Held schafft neue Stelle für seinen Hofberichterstatter

Für das nächs­te Jahr plant Mar­cus Held eini­ge Umbe­set­zun­gen beim Rat­haus-Per­so­nal. Die konn­ten natür­lich noch kei­ne Beach­tung im Bericht des Rech­nungs­ho­fes fin­den, und sie ver­die­nen genau des­halb genaue­re Beach­tung. Zwei Pro­fi­teu­re des Per­so­nal­um­baus schei­nen bereits fest­zu­ste­hen…

Am heu­ti­gen Don­ners­tag soll in der Sit­zung des Stadt­ra­tes über den städ­ti­schen Stel­len­plan 2018 ent­schie­den wer­den. Aus den uns vor­lie­gen­den Unter­la­gen wird deut­lich, dass der bis­he­ri­ge Rat­haus-Bereich „Bera­tung und Infor­ma­ti­on von Gäs­ten und Bür­gern“ kom­plett auf­ge­löst wer­den soll. Dabei han­del­te es sich um eine Art „Tou­ris­mus-Abtei­lung“ im Rat­haus: Mit ihrer Auf­lö­sung will Held ver­mut­lich einer For­de­rung des Rech­nungs­ho­fes nach­kom­men, der für die hier ver­an­ker­ten Auf­ga­ben die mehr­heit­lich pri­vat geführ­ten Tou­ris­mus GmbH zustän­dig sieht.

In der „Tou­ris­mus-Abtei­lung“ sind heu­te noch vier Mit­ar­bei­ter (mit zusam­men 1,57 Stel­len) tätig, unter ihnen Anja Leber (0,82 Stel­le), die im Rat­haus auch als Per­so­nal­rä­tin fun­giert, sowie Chris­to­pher Mühleck (0,64 Stel­le), der laut städ­ti­scher Web­sei­te für „Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit, Mar­ke­ting, Online“ zustän­dig ist.

Bei­de Mit­ar­bei­ter, die als abso­lut treue Held-Unter­ge­be­ne gel­ten (was, aber das nur neben­bei, eine Per­so­nal­rats-Tätig­keit nor­ma­ler­wei­se ad absur­dum führt), sol­len ihre Jobs nicht ver­lie­ren: Extra für Frau Leber plant der Stadt­bür­ger­meis­ter die Schaf­fung eines ganz neu­en Bereichs, er nennt ihn „Ver­an­stal­tun­gen“ – das passt zur Oppen­hei­mer „Brot und Spiele“-Politik des Stadt­bür­ger­meis­ters, die der Rech­nungs­hof mit deut­li­chen Wor­ten als über­teu­ert kri­ti­siert hat.

Für Chris­to­pher Mühleck will Mar­cus Held eben­falls eine ganz neue Stel­le schaf­fen, die im Bereich „Unter­stüt­zung der Ver­wal­tungs­füh­rung“ ange­sie­delt wer­den soll. Es ist aller­dings abso­lut unge­wöhn­lich (weil viel zu teu­er), dass sich eine Stadt von der Grö­ße Oppen­heims einen eige­nen Mann für Öffent­lich­keits­ar­beit leis­tet. Des­halb haben wir uns das Wir­ken Mühlecks ein­mal etwas genau­er ange­schaut. Und muss­ten fest­stel­len: Im Wesent­li­chen kreist der städ­ti­sche PR-Mit­ar­bei­ter nur um Mar­cus Held – was erklärt, wes­halb er allent­hal­ben nur als „Helds Hof­be­richt­erstat­ter“ bezeich­net wird.

Mühleck-Foto von Mar­cus Held in der All­ge­mei­nen Zei­tung vom 7. Dezem­ber: Ein Hin­weis dar­auf, dass es sich um einen PR-Text aus dem Rat­haus han­delt, fin­det sich nir­gend­wo.
Die glei­che Mühleck-Held-Geschich­te, für die Zei­tungs­le­ser zah­len müs­sen, fin­det sich auch auf der Home­page der Stadt.

Mühleck schreibt regel­mä­ßig Tex­te, in denen es um Mar­cus Held geht, und er macht Fotos, auf denen Mar­cus Held zu sehen ist. Sodann ver­schickt er die­ses PR-Mate­ri­al an die „All­ge­mei­ne Zei­tung Lands­kro­ne“ und an diver­se Anzei­gen­blätt­chen, wo dann immer wie­der Mar­cus Held zu sehen ist – zuletzt in der AZ vom 7. Dezem­ber: Held, Weih­nachts­zau­ber ver­brei­tend, im Kreis der Kin­der des Herrn­wei­her-Kin­der­gar­ten. Dazu ver­öf­fent­licht Mühleck sei­ne Held-Tex­te und -Fotos natür­lich auch alle auf der städ­ti­schen Home­page (Für deren Pro­gram­mie­rung ist er aber nicht zustän­dig: Das macht Held-Freund Mar­kus Appel­mann mit sei­ner Agen­tur InMe­dia – eben­falls auf Kos­ten der Stadt, ver­steht sich…)

