Wir haben den Stadt­bür­ger­meis­ter natür­lich um Stel­lung­nah­me zu dem anonym ver­teil­ten Dos­sier „Memo­ran­dum“ gebe­ten: Was zum Bei­spiel sei an den Vor­wür­fen im Zusam­men­hang mit dem Gra­din­ger-Grund­stücks­an­kauf dran?

Mar­cus Held weist alle Ver­däch­ti­gun­gen und Vor­wür­fe zurück: Horst Gra­din­ger („Ja klar, wir kann­ten uns, sehr gut sogar, das ist doch bekannt, er hat mich bei Wahl­kämp­fen unter­stützt“) habe erst einen loka­len Mak­ler enga­giert, der 1,2 Mil­lio­nen ver­langt habe, aber das Grund­stück nicht ver­mit­teln konn­te. Des­halb habe sich Gra­din­ger an sei­nen alten Freund Men­ger gewandt. Held: „Das ist doch nicht ver­bo­ten, oder?“

Erst spä­ter habe die Stadt den Plan gefasst, auf dem Grund­stück preis­güns­ti­ge Woh­nun­gen zu bau­en. Gradinger/Menger hät­ten da bereits ein Ange­bot über 700.000 Euro vor­lie­gen gehabt, und zwar von einem Inves­tor, der die her­un­ter­ge­kom­me­ne Lager­hal­le wei­ter nut­zen woll­te. „Das hät­te nichts geän­dert, der Schand­fleck wäre geblie­ben.“ Er habe des­halb mit Gra­din­ger gespro­chen, der sei auch mit dem Preis run­ter­ge­gan­gen, das habe er dem Stadt­rat vor­ge­tra­gen, und der habe einen Kauf­preis von 620.000 Euro geneh­migt.

Erst beim Notar­ter­min, so die Held­sche Dar­stel­lung wei­ter, habe er im Ver­trag die Mak­ler-Pas­sa­ge gese­hen, wonach die Stadt eine Pro­vi­si­on an Men­ger zah­len soll­te. Da habe er sei­nen Freund Horst gebe­ten, mit dem Preis run­ter­zu­ge­hen, und der habe das akzep­tiert: 580.000 plus 35.000 – „damit sind wir unter den vom Stadt­rat bewil­lig­ten 620.000 Euro geblie­ben“.

Fra­ge an Mar­cus Held: Fin­det er die Ver­si­on wirk­lich glaub­haft, dass angeb­lich ein zuerst beauf­trag­ter Mak­ler über­haupt kei­nen Erfolg hat­te, dass dann ein ande­rer Mak­ler – einer, der weit weg wohnt – sehr vie­le sehr gute Ange­bo­te bekom­men haben will, dass dann die Stadt Plä­ne ent­wi­ckelt und Gra­din­ger plötz­lich nur noch der Stadt ver­kau­fen und dabei auch noch auf sehr viel Geld ver­zich­ten woll­te? Mar­cus Held: „Ja, so war’s, genau so.“

Fra­ge: Wie beur­teilt er, dass bei die­sem Geschäft plötz­lich ein Ex-Bür­ger­meis­ter und Ehren­bür­ger mit­ver­dien­te? Held: Der Gra­din­ger habe den Men­ger enga­giert, „das lag nicht in mei­ner Ent­schei­dung“. Er, Held, habe den Men­ger damals direkt gefragt, ob er wirk­lich eine Cour­ta­ge von der Stadt ver­lan­gen wol­le. Da habe der Men­ger ihm gesagt, das sei das Geschäft sei­ner Frau, und die müs­se es abrech­nen. Außer­dem, so habe er auch gesagt, kön­ne man doch einem Ehren­bür­ger nicht ver­bie­ten, geschäft­lich tätig zu sein.

Mar­cus Held kann auch bei der Auf­trags­ver­ga­be an die Abbruch­fir­ma Wite­ra kei­ne Unkor­rekt­hei­ten erken­nen. Bewer­ber­fir­men hät­ten den Nach­weis erbrin­gen müs­sen, mit der beson­de­ren Lage des Gra­din­ger-Grund­stücks – mit­ten in Wohn­be­bau­ung, alles sehr beengt – fer­tig wer­den zu kön­nen. Des­halb sei­en am Ende nur sie­ben Fir­men übrig geblie­ben, „eine ganz nor­ma­le Sache“.

Dass die Wite­ra GmbH inzwi­schen wei­te­re Kos­ten ein­for­der­te, unter ande­rem mehr als 6000 Euro für die Besei­ti­gung von Tau­ben­kot, der vor­her offen­bar nicht gese­hen wor­den war, kom­men­tiert Held nur kurz: „Das ist nor­mal bei so einem Pro­jekt.“ Und über­haupt: Die Kos­ten wür­den bestimmt wei­ter stei­gen, „ich rech­ne mit 200.000 Euro Mehr­kos­ten.“

All das sei aber gar nicht wei­ter tra­gisch, sagt der Stadt­bür­ger­meis­ter, denn: „Wir haben einen Ver­trag mit der Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft geschlos­sen, die das Grund­stück von der Stadt kauft – zu einem Preis, der alle Kos­ten der Stadt beinhal­tet.“ Die Stadt, so Mar­cus Held, zah­le am Ende für die­ses Grund­stück nicht einen Cent. Alle, aber auch wirk­lich alle Gra­din­ger-Kos­ten wür­den von der GWG über­nom­men. Deren Vor­stands­vor­sit­zen­der ist bekannt: Mar­cus Held.