer­den irgend­wo ver­or­tet – nur nicht beim Kan­di­da­ten, bei sei­nem Auf­tre­ten, bei sei­nem Han­deln. Es kenn­zeich­net übri­gens Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, dass sie in ihren sek­ten­haf­ten Com­mu­nities immer wie­der Bestä­ti­gung erhei­schen. Auch das: passt!

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In vie­len ande­ren Orten der Repu­blik wäre das desas­trö­se Abschnei­den eines Stadt­bür­ger­meis­ters bei der Bun­des­tags­wahl tage­lang Gesprächs­the­ma, die Redak­teu­re der Lokal­zei­tung wür­den das Ergeb­nis immer wie­der von allen Sei­ten kri­tisch beleuch­ten und auf mög­li­che Fol­gen und Kon­se­quen­zen für die loka­le Poli­tik und die Men­schen in der Stadt abklop­fen.

Zum Ver­grö­ßern Bild ankli­cken: So warb Mar­cus Held auf der Home­page der AZ.

Die Oppen­hei­mer Lokal­zei­tung tut sich mit der Bericht­erstat­tung über die­sen für Mar­cus Held so schlech­ten Wahl­aus­gang aus­ge­spro­chen schwer, was viel­leicht erklär­lich wird, betrach­tet man die enge Ver­ban­de­lung der Redak­ti­on mit den Poli­tak­teu­ren an der Stadt­spit­ze.

Hin­zu kommt: In den Tagen vor der Wahl hat­te Mar­cus Held in der „All­ge­mei­nen Zei­tung“ ganz mas­siv Anzei­gen geschal­tet, für sich und für die SPD. Er war in gera­de­zu auf­dring­li­cher Wei­se sowohl in der gedruck­ten Zei­tung wie auch auf deren Home­page prä­sent. Jetzt, da das Ergeb­nis vor­liegt, macht die Ana­ly­se dem Ver­lag eben­so zu schaf­fen wie den Anzei­gen­kun­den:

Zum Ver­grö­ßern Bild ankli­cken: So war­ben Mar­cus Held und sei­ne SPD in der gedruck­ten Zei­tung.

All die schö­ne Wer­bung – sie war für die Katz! Raus­ge­schmis­se­nes Geld! Der bom­bas­ti­sche Wer­be-Feld­zug – er hat nichts gebracht. Null! Zero! Nien­te!

Das lässt die Ver­ant­wort­li­chen rät­seln: Besitzt die­se Art teu­rer Polit-Wer­bung in einer Zei­tung über­haupt noch eine Wirk­kraft? Oder liegt’s viel­leicht doch am Kan­di­da­ten?

Wenn letz­te­res der Fall wäre, hie­ße das: Auch noch so vie­le Anzei­gen machen einen unbe­lieb­ten, schlech­ten Poli­ti­ker für die Men­schen nicht wähl­bar.

Das wäre dann die bes­te Bot­schaft die­ser Tage: Die Wäh­ler las­sen sich nicht für dumm ver­kau­fen. Sie haben nicht nur das Recht, sich bei einer Wahl frei zu ent­schei­den. Sie nut­zen es auch!

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Die Polit-Prot­ago­nis­ten machen der­weil in Oppen­heim wei­ter, sie tun so, als sei nichts gesche­hen.

Prü­fun­gen vom Lan­des­rech­nungs­hof? Na und?

Ermitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft gegen den Stadt­bür­ger­meis­ter? Beweist doch gar nichts!

Eine Mil­li­on beim Gra­din­ger-Abbruch ver­senkt? Was soll’s?

Mit der Tou­ris­mus GmbH Gel­der in sechs­stel­li­ger Höhe der Stadt­kas­se ent­zo­gen? Stört’s wen?

Leb­be geht wei­ter! Und des­halb mach­ten die bei­den Bei­ge­ord­ne­ten Hans-Jür­gen Bod­de­ras und Hel­mut Kre­the in der ver­gan­ge­nen Woche erst ein­mal einen schö­nen Aus­flug in die Bun­des­haupt­stadt – man gönnt sich ja sonst nix, wer die Rei­se bezahlt hat, wol­len wir hier mal nicht hin­ter­fra­gen.

