LRH 22: Wie ein Ehrenbürger dank Held bei der Stadt abkassierte

Im Her­zen der Vor­stadt ent­ste­hen ins­ge­samt 32 neue Woh­nun­gen mit Auf­zug und moder­ner Aus­stat­tung. Von dem kom­pak­ten 1 Zim­mer-Appar­te­ment bis zur kom­for­ta­blen 4 Zim­mer-Woh­nung ist für jeden die pas­sen­de Woh­nung dabei. Die Kauf­prei­se begin­nen bereits ab 3.225 Euro pro Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che.

Das ist ein klei­ner Aus­zug aus einer Inter­net-Anzei­ge für neue Eigen­tums­woh­nun­gen am Oppen­hei­mer Kautz­brun­nen­weg. Die 26-Qua­drat­me­ter-But­ze soll dem­nach 89.900 Euro kos­ten, eine 130-Qua­drat­me­ter-Woh­nung ist für 419.900 Euro im Ange­bot. Gara­gen kos­ten extra: 8.000 Euro pro Stell­platz. Die Preis­vor­stel­lun­gen sind mutig: Laut Immo­bi­li­en­s­cout liegt der durch­schnitt­li­che Kauf­preis für Eigen­tums­woh­nun­gen in Oppen­heim der­zeit bei 1900 Euro pro Qua­drat­me­ter…

Das geplan­te Mehr­fa­mi­li­en­haus mit sei­nen – laut Inter­net – „Traum­woh­nun­gen“, von denen eini­ge einen direk­ten Blick auf die nahe und viel befah­re­ne Bahn­stre­cke bie­ten wer­den, soll eines Tages „Wohn­park Horst Gra­din­ger“ hei­ßen: Das hat­te sich der hoch­be­tag­te Unter­neh­mer ver­trag­lich von Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held zusi­chern las­sen, als er das Grund­stück samt her­un­ter­ge­kom­me­nem Möbel­la­ger an die Stadt ver­kauf­te. Wenig spä­ter war er tot. Und Mar­cus Held hat seit­dem ein Rie­sen-Pro­blem am Hals: Die Immo­bi­lie wird teu­rer und teu­rer, dabei ist noch nicht ein­mal der Grund­stein gelegt.

Hin­zu kommt: Der Lan­des­rech­nungs­hof hat sich die Unter­la­gen zu die­sem dubio­sen Geschäft jetzt etwas genau­er ange­schaut. Und muss­te erneut fest­stel­len: Nichts, aber auch gar nichts lief nor­mal und ordent­lich ab. Wenn die Prü­fer am Ende gro­ße Pro­ble­me für Held erwar­ten, dann aller­dings weni­ger in sei­ner Funk­ti­on als Stadt­bür­ger­meis­ter. Viel­mehr als Geschäfts­füh­rer der Haus- und Grund­stücks­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft Oppen­heim (HGO), die eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Toch­ter der Gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft (GWG) ist und deren Vor­stand Mar­cus Held eben­falls ist:

Die HGO hat den gan­zen Klum­patsch am Kautz­brun­nen­weg der Stadt abge­kauft, und zwar zu einem Preis, der inzwi­schen nach oben offen ist: Das heißt, die HGO wird am Ende alles bezah­len müs­sen, ganz egal, wel­che Kos­ten ent­stan­den sind oder noch ent­ste­hen wer­den. Sol­che Blan­ko-Schecks aus­zu­stel­len kann für einen GmbH-Geschäfts­füh­rer, selbst wenn er Mar­cus Held heißt, grund­sätz­lich höchst gefähr­lich wer­den. Für sei­ne genos­sen­schaft­li­chen Auf­sichts­gre­mi­en übri­gens womög­lich auch.

Das wäre das dicke Ende, doch davon spä­ter mehr: Wir wol­len hier, fürs bes­se­re Ver­ständ­nis, wie­der der Rei­he nach vor­ge­hen. Dazu wer­den wir das Kapi­tel Gra­din­ger aus dem Bericht des Lan­des­rech­nungs­ho­fes in zwei Fol­gen auf­tei­len: Heu­te geht es nur um den Ankauf des alten Möbel­hau­ses durch Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held; mor­gen berich­ten wir über den Abriss des Gebäu­des durch Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held und den anschlie­ßen­den Ankauf des geräum­ten Grund­stücks durch HGO-Geschäfts­füh­rer Mar­cus Held.

In bei­den Kapi­teln wird erkenn­bar wer­den, wie durch­trie­ben der SPD-Poli­ti­ker agiert, dass ihm das demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Stadt­par­la­ment völ­lig gleich­gül­tig zu sein scheint, und dass er immer wie­der Ent­schei­dun­gen an den zustän­di­gen und ver­ant­wort­li­chen Gre­mi­en vor­bei fällt, bis zuletzt.

Mar­cus Held, auch das zeigt sich beim The­ma Gra­din­ger wie­der in aller Deut­lich­keit, wird offen­sicht­lich gelenkt von dem eigen­nüt­zi­gen Inter­es­se, sich selbst in das posi­ti­ve Licht eines Machers zu rücken. Ob ein wei­te­res Motiv sein könn­te, dass die wirt­schaft­li­chen Pro­fi­teu­re sei­nes Tuns (nament­lich Mak­ler) von ihrem Pro­fit wie­der etwas abge­ben? Um es klar zu sagen: Ob das so ist, und an wen sie mög­li­cher­wei­se abge­ge­ben oder gespen­det haben könn­ten – wir wis­sen das nicht, aber uns beschleicht ein ungu­tes Gefühl.

