1. Akt: Eine Stadt sieht rot

Dubio­se Ver­trä­ge, merk­wür­di­ge Immo­bi­li­en­ge­schäf­te, ganz viel Geld: Das alles wird beschrie­ben in anonym ver­sand­ten Papie­ren. Immer mit­ten­drin: der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Oppen­hei­mer Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held. Was geht da ab, was treibt den Mann? Blick in eine Stadt, die rot sieht.

Pan­ora­ma­fo­to vom Oppen­hei­mer Zen­trum. Rechts das Rat­haus; gegen­über (links im Bild) hat die ört­li­che SPD ihr Büro. Im Schau­fens­ter zeigt ein Flatscreen Fotos und Vide­os von Mar­cus Held.

Polit-Sprengstoff im Aktenschrank

Es ist ein hoch­bri­san­tes Papier, das da in einem Akten­ord­ner im Ver­wal­tungs-Rund­bau der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz abge­hef­tet schlum­mert. Es wur­de bis­lang kaum beach­tet, obwohl es Polit-Spreng­stoff der gefähr­lichs­ten Art dar­stellt. Die­ses Papier hat den Oppen­heim-Skan­dal um den SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­cus Held erst rich­tig ins Rol­len gebracht hat:

Es han­delt sich um einen offi­zi­el­len Ver­merk des Lei­ters des Fach­be­reichs „Zen­tra­le Immo­bi­li­en­ver­wal­tung“: Unter Akten­zei­chen 049/943‑8014 notier­te der Mann am 3. Novem­ber 2016, dass der Oppen­hei­mer Stadt­rat zwar beschlos­sen habe, für stadt­ei­ge­ne Grund­stü­cke im Gewer­be­ge­biet Krä­mer­eck-Süd „einen Min­dest­ver­kaufs­preis von 140 €/qm“ zu ver­lan­gen. Die­ser Preis sei aller­dings in min­des­tens zwei Fäl­len unter­schrit­ten wor­den, wes­halb der Stadt ein Gesamt­scha­den in Höhe von „58.840 €!!“ ent­stan­den sei. Die zwei Ruf­zei­chen, die der Beam­te hin­ter die fünf­stel­li­ge Zahl setz­te, dürf­ten auf ein aus­ge­präg­tes Unge­hal­ten­sein schlie­ßen las­sen.

Der Oppen­heim-Skan­dal: Seit Wochen tobt er durch das beschau­li­che Rhein­hes­sen, beun­ru­higt längst die SPD in der Lan­des­re­gie­rung in Mainz, er schwapp­te sogar bis in die Haupt­stadt Ber­lin, wo die Par­tei­stra­te­gen in der SPD-Bun­des­zen­tra­le im Wil­ly-Brandt-Haus sor­gen­voll die Nach­rich­ten aus der rhein­land-pfäl­zi­schen Pro­vinz ver­fol­gen. Es geht längst nicht mehr nur um die im Akten­ver­merk genann­ten zwei Grund­stü­cke. Die Vor­wür­fe wie­gen viel schwe­rer: Es geht um den Ver­dacht rechts­wid­ri­ger Auf­trags­ver­ga­ben, es geht um Schein­ge­schäf­te mit Par­tei­freun­den, es geht even­tu­ell um Kick-back-Zah­lun­gen.

Bestän­dig im Zen­trum aller Anwür­fe: Mar­cus Held, ein Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter der SPD, der zugleich Stadt­bür­ger­meis­ter von Oppen­heim ist.

Ein Behördenchef gibt sich patzig

Eigent­lich hät­te es die unschö­nen Nach­rich­ten nie geben sol­len, zumin­dest hät­ten sie nicht nach drau­ßen drin­gen sol­len. Doch dann wur­de am 3. Novem­ber 2016 jener Akten­ver­merk geschrie­ben.

Und es geschah erst ein­mal: nichts, gar nichts.

Genau das, näm­lich das Aus­blei­ben von Reak­tio­nen der poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen, war der ent­schei­den­de Feh­ler. Klaus Pen­zer, der Chef der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz, der als rou­ti­nier­ter Ver­wal­tungs­mann, aber auch als stram­mer Par­tei­sol­dat gilt, hat­te sich wie­der ein­mal weg­ge­duckt, was aber nie­man­den son­der­lich über­rasch­te: Pen­zer gehe jedem Dis­put mit sei­nem Par­tei­freund Mar­cus Held mög­lichst weit­räu­mig aus dem Weg, heißt es in der Stadt. Der SPD-Poli­ti­ker, so wird in sei­ner Ver­wal­tung offen kol­por­tiert, kusche immer wie­der vor dem robus­ten und oft hemds­är­me­lig auf­tre­ten­den Stadt­bür­ger­meis­ter.

Als Ulrich Gerecke, Redak­ti­ons­lei­ter der ört­li­chen „All­ge­mei­nen Zei­tung Lands­kro­ne“, Pen­zer spä­ter ein­mal dar­auf ansprach, dass er doch nicht erst im Novem­ber 2016, son­dern bereits im April 2014 einen ähn­lich bri­san­ten Ver­merk zu Helds Geschäf­ten erhal­ten habe, reagier­te der Ver­wal­tungs­chef aus­ge­spro­chen unge­hal­ten: Das sei zum Teil drei Jah­re her, sag­te er. Und füg­te pat­zig hin­zu: „Ich kann heu­te nicht mehr alles reka­pi­tu­lie­ren, was ich in 23 Jah­ren mei­ner kom­mu­nal­po­li­ti­schen Arbeit geprüft und unter­schrie­ben habe.“