Jeden­falls besuch­ten sie den Bot­schaf­ter der Volks­re­pu­blik Viet­nam und hät­ten natür­lich, wie sie schmu­sig for­mu­lier­ten, die Gele­gen­heit genutzt, „Wer­bung für unser schö­nes Oppen­heim zu machen“. Und, ganz wich­tig: „Die städ­ti­schen Ver­tre­ter über­brach­ten die Grü­ße von Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held“, steht jetzt auch auf der Home­page der Stadt nach­zu­le­sen, wo unter der Völ­ker ver­bin­den­den Über­schrift „Viet­nam meets Oppen­heim“ ein kur­zer Kurz­be­richt des Ber­lin-Trips zu lesen ist.

Viet­na­me­si­sche Dele­ga­tio­nen sol­len künf­tig neben Frank­furt und Wies­ba­den auch Oppen­heim besu­chen. So lau­te­te der Bod­de­ras-Kre­the-Plan. Vor einem Jahr hat­te sich Hel­mut Kre­the noch damit gebrüs­tet, er wol­le Chi­ne­sen nach Oppen­heim locken.

Jetzt also sind die Viet­na­me­sen dran.

Ide­en haben sie ja. Schön reden kön­nen sie auch. Aber ob die Stadt Oppen­heim jemals davon pro­fi­tie­ren wird?

11 Gedanken zu „Die Leiden des Marcus Held: Was hat der Metzler, was ich nicht habe? 

  1. Peter

    Wie ist der aktu­el­le Sta­tus Immu­ni­tät und Straf­ver­fol­gung betref­fend?
    Ich kann dazu nir­gends etwas fin­den.

    • Thomas Ruhmöller Autor des Beitrages

      Bei der Immu­ni­tät gibt es kei­nen neu­en Stand: Den Ermitt­lun­gen gegen Held wegen des Ver­dachts der Untreue in neun Fäl­len wur­de vom Bun­des­tags­prä­si­den­ten nicht wider­spro­chen – das war’s. Damit konn­ten die staats­an­walt­schaft­li­chen Ermitt­lun­gen begin­nen, sie lau­fen noch immer, Ergeb­nis­se sind der­zeit nicht bekannt.

      Am Ende wird die Staats­an­walt­schaft die Ermitt­lun­gen ein­stel­len – oder Ankla­ge erhe­ben. Es könn­te natür­lich auch sein, dass die Ermitt­lun­gen aus­ge­wei­tet wer­den, wenn sich neue Ver­dachts­mo­men­te erge­ben soll­ten. Aber, wie gesagt, all das ist der­zeit offen.

  2. Anonymous

    Zu G.T.: Ein­fach mal bei DB die Ver­bin­dung Oppen­heim – Ber­lin Ost­bahn­hof ein­ge­ben. Bei Abfahrt um 4.41 Uhr ab Oppen­heim ist man mit Umstieg in Mainz und Frank­furt um kurz nach 10 Uhr in Ber­lin-Ost­bahn­hof.

  3. Anonymous

    Laut AZ waren die Rei­se­kos­ten € 224,– Spar­preis Deut­sche Bahn für bei­de Bei­ge­ord­ne­te zusam­men. Das ist in der Tat güns­tig. Der güns­ti­ge Spar­preis kam wohl nur des­halb zustan­de, weil die bei­den schon um 4.41 Uhr mit der Bahn gefah­ren sind.

    • D. Mayer

      Wer hat wofür die Bahn­fahrt gezahlt? Wel­cher Nut­zen ent­steht in Oppen­heim?

      Zu den Kos­ten:

      Da ich regel­mä­ßig nach Ber­lin fah­re: Es geht güns­ti­ger, wenn man vor­aus­schau­end bucht und/oder bereit ist, häu­fi­ger umzu­stei­gen. Mit­un­ter kann auch ein Pro­be-Bahn­card für drei Mona­te zu 19 Euro hilf­reich sein.

      Bei­spiel für eine Per­son ohne Bahn­card in der zwei­ten Klas­se:

      Hin­fahrt für 29,90 Euro von Oppen­heim nach Ber­lin mit fünf­mal Umstei­gen am 7. Novem­ber 2017 ab 7:17 Uhr.

      Rück­fahrt für 35,90 Euro von Ber­lin nach Oppen­heim mit zwei­mal Umstei­gen am 10. Novem­ber 2017 ab 7:12 Uhr.