Das Wohl der Stadt jeden­falls auch hier: Fehl­an­zei­ge!

Held in 2015: Die ersten Oppenheimer können 2017 einziehen

Das Gra­din­ger-Pro­jekt war lan­ge Zeit das erklär­te Lieb­lings­the­ma von Oppen­heims Stadt­bür­ger­meis­ter. Eine Auf­wer­tung der Vor­stadt ver­sprach er, einen Wohn­park wol­le er bau­en, sozi­al ver­träg­li­chen Miet­raum (plus ein paar Eigen­tums­woh­nun­gen, wegen der Finan­zie­rung) woll­te er schaf­fen. Im Früh­jahr 2015 schwärm­te er in der All­ge­mei­nen Zei­tung: „Wir wol­len bis Som­mer die recht­li­chen und for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen.“ Anfang 2016 könn­ten die Bag­ger rol­len, 2017 soll­ten die ers­ten Oppen­hei­mer ein­zie­hen kön­nen…

Das sind so sei­ne typi­schen Sprü­che, die macht er ger­ne, der Wahr­heits­ge­halt aller­dings ten­diert oft­mals gegen null. Gleich­wohl wer­den sie immer wie­der ernst genom­men, weil sogar die Zei­tung sie ohne jede Wider­re­de wei­ter­gibt. So sind sie zunächst ein pro­ba­tes Mit­tel der Selbst­ver­mark­tung – mit dem gro­ßen Nach­teil ste­tig abneh­men­der Glaub­wür­dig­keit, wobei Held auch hier die Null-Linie längst deut­lich unter­schrit­ten haben dürf­te.

Er kauf­te also das alte Lager­haus, danach soll­te es weg, was für einen Macher wie ihn kein Pro­blem dar­stellt: „Der Abriss läuft nach Plan“, ließ Held die gan­ze Stadt per Haus­wurf­sen­dung wis­sen – das war vor genau einem Jahr, im Dezem­ber 2016.

Dumm nur, dass wenig spä­ter alles ganz anders kam: Bau­stel­len-Cha­os und Gift­stoff-Fun­de lie­ßen die Arbei­ten ins Sto­cken gera­ten und die Kos­ten regel­recht explo­die­ren. Bis heu­te – wir haben bereits Ende 2017! – konn­ten noch nicht ein­mal die Abbruch­ar­bei­ten rich­tig been­det wer­den. Was einen Held im Juli die­ses Jah­res trotz Wis­sens um die ange­stau­ten Schwie­rig­kei­ten nicht davon abhielt zu ver­kün­den: „Gra­din­ger-Abriss in den letz­ten Zügen“. Die Attrak­ti­vi­tät des Umfel­des wer­de gestei­gert, erklär­te er, und zwar „ohne dass der Stadt Oppen­heim auch nur ein ein­zi­ger Euro Kos­ten ent­steht“. Wes­halb er es nur als „fair und ange­mes­sen“ emp­fän­de, „wenn dies ein­mal von den poli­ti­schen Geg­nern zur Kennt­nis genom­men und aner­kannt wür­de“.

Nun ja, so redet er eben, der Oppen­hei­mer Held. Wobei wir heu­te wis­sen: Er ist nicht nur ein Sprü­che­klop­fer. Er hat auch die Unwahr­heit gesagt – damals, davor und auch danach, immer wie­der, bis zuletzt. Das gan­ze Gra­din­ger-Pro­jekt steht inzwi­schen sinn­bild­lich dafür, wie die­ser Bür­ger­meis­ter die Men­schen in sei­ner Stadt mit fal­schen Infor­ma­tio­nen hin­ter­geht und täuscht.

Im Fall Gra­din­ger waren die Vor­aus­set­zun­gen für die Held­schen Lug- und Trug-Eska­pa­den auch opti­mal: Dem Stadt­bür­ger­meis­ter steht im Stadt­rat eine SPD-Mehr­heits­frak­ti­on zur Sei­te, der jeder Ansatz von kri­ti­schem Den­ken zuwi­der zu sein scheint – und wo auch, wie wir ges­tern im Bericht über Helds städ­ti­sche Geld­zu­wen­dun­gen an sei­ne SPD-Frak­ti­ons­che­fin Ste­pha­nie Kloos gese­hen haben, ganz ande­re Kräf­te, näm­lich die der aus­ge­präg­ten Eigen­nüt­zig­keit, wal­ten. Zudem beglei­tet die­sen SPD-Poli­ti­ker auf all sei­nen Wegen eine will­fäh­ri­ge Zei­tungs­re­dak­ti­on, die jour­na­lis­ti­sche Recher­che wei­test­ge­hend auf­ge­ge­ben zu haben scheint und sich bei heik­len Polit-The­men zumeist mit dem Abdru­cken par­tei­ischer Polit-Ver­laut­ba­run­gen begnügt.