Das Album Mar­cus Held
Der Amts­sitz von Mar­cus Held: Das Rat­haus am Markt­platz mit­ten in Oppen­heim.
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Dem gro­ßen SPD-Vor­sit­zen­den Wil­ly Brandt wird der Aus­spruch zuge­schrie­ben: „Wer Unrecht lan­ge gesche­hen lässt, bahnt dem nächs­ten den Weg.“ Genau des­halb, weil eine Remons­tra­ti­on wie­der­holt wir­kungs­los ver­pufft war und ver­meint­li­ches Unrecht erneut nicht ver­folgt wur­de, ver­bün­de­ten sich Ende letz­ten Jah­res meh­re­re Mit­ar­bei­ter der Pen­zer-Ver­wal­tung. Ihr Ziel: Das kol­lek­ti­ve Schwei­gen der Ver­ant­wort­li­chen und Mit­wis­ser in Oppen­heim soll­te auf­ge­bro­chen, etli­che dubi­os erschei­nen­de Vor­gän­ge an der Stadt­spit­ze soll­ten end­lich auf­ge­deckt wer­den.

Der Akten­ver­merk, den die Ver­wal­tungs­spit­ze offen­bar tot­schwei­gen woll­te, war nur der berühm­te letz­te Trop­fen in einem bis zum Rand gefüll­ten Fass des Unmuts: Die Mit­ar­bei­ter der Ver­bands­ge­mein­de – intern wer­den mal drei, mal fünf Namen genannt – kopier­ten aus diver­sen Ord­nern jede Men­ge behör­den­in­ter­ner, teil­wei­se auch ver­trau­li­cher Unter­la­gen, mit denen sie angeb­lich straf­recht­lich rele­van­tes Ver­hal­ten von Stadt­bür­ger­meis­ter Held auf­de­cken woll­ten. Sie fass­ten die Unter­la­gen in einem 48-sei­ti­gen Dos­sier zusam­men und ver­schick­ten es an Behör­den und Redak­tio­nen.

Verbale Vernichtungsschlacht

Der Oppen­heim-Skan­dal ist seit­her nicht mehr zu stop­pen. Der Sta­pel Papier, der von den anony­men Auto­ren etwas alt­klug mit „Memo­ran­dum“ über­schrie­ben wur­de, hat eine unglaub­lich zer­stö­re­ri­sche Spreng­kraft im auf den ers­ten Blick so fried­lich wir­ken­den Oppen­heim ent­wi­ckelt. Das Dos­sier will nicht nur von ein oder zwei merk­wür­di­gen Deals des Stadt­bür­ger­meis­ters wis­sen. In dem Kon­vo­lut fin­den sich zahl­rei­che Kopi­en von Ver­trags­aus­zü­gen und Rech­nun­gen, die bewei­sen sol­len: Mar­cus Held sei wie­der­holt Pro­vi­si­ons­ver­pflich­tun­gen gegen­über Mak­lern ein­ge­gan­gen, obwohl es sach­lich kei­nen Anlass und erst recht kei­ne recht­li­che Ver­pflich­tung dafür gab. Er habe seri­en­wei­se und teils im gro­ßen Stil Auf­trä­ge ver­ge­ben, ohne dass ent­spre­chen­de Auto­ri­sie­run­gen vor­la­gen. Er habe bei der Ver­ga­be städ­ti­scher Grund­stü­cke eigen­mäch­tig Rabat­te ein­ge­räumt, ohne dazu legi­ti­miert gewe­sen zu sein, zum Vor­teil von ihm per­sön­lich aus­ge­wähl­ter Pro­fi­teu­re.

Seit all das bekannt ist, regiert Miss­trau­en die Stadt. Arg­wohn schleicht durch die engen Stra­ßen der Alt­stadt rund um Rat­haus und mäch­ti­ger Katha­ri­nen-Kathe­dra­le. Ver­däch­ti­gun­gen machen die Run­de, öffent­lich ist die Rede von Hass, Rache, Wut, Erpres­sung und Zer­stö­rung. Die klein­städ­ti­sche Poli­tik bedient sich Voka­beln einer gewalt­tä­ti­gen Ver­nich­tungs­schlacht, die loka­le Zei­tung berich­tet seit Wochen nahe­zu täg­lich, wäh­rend­des­sen Mar­cus Held, der Haupt­be­trof­fe­ne, sich win­det und wen­det: Mal gibt er den trut­zi­gen Gut­men­schen, der doch nur das Bes­te für sei­ne Stadt wol­le, mal ergibt er sich in Selbst­mit­leid: Es ver­let­ze ihn per­sön­lich, „wenn mir unser dama­li­ges Han­deln jetzt so nega­tiv aus­ge­legt wird“, weh­klag­te er in einem Inter­view mit der „All­ge­mei­nen Zei­tung Lands­kro­ne“. Und wie­der­holt gebets­müh­len­ar­tig, dass er sich nichts vor­zu­wer­fen habe. „Das, was wir gemacht haben, ist trans­pa­ren­ter als alles ande­re. Kla­rer geht es nicht“, sagt er.

Feh­ler? Er? Nie­mals!