      Wenn man vor­aus­schau­end plant – und ein Ter­min beim Bot­schaf­ter rennt nicht weg son­dern lässt sich ver­ein­ba­ren – geht es güns­ti­ger. (Teu­rer aber auch.)

    • G. T.

      Ein Senio­ren­ti­cket für zwei Per­so­nen kos­tet nach mei­nen Recher­chen 227 Euro, eine Zug­ver­bin­dung ab Bahn­hof Oppen­heim (nach AZ-Bericht) konn­te ich für eine Uhr­zeit 04:41 Uhr nicht veri­fi­zie­ren! Wohl­ge­merkt gilt die­ser Preis für die ein­fa­che Fahrt!
      Wenn Kre­the betont, Bod­de­ras sei als 1. Bei­ge­ord­ne­ter und Bür­ger­meis­ter-Stell­ver­tre­ter unter­wegs gewe­sen, stellt sich doch die Fra­ge, wes­halb Held die­sen Besuch als Stadt­bür­ger­meis­ter nicht selbst wahr­ge­nom­men hat! Held ist doch stän­dig in Ber­lin!

      • D. Mayer

        Ein­fach einen Monat im Vor­aus pla­nen und online bei der Bahn buchen – dann kann sich jeder für 60 bis 70 Euro (in der zwei­ten Klas­se) kos­ten­güns­tig eine Hin- und Rück­fahrt sichern.

        Also: Es geht defi­ni­tiv güns­ti­ger!

        Im Zuge der „Oppen­hei­mer Trans­pa­renz“ stellt sich aus­drück­lich die Fra­ge, ob die besag­ten 224 Euro für zwei Bahn­ti­ckets am Ende viel­leicht sogar nur der Preis für die Hin­fahrt waren…

        Um 4:41 Uhr fährt min­des­tens werk­tags eine Regio­nal­bahn nach Mainz und zur Fra­ge, war­um Held den Ter­min beim Bot­schaf­ter nicht selbst wahr­ge­nom­men hat:

        Klei­ne Geschen­ke erhal­ten die Seil­schaft.

  4. E.G.

    Wenn man bei der Betrach­tung der abso­lu­ten Zah­len, d.h. der für den ( Mar­cus wür­de wahr­schein­lich sagen: „roten Held aus Oppen­heim“ ) SPD Direkt­kan­di­da­ten abge­ge­be­nen Wäh­ler­stim­men aus 2013 mit 2017 ver­gleicht, so soll­te man nicht aus­ser acht las­sen, dass der Wahl­kreis Worms sich bei die­ser Wahl um die VG Spred­lin­gen- Gen­sin­gen ver­grö­ßert hat!
    Das sind rund 13.000 Wäh­ler­stim­men ( Wahl­be­tei­li­gung VG Spred­lin­gen-Gen­sin­gen 2017: rund 80%) mehr als vor 4 Jah­ren.

    Da wird das Ergeb­nis in 2017 ( in abso­lu­ten Zah­len) noch düs­te­rer.

    Lei­der hat dies die­se Web­sei­te im ihrem Bericht nicht erwähnt.
    Ist ver­mut­lich bei der Flut an Infos zu der Viel­zahl der aktu­el­len Held’schen Schau­plät­ze, der Redak­ti­on ver­mut­lich durch die Lap­pen gegan­gen…

  5. Hans

    Metz­ler hat Anstand, Beneh­men, poli­ti­sches For­mat und rich­tet den Blick nicht aus­schließ­lich auf die eige­ne Kar­rie­re und den eige­nen Geld­beu­tel.

  6. Gerhard Stärk

    War­um sind Sie so sicher, dass Mar­cus Held die in den Tagen vor der Bun­des­tags­wahl über­bor­den­de Wer­bung der All­ge­mei­nen Zei­tung – Lands­kro­ne für ihn wirk­lich auch selbst bezahlt hat? Und war­um eigent­lich hat die­se gleich meh­re­re Wer­be­blö­cke („Anzei­gen“) pro Sei­te im Nach­rich­ten­teil geschal­tet? Die Ant­wort ist ein­fach: Weil sie nicht unab­hän­gig ist und anstands­los alles über­nimmt, was sie von der SPD und ihren Ver­tre­tern gelie­fert bekommt.

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