Rosenkrieg im Oppenheimer Rathaus

Es ist wie bei einer unschö­nen Schei­dung: Die Oppen­hei­mer CDU hat die SPD von heu­te auf mor­gen ver­las­sen, die war erst ein­mal total geschockt und ließ dann ihrem Frust frei­en Lauf, sie wur­de dabei, nicht ganz uner­war­tet, auch ein biss­chen aus­fäl­lig. Inzwi­schen sieht’s, nun ja, nach einem veri­ta­blen Rosen­krieg aus. Jetzt näm­lich will die CDU sich die Anwür­fe der SPD nicht län­ger gefal­len las­sen und mel­det sich zu Wort…

Eigent­lich ist die gan­ze Sache nicht lan­ger Rede wert. Die Oppen­hei­mer Rat­haus-Koali­ti­on – oder Koope­ra­ti­on, wie stets betont wird – hat­te nie eine poli­ti­sche Not­wen­dig­keit, dien­te eher der per­sön­li­chen Job­ver­sor­gung. Der sei­ner­zei­ti­ge CDU-Chef Hel­mut Kre­the drän­gel­te sich an SPD-Chef Mar­cus Held, weil der ihm eine net­te Ver­wen­dung als Bei­ge­ord­ne­ter für Tou­ris­mus incl. 801 Euro im Monat ver­spro­chen hat­te. Kre­the-Adla­tus Rüdi­ger Span­gen­berg wur­de zusätz­lich mit einem Beauf­trag­ten-Pos­ten ver­sorgt: Er küm­mert sich seit­her, was in einer Stadt von der Grö­ße Oppen­heims ja auch unbe­dingt Sinn macht, um kom­mu­na­le Part­ner­schaf­ten, und kriegt dafür 450 Euro/Monat.

So schie­nen alle glück­lich, zwei kas­sier­ten ein net­tes Zubrot, und Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held, der bereits mit etli­chen Jobs aus­ge­stat­tet ist, konn­te fort­an ver­brei­ten, er habe die Stadt geeint, die CDU nicke schließ­lich immer­zu ab, wenn er etwas sage rsp. vor­schla­ge.

Als raus­kam, dass so eini­ge sei­ner stadt­bür­ger­meis­ter­li­chen Ent­schei­dun­gen nicht ganz geset­zes­kon­form sind und er zudem wie­der­holt das Stadt­par­la­ment vor­sätz­lich über­gan­gen hat, haben die CDU­ler im Stadt­par­la­ment erst lan­ge, sogar sehr lan­ge über­legt – und jetzt die Ket­ten des ver­ein­bar­ten Zusam­men­ar­bei­tens abge­wor­fen. Sie kün­dig­ten die Koope­ra­ti­on auf, ganz über­ra­schend. Was Mar­cus Held nach Stun­den des Ver­dau­ens ver­bies­tert-bos­haft in der „All­ge­mei­nen Zei­tung Lands­kro­ne“ mit dem Spruch kom­men­tier­te, die CDU drü­cke sich vor der Ver­ant­wor­tung.

Marc Sit­tig, der schon in der letz­ten Rats­sit­zung durch aggres­si­ve Anma­che sehr unschön auf­ge­fal­len war, bestä­tig­te sei­nen par­tei­in­ter­nen Ruf als Rat­haus-Ket­ten­hund und erklär­te allen Erns­tes, die per­sön­li­chen Angrif­fe sei­en „nie­mals von­sei­ten der SPD gekom­men“, eine Aus­sa­ge, die der Phi­lo­so­phie als for­mi­da­bles Bei­spiel für ein Lüg­ner-Para­do­xon die­nen könn­te.

Und SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Ste­pha­nie Kloos, die Held-Akti­vis­tin mit gro­ßen Pos­ter- und Pos­ten-Plä­nen, gif­te­te gegen CDU-Chef Peter Pfau, aus poli­ti­schem Kal­kül wer­de das Kli­ma in Oppen­heim mut­wil­lig zer­stört, anstatt die staats­an­walt­schaft­li­chen Ermitt­lun­gen gegen den Stadt­bür­ger­meis­ter abzu­war­ten. Sie ver­schwieg wohl­weis­lich, dass sich der Stadt­rat bereits in sei­nen letz­ten bei­den Sit­zun­gen län­ger mit den recht­wid­ri­gen und wohl auch straf­recht­lich rele­van­ten Hand­lun­gen des Stadt­bür­ger­meis­ters beschäf­ti­gen muss­te.

Ges­tern nun nächs­ter Akt in die­sem uner­freu­li­chen Spek­ta­kel: „In wel­cher Dreis­tig­keit Bür­ger­meis­ter und Frak­ti­ons­spre­che­rin ver­su­chen, eine ihnen geneh­me Wahr­heit zu sug­ge­rie­ren, um sich in ein bes­se­res Licht zu stel­len und dabei jeg­li­che Selbst­re­fle­xi­on ver­mei­den, spot­tet jeder Beschrei­bung.“ Das muss­te doch mal gesagt wer­den, hat­te sich die CDU wohl gedacht, und sie ließ über ihren stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den Mat­thi­as Schä­fer wei­ter mit­tei­len:

Die Grün­de für das Koali­ti­ons­en­de sei­en mit­nich­ten in einer Vor­ver­ur­tei­lung, son­dern allein in Helds fort­lau­fen­dem Fehl­ver­hal­ten zu suchen. Der Stadt­bür­ger­meis­ter habe Infor­ma­tio­nen ver­wei­gert, Eil­ent­schei­de zu spät vor­ge­legt, die Zah­lung von Mak­ler­pro­vi­sio­nen ver­sucht zu ver­schwei­gen, eigen­mäch­tig bei Grund­stücks­ge­schäf­ten erheb­li­chen Kos­ten zu Las­ten der Stadt ver­ur­sacht… Es han­de­le sich dabei „nicht um irgend­wel­che Vor­wür­fe, die der­zeit von der Staats­an­walt­schaft über­prüft wer­den, son­dern um Fak­ten und Allein­gän­ge, die in den ver­gan­gen Stadt­rats­sit­zun­gen fest­ge­stellt wur­den.“

Das alles muss­te wohl mal raus. Am Ende streck­te die CDU die Hand aus: Frie­den? „Wir set­zen wei­ter auf sach­li­ches Mit­ein­an­der, nur eben ohne Frak­ti­ons­zwän­ge.“

Es ist völ­lig offen, ob die SPD ein­schlägt. Es ist aller­dings hin­rei­chend bekannt, dass sich vie­le Rosen­krie­ge bis­wei­len in ein Cre­scen­do grel­ler Emo­tio­nen stei­gern. Manch­mal bis zur Selbst­zer­stö­rung.

War­ten wir’s ab.