Der Stadtbürgermeister spaltet die Stadt

Die Vor­wür­fe gegen Mar­cus Held, die in dem anonym ver­fass­ten Dos­sier auf­ge­lis­tet, mit zahl­rei­chen behör­den­in­ter­nen Doku­men­ten unter­mau­ert und auf den nächs­ten Sei­ten die­ser Web­sei­te aus­führ­lich beleuch­tet wer­den, lau­ten in der schnel­len Über­sicht:

  • Mar­cus Held soll bei Immo­bi­li­en­ge­schäf­ten Mak­ler zuge­las­sen haben, die völ­lig über­flüs­sig waren, und er soll sie aus der Stadt­kas­se bezahlt haben, obwohl sie von den Geschäfts­part­nern bestellt wor­den waren.
  • Mar­cus Held soll einen Par­tei­freund als Stadt­pla­ner mit sehr vie­len Auf­trä­gen ver­sorgt haben. Er bezahl­te den Mann aus der Stadt­kas­se, obwohl des­sen Arbei­ten von der Ver­bands­ge­mein­de hät­ten aus­ge­führt wer­den kön­nen, wofür Oppen­heim sogar noch eine Umla­ge zahlt.
  • Mar­cus Held soll sei­nem Par­tei­freund, dem Stadt­pla­ner, zusätz­lich ein sehr lukra­ti­ves Mak­ler­ge­schäft zuge­scho­ben haben, wobei er für des­sen Bezah­lung gleich­zei­tig die Käu­fer wie auch die Stadt ver­trag­lich ver­pflich­te­te.
  • Mar­cus Held soll eigen­mäch­tig und hin­term Rücken des Stadt­rats ein städ­ti­sches Grund­stück an eine Geschäfts­frau mit fast 90 Pro­zent Rabatt abge­ge­ben haben.
  • Und schließ­lich soll sich unter den Pro­fi­teu­ren der Held­schen Stadt­ver­wal­tung auch sein Amts­vor­gän­ger befin­den, der inzwi­schen Ehren­bür­ger von Oppen­heim ist: Der hielt im Ver­bund mit sei­ner Ehe­frau als Mak­ler einer inner­städ­ti­schen Immo­bi­lie die Hand auf und wur­de über Mar­cus Held aus der Stadt­kas­se bezahlt, obwohl ihn die Stadt gar nicht enga­giert hat­te.

Das alles und noch eini­ges mehr ist dem Dos­sier zu ent­neh­men. Neben den dienst­recht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen, die in den nächs­ten Mona­ten von unab­hän­gi­gen Rech­nungs­prü­fern aus Spey­er beant­wor­tet wer­den, stellt sich der Öffent­lich­keit natür­lich die drän­gen­de Fra­ge: Was treibt einen Mann, der es bis zum Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten gebracht hat – und jetzt die Men­schen in „sei­ner“ Stadt Oppen­heim in zwei Lager teilt, die sich sei­net­we­gen unver­söhn­lich, ja voll Abnei­gung und teil­wei­se blan­kem Hass gegen­über­ste­hen.

Sammler der Posten und Pöstchen

Schau­en wir ihn uns etwas genau­er an: Mar­cus Held, erst 39 Jah­re alt, ver­hei­ra­tet, Vater von zwei klei­nen Kin­dern. Ehe­frau Vere­na gehört dem ört­li­chen SPD-Par­tei­vor­stand (Vor­sit­zen­der: Mar­cus Held) an, sie gibt sich ansons­ten gesell­schaft­lich zurück­hal­tend.

Der stu­dier­te Jurist schaff­te es bin­nen weni­ger Jah­re, dass ohne ihn nichts mehr läuft in Oppen­heim. Er hat sich an den zen­tra­len Schalt­stel­len des klei­nen Gemein­we­sens plat­ziert:

Dass er – neben sei­nem Haupt­job als Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter – ehren­amt­li­cher Stadt­bür­ger­meis­ter ist und die kom­mu­na­le Ver­wal­tung führt: Das wis­sen wir bereits (wobei die so genann­te Ehren­amt­lich­keit mit mehr als 2000 Euro im Monat gewiss nicht schlecht hono­riert wird).

Dass Mar­cus Held zugleich Vor­sit­zen­der des SPD-Orts­ver­eins ist: Das ist sicher nor­mal.

Dass er Vor­sit­zen­der des SPD-Ver­ban­des Rhein-Selz ist: eben­so, viel­leicht.

Dann sitzt er für die SPD noch im Ver­bands­ge­mein­de­rat Rhein-Selz.

Und er ist auch Mit­glied der SPD-Frak­ti­on im Kreis­tag Mainz-Bin­gen.

Wenn in Oppen­heim im grö­ße­ren Stil Woh­nun­gen gebaut wer­den, ist das in der Regel ein Werk der Gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft Oppen­heim (GWG). Die besitzt laut Home­page mehr als 250 Woh­nun­gen, ist also ein rich­ti­ges Unter­neh­men. Und wie heißt der Vor­stands­vor­sit­zen­de der GWG? Genau: Mar­cus Held. Der macht den gewich­ti­gen Job sozu­sa­gen neben­bei.

Die Bau­ge­nos­sen­schaft hat eine 100prozentige Toch­ter, die nennt sich kurz HGO, was eine Abkür­zung für den ellen­lan­gen Fir­men­na­men „Haus- und Grund­stücks­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft der gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft Oppen­heim mbH“ ist. Der Geschäfts­füh­rer der HGO ist, na klar: Mar­cus Held.

Er ist auch Vor­sit­zen­der des Ver­eins Oppen­hei­mer Tafel.

Er ist auch Vor­sit­zen­der der Stif­tungs­kom­mis­si­on der Stif­tung Zivil­hos­pi­tal Oppen­heim, deren Trä­ger die Stadt sowie die evan­ge­li­sche und die katho­li­sche Gemein­de sind und die ein Alten­heim betreibt.

Und auf der Inter­net­sei­te der Stadt wird er zudem als Ansprech­part­ner der Gemein­schaft Oppen­hei­mer Ver­ei­ne genannt.