Schrottimmobilie: Gradinger bestellte Makler – Held zahlte

Horst Gra­din­ger war nicht nur ein erfolg­rei­cher Möbel-Unter­neh­mer in Oppen­heim. Er war in der Orga­ni­sa­ti­on der Gewer­be­trei­ben­den aktiv, er misch­te in Ver­ei­nen mit, er half bereit­wil­lig bei der Pfle­ge von Grün­an­la­gen… Und die Oppen­hei­mer haben’s ihm gedankt, wie es eben Oppen­hei­mer Art zu sein scheint: Ehren­sie­gel, Ehren­na­del, Ehren­ring – Gra­din­ger krieg­te alles, was es in der Stadt an Ehrun­gen gibt. Dazu jede Men­ge Ehren­mit­glied­schaf­ten in diver­sen Ver­ei­nen. Und nicht zuletzt die Ehren­bür­ger­wür­de der Stadt.

Im Juli 2016 ver­starb der Mann, im Alter von 81 Jah­ren. Es trau­er­te laut Lokal­zei­tung nebst Mar­cus Held (dem der bedeu­tungs­schwe­re Satz zuge­schrie­ben wur­de, ein Nein von Gra­din­ger habe es nie gege­ben) auch des­sen Amts­vor­gän­ger Erich Men­ger, der laut Zei­tung bis zuletzt eine Freund­schaft zu Gra­din­ger pfleg­te, die sich für ihn unmit­tel­bar vor des­sen Able­ben im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes sehr gut bezahlt gemacht haben soll­te, was aller­dings zu jenem Zeit­punkt kei­ner erahn­te…

Der Unter­neh­mer hat­te das her­un­ter­ge­kom­me­ne Möbel­la­ger am Kautz­brun­nen­weg auf sei­ne alten Tage unbe­dingt los wer­den wol­len, angeb­lich hat­te er es auch lan­ge Zeit ange­bo­ten, ohne ernst­haf­te Inter­es­sen­ten fin­den zu kön­nen. Zuletzt mel­de­te sich ein Inves­tor und Gas­tro­nom aus Mainz-Kas­tel, der woll­te in dem Bau ein Mer­ce­des-Muse­um ein­rich­ten, 500.000 Euro als Kauf­preis zah­len und wei­te­re 1,5 Mil­lio­nen Euro inves­tie­ren. Ein Schmuck­stück wär’s gewor­den für Oppen­heim, Gra­din­ger aber war’s angeb­lich zu wenig Geld.

Dann kam Mar­cus Held und bot 620.000 Euro: Er woll­te das Möbel­la­ger abrei­ßen und Woh­nun­gen bau­en las­sen, sozi­al ver­träg­li­che vor allem, so lock­te er, die wür­den ja allent­hal­ben benö­tigt. Die­ser Plan muss dem alten Gra­din­ger gefal­len haben. Unklar ist aller­dings bis heu­te, in wel­cher Funk­ti­on Held bei die­sen ers­ten Besu­chen vor­stel­lig gewor­den war: Als Stadt­bür­ger­meis­ter? Oder als Vor­stand der GWG? Oder als Geschäfts­füh­rer der HGO? Oder ein­fach als guter Kum­pel?

Ist auch egal, ver­mut­lich kann er es selbst nicht immer so genau unter­schei­den. Anfangs hieß es, dass Held das Möbel­la­ger für die GWG oder für die HGO kau­fen wol­le, die Begrün­dung klang über­zeu­gend: Wenn erst die Stadt kau­fe und dann wei­ter­ver­kau­fe, wer­de die Grund­er­werbs­steu­er zwei­mal fäl­lig; bei einem Direkt­kauf kön­ne die HGO einen mitt­le­ren fünf­stel­li­gen Betrag ein­spa­ren. War­um wenig spä­ter dann doch die Stadt als Käu­fer auf­trat, wur­de nie erklärt, es mag dem Umstand geschul­det gewe­sen sein, dass Held auf reich­lich För­der­mit­tel vom Land spe­ku­lier­te, die bei einem pri­va­ten Bau­vor­ha­ben viel­leicht nicht, zumin­dest nicht so üppig wie benö­tigt, geflos­sen wären…

Mit sei­nen Kauf-Plä­nen ging Held als Stadt­bür­ger­meis­ter – Über­ra­schung! – dies­mal, wie es sich auch laut Vor­schrif­ten gehört, zuerst in den Stadt­rat: Am 31. März 2016 ließ er sich den Ankauf bewil­li­gen. 620.000 Euro Kauf­preis geneh­mig­ten die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker, plus „pau­schal 10% Erwerbs­ne­ben­kos­ten“.

Gleich andern­tags mar­schier­te der Stadt­bür­ger­meis­ter mit Horst Gra­din­ger zum ört­li­chen Notar und erwarb das Objekt – aber für nur 580.000 Euro. Laut Ver­trag ver­pflich­te­te er sich aller­dings zur Zah­lung einer Mak­ler­cour­ta­ge in Höhe von 5,95 Pro­zent des Kauf­prei­ses, macht 34.510 Euro. Das war der wesent­li­che Teil­be­trag im Geflecht der Erwerbs­ne­ben­kos­ten, die (unter Ein­schluss von Notar­kos­ten, Grund­er­werb­steu­er und Grund­buch­kos­ten) knapp 68.000 Euro betru­gen.