Helds Rat­haus-Schrei­ber betreibt neben­her übri­gens noch eine klei­ne Agen­tur in Mom­men­heim: Unter dem Tarn­na­men „Dr. Gon­zo“ bie­tet er dort an, für klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men Wer­bung zu machen. Auf sei­ner Web­sei­te lis­tet er fünf Refe­ren­zen auf, dar­un­ter Mar­cus Held (der „Gon­zo“ wie­der­um als „kom­pe­ten­ten Part­ner“ lobt) und die SPD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Kath­rin Anklam-Trapp.

Wenn Mühleck im Auf­trag von Held Tex­te über Held schreibt und Fotos von Held macht, sind die­se natur­ge­mäß ein­sei­tig, par­tei­isch – und damit Wer­bung. Wenn sol­che PR-Mel­dun­gen regel­mä­ßig, in gro­ßer Anzahl und vor allem ohne nähe­re Kenn­zeich­nung von der Lokal­zei­tung über­nom­men wer­den, stellt das einen Ver­stoß gegen publi­zis­ti­sche Grund­sät­ze dar und ist damit ein Fall für den Deut­schen Pres­se­rat. Schließ­lich heißt es wört­lich im Pres­se­ko­dex:

Die Ver­ant­wor­tung der Pres­se gegen­über der Öffent­lich­keit gebie­tet, dass redak­tio­nel­le Ver­öf­fent­li­chun­gen nicht durch pri­va­te oder geschäft­li­che Inter­es­sen Drit­ter oder durch per­sön­li­che wirt­schaft­li­che Inter­es­sen der Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten beein­flusst wer­den. Ver­le­ger und Redak­teu­re weh­ren der­ar­ti­ge Ver­su­che ab und ach­ten auf eine kla­re Tren­nung zwi­schen redak­tio­nel­lem Text und Ver­öf­fent­li­chun­gen zu werb­li­chen Zwe­cken.“

Mühleck macht für Held aber wohl nicht nur PR-Arbeit . Die bis heu­te anony­men Auto­ren des Dos­siers, die den Oppen­heim-Skan­dal auf­ge­deckt hat­ten, schrie­ben bereits vor eini­gen Mona­ten, Herr Mühleck wer­de „regel­mä­ßig bei der Doku­men­ta­ti­on von SPD-Par­tei­ver­an­stal­tun­gen gesich­tet, nament­lich als Fah­rer und Foto­graf von Auf­trit­ten Helds, die die­ser als Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter wahr­nimmt“. Wir wol­len mal ganz fest davon aus­ge­hen, dass er die­se Ein­sät­ze außer­halb sei­ner Rat­haus-Arbeits­zeit absol­viert. Der Schluss­fol­ge­rung der Dos­sier-Auto­ren aus ihrer Betrach­tung der von Held betrie­be­nen Ver­mi­schung von städtischen/kommunalen Inter­es­sen einer­seits und eige­nen par­tei­po­li­ti­schen Belan­gen ande­rer­seits ist aller­dings nur zuzu­stim­men:

Die Kom­mu­ne wird von Amts­trä­ger Held in dubio­se ver­trag­li­che Ver­pflich­tun­gen gezo­gen, in denen ein adäqua­ter Leis­tungs­aus­tausch mit der Kom­mu­ne nicht erfolgt. Die Kom­mu­ne zahlt, erhält aber kei­ne adäqua­te Gegen­leis­tung. Es pro­fi­tiert das poli­ti­sche Umfeld Helds und/oder Held. Das Gemein­we­sen erlei­det mas­si­ven wirt­schaft­li­chen Scha­den – die Aus­höh­lung und Ver­keh­rung demo­kra­ti­scher Grund­sät­ze noch nicht betrach­tet.

Ein Gedanke zu „Held schafft neue Stelle für seinen Hofberichterstatter

  1. B.M.

    Es ist unfass­bar das die­se Per­son über­haupt noch irgend etwas zu ent­schei­den hat. Wo blei­ben die Kon­se­quen­zen für die Ver­feh­lun­gen? Wenn man ein Buß­geld nicht bezahlt wird man bis ins kleins­te gemahnt, ver­folgt und ein­ge­sperrt und ein Poli­ti­ker der eine Vor­bild­funk­ti­on hat oder haben soll­te macht so wei­ter als wäre nix gewe­sen. Das ist doch ver­rückt! Und wie soll man die­se Pen­zer geführ­te VG noch ernst neh­men? Glaubt er wirk­lich er hät­te was gutes getan weil er den Bericht umge­hend ver­öf­fent­licht hat? Das heilt über­haupt nichts!

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