Auf sei­ner pri­va­ten Home­page zählt der SPD-Poli­ti­ker dann noch auf: Er ist Mit­glied des 1. FC Kai­sers­lau­tern und von Worma­tia Worms, er ist Mit­glied bei der AWO und DLRG, beim VdK und NABU sowie im Angel­sport-, Car­ne­val-, Fuss­ball­sport-, Turn-, Hun­de­sport-, Geflü­gel­zucht­ver­ein „u.v.m.“

Nicht zuletzt zeigt sich Held deko­riert mit aller­lei loka­len Aus­zeich­nun­gen, er darf sich „Rit­ter des Uhr­turms“ nen­nen und Wein­rit­ter, er ist Ehren­mit­glied beim Hun­de­sport­ver­ein „Agi­li­ty Freun­de Oppen­heim 03“ wie auch beim ört­li­chen Fuß­ball­club FSV.

(Für die Voll­stän­dig­keit der Held-Akti­vi­tä­ten kann hier kei­ne Gewähr über­nom­men wer­den.)

Wer ange­sichts der schier erdrü­ckend wir­ken­den All­ge­gen­wart immer noch nicht genug hat von Mar­cus Held: Der gehe in Oppen­heims Stadt­mit­te. Vis-a-vis vom Rat­haus hat sich, in einem Fach­werk­haus mit rot gestri­che­nen Bal­ken, die ört­li­che SPD ein­ge­rich­tet. Im Schau­fens­ter steht ein Pana­so­nic-Flatscreen, der in End­los-Schlei­fe Fotos und Film­chen zeigt. Haupt­dar­stel­ler in nahe­zu jeder Sequenz: Mar­cus Held – im uner­müd­li­chen Ein­satz für sein klei­nes Oppen­heim.


Die Verdienste des Marcus Held


- Als Mit­glied des Bun­des­ta­ges (MdB) bekommt er jeden Monat 9.327 Euro (ab Juli 9.542 Euro).*


- Als Stadt­bür­ger­meis­ter von Oppen­heim: 2.186 Euro/Monat.


- Als Mit­glied im Ver­bands­ge­mein­de­rat Rhein-Selz: 100 Euro/Monat plus 35 Euro pro Sit­zung.


- Als Beauf­trag­ter der Bade­an­stalt „Opp­ti­ma­re“: 600 Euro/Monat.


- Als Mit­glied der SPD-Frak­ti­on im Kreis­tag Mainz-Bin­gen: 200 Euro/Monat plus 60 Euro Sit­zungs­geld.


- Als Vor­stand des GWG Oppen­heim: 400 Euro/Monat.


- Als Geschäfts­füh­rer der HGO Oppen­heim: 450 Euro/Monat.


*Neben sei­ner MdB-Diät steht Held, wie jedem Mit­glied des Bun­des­tags, eine steu­er­freie Auf­wands­pau­scha­le in Höhe von monat­lich 4305 Euro zu. Dazu kann er bis zu 12.000 Euro im Jahr als Büro­mit­tel-Pau­scha­le abrech­nen. Für Mit­ar­bei­ter wer­den bis zu 20.391 Euro im Monat gezahlt. Jeder Abge­ord­ne­te hat zudem Anspruch auf ein Büro in Ber­lin (incl. Möblie­rung, Com­pu­ter, Lap­top, Dru­cker, Tele­fon etc.), Züge der Deut­schen Bahn kann er kos­ten­los nut­zen, auch pri­vat. Herr Held teil­te mit, dass die Kos­ten­pau­scha­le u.a. für alle Aus­ga­ben im Wahl­kreis (Anmie­tung Bür­ger­bü­ros, Tele­fon…) gezahlt wer­de, und dass „die Aus­ga­ben bei einem akti­ven Abge­ord­ne­ten monat­lich eher höher sind! Inso­fern ist das kei­ne Bezah­lung oder Hono­rie­rung.“


Die genann­ten Zah­len basie­ren auf Inter­net-Recher­chen. Auf Nach­fra­ge erklär­te Mar­cus Held, die Auf­lis­tung sei „mei­nes Erach­tens kor­rekt und voll­stän­dig“.


Seine Gegner: Politik nach Gutsherrenart

Eine der­ar­ti­ge Kon­zen­tra­ti­on von Ämtern und Pos­ten, damit auch von Macht und Ein­fluss­nah­me ist in unse­rem demo­kra­ti­schen Gemein­we­sen eigent­lich kaum erträg­lich. Dass Held als Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter Kon­tak­te zur Basis behal­ten will, ist ver­ständ­lich. Aber muss er wirk­lich alle mög­li­chen Gre­mi­en anfüh­ren, in allen mög­li­chen kom­mu­na­len Par­la­men­ten sit­zen, und dann auch noch eine Bau­ge­nos­sen­schaft füh­ren?

Oppen­heim ist Helds Macht­bas­ti­on, heißt es in der Stadt. Held kön­ne dank sei­ner diver­sen Chef-Pos­ten nicht nur mit der Macht­fül­le eines Sou­ve­räns regie­ren. Er kön­ne auf die­se Wei­se auch Ämter und Funk­tio­nen an ande­re ver­ge­ben, womit er sich deren Dank­bar­keit siche­re, was wie­der­um sei­ne Posi­ti­on wei­ter stär­ke.