Und das kön­nen die Prü­fer des Lan­des­rech­nungs­ho­fes jetzt gar nicht gut fin­den: Schon im rech­ne­ri­schen Aus­gangpunkt kon­sta­tie­ren sie, dass das vom Stadt­rat geneh­mig­te Bud­get für die Über­nah­me von Erwerbs­ne­ben­kos­ten (10% aus 620.000 Euro = 62.000 Euro) um fast 6.000 Euro über­schrit­ten wor­den sei. Aber nicht genug damit. Held habe das zustän­di­ge Stadt­par­la­ment auch wie­der ein­mal inhalt­lich umgan­gen: „Der Nie­der­schrift zur Sit­zung vom 31. März 2016 ist nicht zu ent­neh­men, dass die Zah­lung einer Mak­ler­cour­ta­ge the­ma­ti­siert wur­de“, schrei­ben sie in ihrem Bericht. Dies obwohl es sich bei der Mak­ler­cour­ta­ge um die wesent­li­che Posi­ti­on der Erwerbs­ne­ben­kos­ten han­del­te.

Das wiegt beson­ders schwer, weil kein ver­nünf­ti­ger Mensch sich hät­te vor­stel­len, dass ein Käu­fer bei einer schwer ver­mit­tel­ba­ren Schrott­im­mo­bi­lie bereit sein könn­te, die Pro­vi­si­on für den vom Ver­käu­fer beauf­trag­ten Mak­ler zu über­neh­men. Der Stadt­rat wur­de mit die­ser Fra­ge­stel­lung nicht nur nicht befasst; er hat­te auch kei­ner­lei Anlass anzu­neh­men, dass das pau­scha­lier­te Erwerbs­ne­ben­kos­ten­bud­get vom Stadt­bür­ger­meis­ter, der allein dem Wohl der Stadt ver­pflich­tet ist, für sol­che Zwe­cke ver­wen­det (wenn nicht gar: ent­frem­det) wür­de.

Es gibt noch einen wei­te­ren Kri­tik­punkt aus Sicht der unab­hän­gi­gen Kon­troll­be­hör­de, der ist eher finanz­tech­ni­scher Natur, aber aber­mals bezeich­nend: Held bezahl­te den Ankauf über ein Inves­ti­ti­ons­dar­le­hen, das die Stadt zur Finan­zie­rung der Grund­stücks­an­käu­fe im Bau­ge­biet Krä­mer­eck-Süd auf­ge­nom­men hat­te und im letz­ten Jahr eigent­lich hat­te zurück­zah­len wol­len. Mit der Fol­ge, dass die geplan­te Til­gung des Krä­mer­eck-Dar­le­hens gekürzt wer­den musst. Sol­che unüber­sicht­li­chen finan­zi­el­len Trans­ak­tio­nen sind nicht zuläs­sig, es gibt dazu stren­ge Regeln, und sie soll­ten auch für einen Mar­cus Held Gül­tig­keit besit­zen: „Wenn Aus­ga­ben für bis­her nicht ver­an­schlag­te Inves­ti­tio­nen geleis­tet wer­den sol­len“, schrei­ben die Rech­nungs­prü­fer, sei „unver­züg­lich eine Nach­trags­haus­halts­sat­zung zu erlas­sen (§ 98 Abs. 2 Nr. 4 Gemein­de­ord­nung)“.

Die Ver­wal­tung der Ver­bands­ge­mein­de, schrei­ben die Prü­fer auch, habe Held auf die­ses vor­ge­schrie­be­ne Pro­ce­de­re aus­drück­lich hin­ge­wie­sen. Aber was die Pen­zer-Behör­de sagt, das hat, wie wir mitt­ler­wei­le wis­sen, einen Held ja noch nie son­der­lich inter­es­siert.

In sei­ner Stel­lung­nah­me zum Rech­nungs­hof­be­richt reagiert Held wie ein Rot­licht­sün­der, der von der Poli­zei gestoppt wird und sich auf kin­di­sche Wei­se beklagt, war­um man ihn auf­hal­te: Es sei doch gar nichts pas­siert, und außer­dem habe er es eilig. Held schreibt, der Stadt­rat habe ihm ins­ge­samt 682.000 Euro für das Pro­jekt geneh­migt, aus­ge­ge­ben habe er nur 648.000 Euro, mit­hin sei kein wirt­schaft­li­cher Scha­den für die Stadt ent­stan­den. Es klingt, als wol­le er sagen: Was wollt ihr Prü­fer eigent­lich? Ich habe doch weni­ger Geld aus­ge­ge­ben als erlaubt wor­den war!

Dass sich auch ein Stadt­bür­ger­meis­ter an Regeln, Vor­schrif­ten und Geset­ze zu hal­ten hat – und dass er die Kos­ten für sei­ne Stadt zu mini­mie­ren hat: Das scheint die­ser SPD-Poli­ti­ker nicht begrei­fen zu kön­nen. Er schiebt schließ­lich noch einen Satz hin­ter­her, er soll wohl irgend­wie nach sprö­dem Ver­wal­tungs­deutsch klin­gen, er wirkt nur arro­gant und abge­ho­ben: „Soweit eine unzu­rei­chen­de Infor­ma­ti­on des Stadt­rats gerügt und im Übri­gen auf die Ver­pflich­tung zum Erlass einer Nach­trags­haus­halts­sat­zung ver­wie­sen wer­de, so wer­de dem künf­tig Rech­nung getra­gen.“

Ratsmitglieder: Wir wussten das alles nicht

Kein The­ma im Bericht des Lan­des­rech­nungs­ho­fes ist die Per­son des Mak­lers, der von Gra­din­ger beauf­tragt und dann von der Stadt bezahlt wur­de: Es han­del­te sich um Erich Men­ger, Amts­vor­gän­ger von Mar­cus Held, der trotz diver­ser Affä­ren zum Ehren­bür­ger gemacht wur­de und heu­te in Bad Kreuz­nach lebt und dort im Ver­bund mit sei­ner Frau ein Mak­ler­bü­ro betreibt, das unter„frb-Immobilien“ fir­miert.

Gra­din­ger, so erzähl­te Held spä­ter, habe sei­nen Freund Men­ger um Hil­fe beim Ver­kauf der Immo­bi­lie gebe­ten. Unbe­ant­wor­tet ließ er die Fra­ge, war­um Held und Gra­din­ger, die eben­falls als befreun­det gal­ten, das Geschäft nicht direkt mit­ein­an­der mach­ten. Aber klar, dann hät­te der alte Kum­pel Men­ger ja nichts abbe­kom­men…

Völ­lig unklar aber ist, war­um der Geld­se­gen für Men­ger von der Stadt Oppen­heim kom­men muss­te – war der Mak­ler doch nicht von der Stadt Oppen­heim, son­dern von Gra­din­ger beauf­tragt wor­den.

Wir hal­ten fest: Ehren­bür­ger lässt Ehren­bür­ger Kas­se machen – zu Las­ten der Stadt­kas­se. Wir hat­ten das schon ein­mal aus­führ­lich in unse­rer Geschich­te „Der Deal der Ehren­bür­ger“ beschrie­ben: Das ergibt ein ziem­lich schmud­de­li­ges Bild, noch heu­te wird gerät­selt, war­um sich der alte Gra­din­ger das hat antun müs­sen. Eini­ge, die ihn kann­ten, ver­si­chern, das sei so gar nicht sei­ne Art gewe­sen; sie ver­mu­ten, der alte Herr sei längst nicht mehr Herr der Gescheh­nis­se gewe­sen. Aber ach, was wird nicht alles gemun­kelt…

Held muss erkannt haben, dass der Name Men­ger bei die­sem Geschäft ein äußerst schie­fes Licht auf sei­nen Deal wer­fen wür­de. Drum hat er den Namen sei­nes Vor­gän­gers bei die­sem Deal lan­ge Zeit für sich zu behal­ten ver­sucht. „Als wir den Kauf­ver­trag zu sehen beka­men, war als Mak­ler nur der Fir­men­na­me ‚frb-Immo­bi­li­en“ ange­ge­ben. Kei­ner kam auf die Idee, dass der Men­ger dahin­ter ste­cken könn­te“, empör­ten sich spä­ter Rats­mit­glie­der. Da war’s nicht nur zu spät; ziem­lich rüde muss­ten sie sich auch noch von Held abkan­zeln las­sen: Er habe sie umfas­send infor­miert, bas­ta! Eine Ver­pflich­tung, den Fir­men­be­sit­zer nament­lich zu nen­nen, sehe er für sich nicht.

Rein juris­tisch hat er an die­ser Stel­le sicher­lich Recht. Poli­tisch aber ist ein sol­ches Geschäft zu Las­ten der Stadt­kas­se nur als höchst anrü­chig zu bezeich­nen – und oben­drein min­des­tens in Höhe von 6.000 Euro auch nicht, nicht ein­mal pau­scha­liert, durch Rats­be­schluss gedeckt.

15 Gedanken zu „LRH 22: Wie ein Ehrenbürger dank Held bei der Stadt abkassierte

  1. F. E.

    Die Tafel wird sehr wohl vom Steu­er­zah­ler unter­stützt, näm­lich durch einen jähr­li­chen Bei­trag der Ver­bands­ge­mein­de in Höhe von 10000 bis 15000 Euro. Und die Sup­pe kochen die ehren­amt­li­chen DRK Leu­te ohne Steu­er­geld, dafür zum Wohl ihres haupt­amt­li­chen Geschäfts­füh­rers und Beauf­trag­ten der Ver­bands­ge­mein­de Jörg Stein­hei­mer, der sich dann immer wie­der als „Gutmensch“präsentiert. Was hat er eigent­lich bis­her als Beauf­trag­ter erbracht? Kos­ten sonst nix! Unöko­lo­gi­sche Apfel­saft­do­sen hat er an die Mit­glie­der des Ver­bands­ge­mein­de­ra­tes ver­tei­len las­sen um vor­zu­gau­keln er täte was. Als Fra­gen kamen war er sehr schmal­lip­pig und hat­te kei­ne Ant­wor­ten.

  2. E.G.

    Herr Podes­ta,

    Sie haben bestimmt einen guten Job bei der Tafel gemacht!

    Denn immer­noch sind eini­ge Ihrer Fotos auf der Home­page der Tafel zu sehen.

    Ich sehe auch kei­nen Grund auch wenn Sie da aus wel­chem Grund auch immer nicht mehr Tätig sind, die­se da zu löschen.

    Da Sie aber immer mehr Schmutz über den GF der Tafel ( den er tat­säch­lich auch am Ste­cken hat) hier ver­brei­ten, ist es bestimmt eine Fra­ge der Zeit, bis Sie da ver­schwin­den.