Den Mann trei­be ego­zen­tri­sche Macht­gier, urtei­len sei­ne Geg­ner. Held herr­sche nach Guts­her­ren­art und ver­hal­te sich damit zutiefst unde­mo­kra­tisch. Inzwi­schen nen­nen ihn eini­ge den „Erdo­gan von Oppen­heim“, was hart an der Gren­ze zur Bös­ar­tig­keit ist, aber auch als Seis­mo­graph einer poli­ti­schen Befind­lich­keit die­nen kann. Die Kri­tik, auch das ist bezeich­nend, wird nur hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand geäu­ßert: Lau­te Gedan­ken die­ser Art dür­fe man in Oppen­heim nicht wagen aus­zu­spre­chen, heißt es, sonst wür­de man abge­straft mit Aus­gren­zung, was im über­schau­ba­ren Kos­mos einer klei­nen Kom­mu­ne einer gesell­schaft­li­chen Ver­nich­tung gleich­kom­me. Die Angst davor ist alle­mal grö­ßer als der Mut zum offe­nen Wider­stand, wes­halb auch regel­mä­ßig die drin­gen­de Bit­te geäu­ßert wird: „Schrei­ben Sie bloß nicht, dass ich’s Ihnen gesagt habe.“

Eine Realsatire namens „Opptimare“

Tat­säch­lich wir­ken die opu­len­te Macht­fül­le und dräu­en­de Omni­prä­senz von Mar­cus Held in der 7300-See­len-Klein­stadt, von außen betrach­tet, mehr als befremd­lich. Bis­wei­len zeigt sie sich zudem hoch­not­pein­lich:

Mar­cus Held, der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter und Stadt­bür­ger­meis­ter und Chef der Bau­ge­nos­sen­schaft ist und noch so vie­les mehr, ist zu alle­dem auch noch „Beauf­trag­ter der Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz für das Hal­len­bad Opp­ti­ma­re“. So lau­tet sein offi­zi­el­ler Titel, und er kas­siert dafür, das nur neben­bei, 600 Euro im Monat.

Beauf­trag­ter für das Hal­len­bad „Opp­ti­ma­re”: Es mag sein, dass man mit einem sol­chen Ein­trag im Lebens­lauf bei den Bun­des­tags-Kol­le­gen im fer­nen Ber­lin ganz super Ein­druck schin­den kann. Ein Hal­len­bad namens „Opp­ti­ma­re“ lässt schließ­lich durch­aus auf­re­gen­de Asso­zia­tio­nen zu.

Die Wahr­heit ent­deckt, wer etwas genau­er hin­schaut: Beim „Opp­ti­ma­re“ han­delt es sich mit­nich­ten um ein attrak­ti­ves Spaß- und Frei­zeit­bad, wie der Name sug­ge­riert, son­dern um ein eher küm­mer­lich klei­nes Hal­len­bad am Ran­de Oppen­heims. Äußer­lich ist es in die Jah­re gekom­men, innen zeigt es sich mit einem 25-Meter-Becken, einer Baby­p­lant­sch­wan­ne und einer Sau­na schlicht-funk­tio­nal. Wer immer Slo­gans wie „Erleb­nis­bad“, „Wohl­fühloa­se“ oder „Oase mit Stil“ erson­nen hat, kann nie im „Opp­ti­ma­re” gewe­sen sein.

Mar­cus Held und „sein“ Opp­ti­ma­re
Klein, unschein­bar und so gar nicht „Mare“: Das „Opp­ti­ma­re“ von der Stra­ße aus gese­hen.
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War­um nur hat sich Mar­cus Held den Job eines Beauf­trag­ten einer sol­chen Bade­an­stalt ange­tan? Wegen der paar hun­dert Euro, die er dafür bekommt? Das kann’s doch eigent­lich kaum sein!

Es gibt eine Erklä­rung, die wahr­schein­li­cher klingt, sie wird von den anony­men Auto­ren des Dos­siers auf­ge­zeigt: Mar­cus Held kann über das Hal­len­bad präch­tig Wer­bung für sich selbst machen, das auch noch voll­kom­men kos­ten­los, was in die­sem Fall heißt: auf Kos­ten der Ver­bands­ge­mein­de.

So wur­den „Opptimare”-Anzeigen im Alzey­er oder Worm­ser Wochen­blatt gedruckt, in der Regel immer mit Held-Kon­ter­fei und des­sen Gruß­wort. Dabei inter­es­sie­re sich in Alzey und Worms kein Mensch für das mick­ri­ge 25-Meter-Becken in Oppen­heim, schrei­ben die Dos­sier-Auto­ren. „Sinn erge­ben ent­spre­chen­de Anzei­gen nur, wenn man nicht den Oppen­hei­mer Lokal­be­zug, son­dern die Ver­brei­tung der Per­son Held im Bun­des­tags­wahl­kreis Alzey-Worms-Oppen­heim in den Blick nimmt.“ Die Dos­sier-Auto­ren wei­ter: Damit sei eine kom­mu­nal­recht­li­che Legi­ti­ma­ti­on der Auf­wen­dun­gen für sol­cher­lei Anzei­gen zu ver­nei­nen und viel­mehr „eine Ver­let­zung der Ver­mö­gens­be­treu­ungs­pflicht durch Held“ zu ver­mu­ten.

Im Klar­text: Es kön­ne durch­aus straf­recht­lich rele­vant sein, wenn Mar­cus Held der­ar­ti­ge Anzei­gen auf Kos­ten der Steu­er­zah­ler schal­te.

Auch sonst drängt Held in einem Aus­maß, das nor­mal emp­find­sa­me Men­schen nur als unan­ge­nehm auf­dring­lich emp­fin­den kön­nen, mit „sei­nem“ Hal­len­bad ins öffent­li­che Bewusst­sein:

Gleich im Ein­gang des Schwimm­bads hängt ein Pla­kat: „Urlaub zuhau­se? Das ‚Opp­ti­ma­re’ bie­tet 365 Tage Urlaubs­fee­ling“. Ange­sichts des Schlicht­bads klingt eine sol­che Wer­bung wie Real­sa­ti­re; auch gehört der Gra­fi­ker des klei­nen Pos­ters unbe­dingt abge­mahnt: Statt eines Fotos, das wenigs­tens einen Hauch von Urlaubs­fee­ling signa­li­siert, zeigt das Pla­kat als Eye­cat­cher ein Held-Por­trät mit Ret­tungs­ring um den Hals. Was, bitt­schön, hat ein lang­wei­li­ges MdB-Por­trät mit Urlaubs­ge­füh­len zu tun?