    Wir kön­nen ja ab und zu mal nach­schau­en…

  3. E.G.

    Hal­lo D.B.
    Hal­lo G.K.

    Nein, die Sup­pen wer­den nicht von dem Hel­den an der Tafel ver­teilt!

    Nein, die Sup­pen wer­den nicht direkt von dem Steu­er­zah­ler finan­ziert!

    Das macht das Deut­sche Rote Kreuz!

    Sie kochen meist zwei lecke­re Sup­pen und ver­tei­len die­se selbst an die Tafel­kun­den.

    Vie­len Dank für die­sen jah­re­lan­gen Ein­satz!!!

    Was aber merk­wür­dig ist, ist dass wir bis­her immer auf dem Park­platz vor der Tafel das DRK Zelt auf­bau­en konn­ten.
    Die­ses mal ( vor 4 Wochen) wur­de das Zelt auf ein­mal auf der Fest­wie­se ( ca. 300 m von der Tafel weg) auf­ge­baut.

    Wer den Ablauf des Ein­kaufs der Kun­den kennt, der kann die­se Umzug an die Fest­wie­se nicht nach­voll­zie­hen.

    Es sei den, dass mann es Herrn Held die­ses mal nicht gegönnt hat ( war­um wohl?) sich als Kell­ner in Zelt foto­gra­fie­ren zu las­sen.…..

    Daher hat man bestimmt einen wich­ti­gen Grund ent­deckt, um unter die­sem Vor­wand das DRK Team von dem Park­platz vor der Tafel d.h. aus der öffent­li­chen Wahr­neh­mung zu ver­ban­nen…

    Aber die­se Men­schen machen ihren Job auch so!!!

  4. S.B.

    Wer der Gerech­tig­keit fol­gen will durch dick und dünn, muss lan­ge Stie­fel haben. Habt ihr wel­che? Habe ich wel­che? Ach mei­ne Lie­ben! Las­set uns mit den Köp­fen schüt­teln!“

    Wil­helm Busch

  5. Angelika Hofmeister

    Arro­ganz gegen­über dem (zahlenden)Steuerzahler, Igno­ranz der klam­men Haus­halts­la­ge. Skru­pel­los zie­hen die SPD-Ver­ant­wort­li­chen in der Stadt Oppen­heim und inner­halb der VG Rhein-Selz ihre Eigen­in­ter­es­sen durch. Dabei haben sie kei­ner­lei Unrechts­be­wusst­sein. Statt Eig­nung, Leis­tung und Befä­hi­gung (die 3 Säu­len im öffent­li­chen Dienst­recht bei Stel­len­ver­ga­ben) reicht in Oppen­heim das SPD-Par­tei­buch. Das Ver­werf­li­che an all den ans Tages­licht gebrach­ten „Verfehlungen„ist, dass sich wahr­schein­lich nichts ändern wird. Rück­tritt? War­um? – fra­gen sich die Ver­ant­wort­li­chen. „das dum­me Wahl­volk wählt uns doch 2019 wie­der“, den bis dahin ist ohne­hin alles ver­ges­sen. Des­halb muss die­se Web­sei­te nicht nur auf­recht erhal­ten, son­dern der Bür­ger­pro­test muss zusätz­lich auf die Stra­ße ver­legt wer­den. Las­sen wir die Ver­ant­wort­li­chen Lokal­po­li­ti­ker spü­ren, was wir von Ihnen hal­ten. Ich plä­die­re für Demons­tra­ti­ons­zü­ge durch Oppen­heim.

  6. D.B.

    Habe ich das gut ver­stan­den, ?

    die Poli­ti­ker und Kapi­ta­lis­ten beklau­en die klei­ne Leu­te, Steu­er­zah­ler. Dann ver­tei­len sie über die so genann­te „Tafel “ die Sup­pe. So wer­den sie zum Hel­den.

    • G.K.

      … die Sup­pen, die von den glei­chen Steu­er­zah­lern ehren­amt­lich betrie­ben und finan­ziert wer­den.
      Ja, es ist unglaub­lich.
      Ich habe mich dabei ertappt, dass ich bei einem Super­markt gezö­gert habe, für die Tafel eine Lebens­mit­tel­spen­de zu finan­zie­ren, so wie ich es bis­her regel­mä­ßig und auch sehr ger­ne gemacht habe. Mir kam sofort in den Sinn: ich möch­te den Men­schen etwas Gutes tun, die Markt­ket­te und der Kun­de blei­ben als Spen­der wei­test­ge­hend anonym und dann kom­men da so ein paar Schau­spie­ler und über­rei­chen öffent­lich­wirk­sam die­se „Gaben“ so, als hät­ten sie das alles orga­ni­siert und sich dafür ein­ge­setzt.
      Im Grun­de wäre das mir auch noch egal, wenn sie nicht noch ihren per­sön­li­chen Pro­fit auf Kos­ten der Emp­fän­ger und Geber machen wür­den. Das ist neben dem Image­ge­winn auch die „Auf­wands­ent­schä­di­gung“ für das EHREN(?)amt.
      Wenn ich dann noch so in den vie­len Halb­sät­zen hjier lese, dass die­se Gut­men­schen für sich die Infra­struk­tur der Tafel nut­zen, dann kann ich mich wirk­lich nicht mehr durch­rin­gen.