Am Schwimm­bad-Tre­sen liegt ein Kurs­plan, der „Was­ser­ge­wöh­nung ab 4 Jah­ren“ und „Gym­nas­tik für Mol­li­ge“ für 49 Euro anbie­tet. Die ers­te Sei­te des Pro­spekts ziert das Kon­ter­fei eines grin­sen­den Man­nes in schwar­zem Jackett, der sei­ne rote Kra­wat­te straff um den Hals gekno­tet hat. Der Mann wird nament­lich erst gar nicht erwähnt, es wird wohl erwar­tet, dass jeder ihn kennt: Na klar, es ist Mar­cus, der Held von Oppen­heim.

Das Problem ist sein Ruf

Und so sieht die­se Stadt rot, über­all. Das ist nicht nur poli­tisch gemeint. Das betrifft nicht nur die Kra­wat­te des Stadt­bür­ger­meis­ters. Die GWG/HGO, die unter Füh­rung von Mar­cus Held Woh­nun­gen bau­en und umbau­en, mar­kie­ren ihre Häu­ser mit blut­ro­ten Haus­wän­den. An sei­nem eige­nen Haus am Fuß eines Wein­bergs hat Mar­cus Held die Bal­ko­ne im glei­chen auf­fäl­li­gen Rot ange­pin­selt.

Die Bot­schaft, die damit aus­ge­sen­det wird, ist unmiss­ver­ständ­lich; sie lau­tet: Die Par­tei – natür­lich die SPD – ist über­all. Und auch ich, Mar­cus Held, bin immer bei euch.

Und genau da lie­gen die Wur­zeln der Pro­ble­me von Mar­cus Held: Es gibt Spiel­re­geln in unse­rem demo­kra­ti­schen Gemein­we­sen, Geset­ze, Ver­ord­nun­gen, Erlas­se, Vor­schrif­ten, es gibt sie aus gutem Grund, um Ent­schei­dungs­pro­zes­se trans­pa­rent und nach­voll­zieh­bar zu machen und Miss­brauch zu ver­hin­dern. Es gibt Gre­mi­en, die nicht nach dem Gus­to eines Ein­zel­nen ein­ge­schal­tet wer­den kön­nen (oder eben auch nicht), son­dern die gefragt wer­den müs­sen, die für Ent­schei­dun­gen zustän­dig und ver­ant­wort­lich sind.

Mit sei­nen Mul­ti-Akti­vi­tä­ten, sei­nem per­ma­nen­ten Über­all-will-ich-dabei-sein und sei­nen for­schen Allein­gän­gen scheint sich Mar­cus Held ver­rannt zu haben, wie ein Getrie­be­ner in einem undurch­dring­li­chen Dickicht, wo am Ende weder Weg noch Ziel zu erken­nen sind. Längst wird nicht mehr nur die Fra­ge gestellt: War alles rech­tens, was er tat? Schon steht der unan­ge­neh­me Ver­dacht der eigen­nüt­zi­gen Vor­teils­nah­me im Raum. Die Dos­sier-Auto­ren hegen einen Ver­dacht, ohne einen Beweis zu haben, sie for­mu­lie­ren es juris­tisch raf­fi­niert: „Aus den nicht gerecht­fer­tig­ten Pro­vi­si­ons­zah­lun­gen könn­ten Rück­flüs­se (sog. Kick-backs) in Rich­tung der SPD Oppen­heim und/oder sogar der Per­son Held gespeist wor­den sein.“

Sol­che Ver­däch­ti­gun­gen kön­nen schreck­lich infam sein, weil ihnen eine urge­wal­ti­ge zer­stö­re­ri­sche Kraft inne­wohnt. Ein Poli­ti­ker, ein Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter zumal, täte gut dar­an, alles zu ver­mei­den, was sol­chen Ver­dachts­mo­men­ten Nah­rung bie­tet.

Mar­cus Held, heißt es, habe sich in sei­ner All­ge­gen­wart und sicher auch ver­meint­li­chen All­mäch­tig­keit die Ver­däch­ti­gun­gen selbst zuzu­schrei­ben. Die Zei­tung „Rhein­pfalz“ for­mu­liert es so: „Das Pro­blem ist sein Ruf. Ihm wird so etwas zuge­traut.“ Schon ver­fol­ge die Lan­des-SPD die Ent­wick­lung in Oppen­heim „mit küh­ler Distanz zu Mar­cus Held: Sein for­scher Poli­tik­stil erin­ne­re an die 1960er und 70er Jah­re, das sei nicht mehr zeit­ge­mäß“.

Eine Drohung an die Stadt

In der Stadt sagen sie, er agie­re bes­ser­wis­se­risch und selbst­herr­lich, und genau dar­über sei er jetzt gestol­pert. Dass er sich zu viel zutrau­te, ohne Rück­sicht auf irgend­wel­che Regeln. Und dass man ihm alles und wohl auch noch eini­ges mehr zutraut. Ob es ihn am Ende mehr kos­tet als nur den guten Ruf, bleibt abzu­war­ten:

Beam­te des Rech­nungs­ho­fes in Spey­er haben jetzt Arbeits­plät­ze im kreis­run­den Büro- und Geschäfts­haus („Ron­do“) von Klaus Pen­zers Ver­wal­tung okku­piert: Sie las­sen sich Ber­ge von Papier brin­gen, Rech­nun­gen, Bücher, Bele­ge, Schrift­stü­cke, Ver­trä­ge. Und sie laden Mit­ar­bei­ter zu Gesprä­chen vor. Es han­delt sich um eine Son­der­prü­fung, die durch­aus als unge­wöhn­lich zu betrach­ten ist. Wären die Doku­men­te in dem anony­men Dos­sier nicht aus­sa­ge­stark, wären die Prü­fer gewiss nicht umge­hend ange­rückt.

Jetzt wer­den sie die Geschäfts­tä­tig­keit des Oppen­hei­mer Stadt­bür­ger­meis­ters genau­es­tens unter die Lupe neh­men. Die Rech­nungs­prü­fer legen Wert auf abso­lu­te Unab­hän­gig­keit, sie las­sen sich nicht trei­ben und nichts vor­schrei­ben. Sie tun ihren Job.

Mar­cus Held kämpft um sei­ne Repu­ta­ti­on. Er zieht dabei alle Regis­ter. Das Weh­kla­ge­ri­sche, das hat­ten wir schon. Er kann aber auch anders, er hat’s gezeigt. Wenn man ihn mies behand­le, lau­tet eine sei­ner Bot­schaf­ten, die er via „All­ge­mei­ne Zei­tung Lands­kro­ne“ unters Volk ver­brei­ten ließ, dann wer­de er’s der gan­zen Stadt zei­gen. „Ich wer­de dann jedes noch so klei­ne Detail in die Gre­mi­en brin­gen, auch wenn es Sache der lau­fen­den Ver­wal­tung ist. Das wird dann eben zur Fol­ge haben, dass Din­ge län­ger dau­ern, die bis­her schnell gin­gen.“

Es klang wie eine Dro­hung. Es war ent­lar­vend: Mar­cus Held geht es ganz offen­sicht­lich nicht um die Men­schen in der Stadt. Die­ser Mann inter­es­siert sich nur für einen Men­schen: für Mar­cus Held.


Viel Arbeit für den Staatsanwalt


Der Oppen­heim-Skan­dal beschäf­tigt inzwi­schen auch die Staats­an­walt­schaft Mainz, gleich meh­re­re Anzei­gen gin­gen dort ein.


1. Am 9. Febru­ar wur­de anonym eine Straf­an­zei­ge gegen Mar­cus Held erstat­tet – wegen des Ver­dachts der Untreue. Die Lei­ten­de Ober­staats­an­wäl­tin Andrea Kel­ler sag­te dazu: „In die­ser Straf­an­zei­ge, der aus­zugs­wei­se Doku­men­te in Kopie als Anla­ge bei­ge­fügt waren, wer­den im wesent­li­chen Grund­stücks­ge­schäf­te the­ma­ti­siert.“ Es wer­de geprüft, ob ein Anfangs­ver­dacht straf­ba­ren Ver­hal­tens bestehe. Da der Rech­nungs­hof in der­sel­ben Ange­le­gen­heit eine eige­ne Über­prü­fung durch­füh­re, habe man „aus arbeits­öko­no­mi­schen Grün­den“ ver­ein­bart, dass der Rech­nungs­hof zu gege­be­ner Zeit die Unter­la­gen und auch sei­ne Erkennt­nis­se mit­teilt. Helds Anwalt habe inzwi­schen eine ers­te und als vor­läu­fig bezeich­ne­te Stel­lung­nah­me abge­ge­ben. Kel­ler: „Ich ver­mag der­zeit nicht abzu­schät­zen, wie lan­ge die Prü­fung zeit­lich in Anspruch neh­men wird.“


2. Am 11. April gab der Anwalt von Mar­cus Held eine Kopie eines anony­men Schrei­bens und eines Kuverts bei der Staats­an­walt­schaft ab und erstat­te­te Straf­an­zei­ge gegen Unbe­kannt wegen ver­such­ter Nöti­gung: Der Bür­ger­meis­ter, so die Lei­ten­de Ober­staats­an­wäl­tin, habe einen „Droh­brief“ erhal­ten. Die Akte sei noch am 11. April an die Poli­zei über­sandt wor­den, um das Ori­gi­nal-Schrei­ben und -Kuvert als Beweis­stü­cke sicher­zu­stel­len, „da nur an den Ori­gi­nal­do­ku­men­ten Spu­ren gesi­chert wer­den kön­nen“. Neben der Unter­su­chung des Brie­fes und des Kuverts sei eine Ver­neh­mung Helds zur Auf­fin­de­si­tua­ti­on beab­sich­tigt. „Die poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen dau­ern noch an. Ich ver­mag nicht abzu­schät­zen, wie lan­ge die Ermitt­lun­gen zeit­lich dau­ern wer­den.“


3. Schließ­lich erstat­te­te Bür­ger­meis­ter Klaus Pen­zer für die Ver­bands­ge­mein­de Rhein-Selz am 8. Mai Straf­an­zei­ge gegen den oder die unbe­kann­ten Ver­fas­ser des so genann­ten „Memo­ran­dums“. Pen­zers Straf­an­zei­ge sei von einem Rechts­an­walt ver­fasst, es gehe um Vor­wür­fe der Ver­let­zung des Brief­ge­heim­nis­ses (§ 202 StGB), des Aus­spä­hens von Daten (§§ 202 a, 202 b StGB), der Ver­let­zung von Pri­vat­ge­heim­nis­sen (§ 203 StGB) und der Ver­let­zung des Dienst­ge­heim­nis­ses (§ 353b StGB). Andrea Kel­ler: „Auch die­ser Vor­gang ist zur Durch­füh­rung von Ermitt­lun­gen an die Poli­zei ver­sandt. Ich ver­mag nicht abzu­schät­zen, wie lan­ge die Ermitt­lun­gen zeit­lich dau­ern wer­den.“


Hier geht’s zum nächs­ten Akt im Oppen­heim-Skan­dal:

Ein Mak­ler­bü­ro sahnt ab

9 Gedanken zu „1. Akt: Eine Stadt sieht rot

  1. C.L Antworten

    Das alles Wie­dert mich an.
    Wenn man schon um Gerech­tig­keit kämpft dann bit­te gerecht!
    1. Unmen­gen an ver­sto­ßen der Men­schen­rech­te!!
    2. Sach­lich­keit eines Grund­schü­lers..