      • Kurt Podesta

        Also Herr G.K., die armen Men­schen, die die Tafel nut­zen müs­sen, kön­nen für die­se wir­ren Vögel nichts, die brau­chen Hil­fe; so habe ich auch damals gedacht, als die Tafel gegrün­det wur­de, ich war mit Taten­drang und Geld dabei! Vie­le mei­ner Bekann­ten und Geschäfts­freun­de haben gespen­det, ich habe Spen­der akti­viert, habe dann die Waren, ehren­amt­lich ver­steht sich, auf mei­ne Kos­ten, mit mei­nem Fahr­zeug abge­holt und dann zur Tafel gefah­ren, manch­mal unter gro­ßen Schmer­zen, denn ich bin schwer­be­hin­dert! Wir haben uns dann, also eini­ge Hel­fer, schon gewun­dert, wie unser Vor­sit­zen­der das alles für sich ver­ein­nahmt, immer wenn die Pres­se kam war er da, oder wenn er das Tafel­au­to benö­tig­te, um eine pri­va­te oder SPD-Fei­er oder von Freun­den ver­an­stal­tet wur­de. Die tolls­ten Din­ge lie­fen ab, wenn es an die Bra­ten­spen­den ging. Aber, das habe ich hier schon ein­mal geschrie­ben! Bra­ten war klein auf dem Bild, unser Held aber vor­ne dran, egal, ob er was für die Bra­ten konn­te oder nicht, immer in die Kame­ra lächeln. Als dann sei­ne Mut­ter zu den Hel­fern kam, war die Stim­mung plötz­lich weg, die uns dazu brach­te, mehr und mehr zu tun, wir fühl­ten uns beob­ach­tet, war­um auch immer. Die Hel­fer der 1. Stun­den waren dann schnell weg, was scha­de war, denn wir hal­fen uns gegen­sei­tig, wenn man jemand nicht konn­te, ist mal halt eben 3 oder 4 x gefah­ren, es war ja für einen guten Zweck, näm­lich für die Bedürf­ti­gen. Bis wir dann merk­ten, und dar­über spra­chen, dass wir eigent­lich nur benutzt wur­den. Also, auf­ge­hört, kei­ne Spen­den mehr orga­ni­siert, kei­ne Geld­spen­den mehr usw. Es war scha­de, aber ich las­se mich nicht ger­ne benut­zen, auch weil wir erfah­ren haben, dass der GF der Tafel dafür Koh­le bekam. Jetzt ver­mu­te ich, dass Mag­gus sich die Büro­kos­ten von der TAFEL bezah­len lässt, für das Büro in sei­nem Pri­vat­haus. Dafür haben Par­tei­freun­de dann halt eine Büro zu güns­ti­gen Mie­ten im Rat­haus. Ich habe die­ses Jahr ins­ge­samt 10 Tüten gekauft und gespen­det, das kommt wenigs­tens direkt an. Fro­he Weih­nach­ten wün­sche ich Ihnen allen! auch dem Mag­gus und sei­nen Vasal­len! Viel­leicht schließt mich ja der Schein­hei­li­ge in sei­ne Gebe­te ein, was ich aber nicht glau­be!

        • G.K.

          Kei­ne Sor­ge: ich haben einen Weg gefun­den, den Men­schen doch noch etwas zukom­men zu las­sen 🙂 Aber aus­drück­lich: HERZLICHEN DANK dafür, dass Sie die Tafel immer wie­der ins Bewußt­sein rufen.
          Ich freue mich sehr, wie Sie sich dafür ein­set­zen, auch wenn es trau­rig ist, dass wir in unse­rer Gesell­schaft solch eine außer­staat­li­che Hil­fe orga­ni­sie­ren und am Leben hal­ten müs­sen.
          Wären die­se Men­schen und ihre Ange­hö­ri­gen poten­ti­el­le Wäh­ler wür­den sich sicher­lich mehr POLITIKER küm­mern.

  7. Sven aus Oppenheim

    Gera­de habe ich auch das SPD Pro­pa­gan­da­ma­ga­zin im Brief­kas­ten vor­fin­den müs­sen. Habe den dem ers­ten Durch­blät­tern bereits einen hef­ti­gen Brech­reiz. Lei­der kann man die­ses Hoch­glanz­pam­phlet noch nicht mal als Kami­n­an­zün­der ver­wen­den.

    E.T. hat in seinem/ihren Kom­men­tar ges­tern schon die High­lights beleuch­tet. Respekt, dass Sie es geschafft haben, die­sen geball­ten Wort­müll kom­plett zu lesen.

    Und der Rech­nungs­hof hat sowie­so kei­ne Ahnung (sie­he Arti­kel zur Feu­er­wehr)…

    Wenn nicht bald mal ech­te Kon­se­quen­zen aus dem RH-Bericht von offi­zi­el­len Stel­len gezo­gen wer­den, kann man die­se Kon­troll­in­stanz eigent­lich auch ein­spa­ren und Steu­er­gel­der spa­ren. Und das sage ich aus rei­ner Ver­bit­te­rung, denn ich fin­de die Arbeit der Kon­trol­leu­re extrem wich­tig.

  8. S.B.

    Ehre, wem Ehre gebührt!“ Aber der Fly­er zum 80. Geburts­tag von Herrn Gra­din­ger war ein­fach nur pein­lich.

  9. S.B.

    Ja, sehr scha­de, dass aus dem Pro­jekt der Fami­lie Ezze­di­ne nichts gewor­den ist. Anstel­le von Herrn Held hät­te ich als Bür­ger­meis­ter die­ses Geschäft mit Herrn Gra­din­ger ver­mit­telt. Es wäre im wahrs­ten guten Sinn eine Berei­che­rung für Oppen­heim gewe­sen. Lei­der hat
    aus lau­ter Geld- und Raff­gier der Bgm. von Oppen­heim alles zu nich­te gemacht!

  10. Ichmalwieder

    Zitat aus der AZ
    „Zu zwei Gesprä­chen sei er mit der Fami­lie Gra­din­ger zuvor zusam­men­ge­trof­fen, berich­tet Kha­led Ezze­di­ne von sei­nem „guten Kauf­an­ge­bot, das „über dem gele­gen hat, was man hät­te zah­len sol­len“. Auch er hielt den Kauf­preis von 800 000 Euro aller­dings für „um min­des­tens 300 000 Euro fehl­ein­ge­schätzt“.

    Oppen­heim wäre um eine Attrak­ti­on rei­cher gewor­den“, bedau­ert Ezze­di­ne, dass sei­ne Plä­ne von einem Mer­ce­des-Muse­um „bei frei­em Ein­tritt“, nach der Absa­ge Gra­din­gers vor eini­gen Wochen, dahin sind. Auf 700 000 Euro zuzüg­lich der Gestal­tung der Außen­an­la­gen hät­te er die Kos­ten für die Sanie­rung geschätzt; mit Schaf­fung von Woh­nun­gen auf 1,5 Mil­lio­nen. Zudem habe er es reiz­voll gefun­den, die alte Indus­trie­ar­chi­tek­tur zu erhal­ten. „Das hat doch einen geschicht­li­chen Wert“, beschreibt Kha­led Ezze­di­ne die bahn­bre­chen­de neue Bau­wei­se um die vor­letz­te Jahr­hun­dert­wen­de, für die vor allem der fran­zö­si­sche Bau­in­ge­nieur François Hen­ne­bi­que ver­ant­wort­lich gezeich­net hat­te (sie­he Kas­ten).“

    Und danach:

    http://​www​.fr​.de/​r​h​e​i​n​-​m​a​i​n​/​w​i​e​s​b​a​d​e​n​-​m​e​r​c​e​d​e​s​-​m​u​s​e​u​m​-​o​e​f​f​n​e​t​-​i​m​-​j​u​n​i​-​a​-​1​0​3​0​141

    Die Wies­ba­de­ner freu­en sich. So etwas hät­te Tou­ris­ten geholt, nicht der Stell­platz einer Feri­en­woh­nung
    oder eine Cho­co­la­te­ria, die es nie geben wird.

    Aber wer es noch hat, die Bro­schü­re, die zum 80sten Geburts­tag von Herrn Gra­din­ger im Oppen­hei­mer Brief­kas­ten war … der arme Kerl.

    Doch Men­ger ist ein ehren­wer­ter Bür­ger.

    Das ist ein recht­lich ordent­li­cher Deal, der aber wirk­lich ein Geschmäck­le hat, das aller­dings zum Him­mel stinkt.

    Ich wür­de mich in Grund und Boden schä­men.

    • Frieder Zimmermann

      Um sich zu schä­men, gar in Grund und Boden, müs­sen eini­ge Grund­vor­aus­set­zun­gen gege­ben sein. Ein Mensch schämt sich, wenn er das Gefühl hat, mit dem, was er getan hat, gegen sozia­le Erwar­tun­gen oder Nor­men ver­sto­ßen zu haben. Dazu müs­sen die Erwar­tun­gen und vor allem die Nor­men in sei­nem Bewusst­sein ver­an­kert sein. Sind sie es nicht, dann feh­len die ein­gangs genann­ten Grund­vor­aus­set­zun­gen und schä­men fin­det nicht statt. Bezo­gen auf die Per­so­nen hin­ter (nicht nur) dem heu­ti­gen Advents­ka­len­der­tür­chen ist aber nicht nur das Feh­len von ver­an­ker­ten Erwar­tun­gen und Nor­men fest­zu­stel­len. Es fehlt das kom­plet­te Bewusst­sein. Fehlt das Bewusst­sein, z.B. Unrechts­be­wusst­sein oder Schuld­be­wusst­sein, hat man gar nicht das Gefühl, einen Ver­stoß began­gen zu haben. Feh­len wei­te­re Prin­zi­pi­en, wie Cha­rak­ter, Moral, Ehr­ge­fühl und Anstand, läuft man über­haupt nicht in die Gefahr der Ver­le­gen­heit. Da kann es noch so zum Him­mel stin­ken, da steht man dann drü­ber und blickt wei­ter mit Stolz (Gegen­teil von Scham) auf sein Tun und sei­ne Bilanz. Wer aber mit die­sen „stö­ren­den“ Prin­zi­pi­en aus­ge­stat­tet ist und sich das wei­ter mit anse­hen muss, dem bleibt nur, sich fremd­zu­schä­men. Ich mache das seit Wochen.

Die Kommentare sind geschlossen.