    Wenn sie ein guter Jour­na­list wären… wür­den sie auf­hö­ren sich so zu bla­mie­ren.
    #ich­ste­he­hin­ter­held

    • Zeehr Antworten

      Hut ab, so vie­le Feh­ler in weni­gen Sät­zen, ohne dass man erst auf den Inhalt schau­en muss. Das erin­nert mich an die „qua­li­fi­zier­ten“ ers­ten Ein­trä­ge zur Demo auf der Face­book-Sei­te der AZ Lands­kro­ne („‚Alder.…“).
      Sie kön­nen ger­ne hin­ter Held ste­hen, wenn Sie rechts­wid­ri­ge Amts­füh­rung und Vet­tern­wirt­schaft unter­stüt­zen wol­len.

      #ichauch­nix­fin­den­gut­ver­sto­ßen­ge­gen­der­men­schen­rech­te

    • D. Mayer Antworten

      Wenn Mar­cus Held ein recht­schaf­fe­ner Bür­ger­meis­ter wäre, hät­ten

      - Lan­des­rech­nungs­hof,
      – Staats­an­walt­schaft Mainz,
      – Kom­mu­nal­auf­sicht der KV Mainz-Bin­gen

      weni­ger Arbeit.

      Glau­ben Sie wirk­lich, dass nach 27 Jah­ren SPD-Regie­rung inkl. einer Legis­la­tur­pe­ri­ode mit abso­lu­ter SPD-Mehr­heit (!) unter Kurt Beck im Lan­des­rech­nung­hof noch lau­ter böse CDU­ler sit­zen, die sich aus per­sön­li­chen Moti­ven aus­ge­rech­net Mar­cus Held aus­ge­sucht haben? …

    • Karl Antworten

      C.L. Wer ver­stößt wo gehen die Men­schen­rech­te?

      Nen­nen Sie mir doch bit­te mal die Grün­de, war­um man sich hin­ter Held stel­len soll­te?

      War­um belei­di­gen Sie Grund­schü­ler?

      Wis­sen die, wofür Hash­tags ein­gent­lich gut sind?

      Um Ant­wort wird gebe­ten. Dan­ke

    • E Antworten

      Natür­lich kei­ne Ant­wort vom Hash­tag-Mann.

      Wider­lich ist das nicht, aber rich­tig dünn – wie so fast alles aus dem Held­la­ger.

  2. Anonymus Antworten

    Mit rei­ße­ri­schen Arti­keln wie die­sem gibt man dem Skan­dal, wenn es denn einer sein soll­te, schon wie­der viel zu viel Raum. Bis ein Gerichts­ur­teil ergan­gen ist, falls es dazu kom­men soll­te, muss wei­ter­hin gel­ten: „In dubio pro reo!“

    • G.K. Antworten

      Blät­tern Sie ein­mal wei­ter und stel­len Sie sich der Rea­li­tät.
      Aber die­se ewi­gen Ver­wei­ge­rer sind genau die Men­schen, die Rat­ten­fän­ger auf den Leim gehen.
      Wenn man Ihrer Logik fol­gen wür­de, dürf­te KEIN Ermitt­lungs­ver­fah­ren geführt wer­den, da man damit schon per se gleich eine (Vor)Verurteilung fällt.
      Besin­nen Sie sich ein­mal, wie Ihre Unschulds­läm­mer öffent­lich mit der Unter­stüt­zung des Amts­blat­tes (AZ) Wider­sa­cher mas­siv beschul­digt und an den Pran­ger gestellt haben, die eige­nen Mit­ar­bei­ter eben­so öffent­lich unter Ver­dacht gestellt und sogar die Ver­wen­dung von Nach­rich­ten­tech­nik in Erwä­gung gezo­gen haben. Und dann wol­len Sie im Ernst behaup­ten, dass die­ser Arti­kel rei­ße­risch vor­ver­ur­teilt? Wenn Sie das zeit­nah zur Erschei­nung geschrie­ben hät­ten, hät­te ich Ver­ständ­nis auf­brin­gen kön­nen. Ex post ist das mehr als nur unver­ständ­lich.

    • Frieder Zimmermann Antworten

      Rei­ße­risch? Oh, Anony­mus mit der zart­be­sai­te­ten See­le. Lesen Sie wei­ter Rosa­mun­de Pil­cher! Die Ver­laut­ba­run­gen der Staats­an­walt­schaft und des Lan­des­rech­nungs­hofs regen Sie offen­bar zu sehr auf. Die Wahr­heit kann schon mal hart sein. Nix für Weich­ei­er. Wenn man es gar nicht mehr aus­hält, kann man den Ruhmöl­ler-News­let­ter auch wie­der kün­di­gen. Aber jetzt ist die AZ ja auch kri­tisch auf­ge­tre­ten. Rei­ße­risch, was da heu­te auf drei Sei­ten stand. Wie nen­nen Sie das, Anony­mus? Lügen­pres­se?

  3. Heinz Behrendt Antworten

    Im Prin­zip ein Gier­schlund, der wegen par­tei­schä­di­gem Ver­hal­ten sofort aus dem Amt gejagt wer­den muss.

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