Rechtsanwalt: Lass die Finger davon, Marcus Held!

Wir kämp­fen mit uner­schro­cke­ner Recher­che, prä­zi­sen Fak­ten und klu­gen Gedan­ken. Unter ande­rem dafür, dass Kunst und Medi­en frei sind. Denn da wo man Gedan­ken nur des­halb die Frei­heit nimmt, weil sie einem nicht gefal­len, tut man das frü­her oder spä­ter auch mit den Men­schen.“

Das schrieb unlängst Dr. Mathi­as Döpf­ner, der Vor­stands­vor­sit­zen­de des Axel-Sprin­ger-Ver­la­ges und Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Zei­tungs­ver­le­ger, in einem Arti­kel über Deniz Yücel, dem Jour­na­lis­ten, der in der Tür­kei in U-Haft sitzt, weil er nicht schrieb, wie die Herr­schen­den von ihm ver­lang­ten.

Und jetzt schau­en wir nach Oppen­heim: Auf die­ser Web­sei­te wird über den Fall Mar­cus Held berich­tet. Der Oppen­heim-Skan­dal: Wie der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Stadt­bür­ger­meis­ter – nach­weis­lich! – hin­ter dem Rücken sei­nes Stadt­ra­tes Geschäf­te zu Las­ten der Stadt Oppen­heim mach­te. Wie er die Gemein­de­ord­nung immer und immer wie­der miss­ach­tet. Wie er gesetz­li­che Vor­schrif­ten nach sei­nem Gus­to aus­legt. Wie er die klei­ne Stadt mit einem dich­ten Netz­werk an Par­tei­freun­den über­zo­gen hat, wie er Anders­den­ken­de aus­grenzt, kri­ti­sche Gegen­stim­men nie­der­macht…

Mar­cus Held hat erst ver­sucht, den Autor die­ser Web­sei­te ein­zu­fan­gen und auf sei­ne Sei­te zu zie­hen. Als das nicht gelang, ver­such­te er, ihn aus­zu­gren­zen. Er ver­un­glimpf­te ihn öffent­lich. Schloss ihn aus von Infor­ma­tio­nen. „Sie sind für uns kein Ansprech­part­ner mehr“, ließ er ihn schrift­lich wis­sen.

Als auch das nichts nutz­te, weil er wei­ter­hin lesen muss, was er nicht lesen will, ver­such­te er, dem Autor die­ser Web­sei­te das Schrei­ben ver­bie­ten zu las­sen. Per Rechts­an­walt, den er bat, die Durch­set­zung von Unter­las­sungs­an­sprü­chen zu prü­fen. Held woll­te den Jour­na­lis­ten mund­tot machen. Ein­sper­ren, wie in der Tür­kei, geht wohl nicht. Aber mit trick­rei­chen Rechts­mit­teln klein­krie­gen: Geht das nicht irgend­wie?

Er hat dazu sei­nen Ber­li­ner Pres­se- und Medi­en­recht­ler, Rechts­an­walt Prof. Dr. Jan Hege­mann, befragt. Hege­mann war für Held zu Beginn des gan­zen Schla­mas­sels bereits ein­mal gegen das klei­ne Worm­ser Stadt­ma­ga­zin WO! zu Fel­de gezo­gen. Der Anwalt hat Helds neu­er­li­che Prü­fungs­an­fra­ge unter dem 8. August 2017 in einem gut ein­sei­ti­gen Schrei­ben beschie­den, des­sen Essenz sich in sechs Wor­te zusam­men­fas­sen lässt: Lass die Fin­ger davon, Mar­cus Held! Wört­lich schrieb der Anwalt:

Gleich­wohl habe ich erheb­li­che Beden­ken.“

Es hat sich wohl, so dürf­te auch der par­tei­ische Held-Anwalt erkannt haben, all­zu viel ange­häuft in den letz­ten Wochen:

Am Anfang, so kam die gan­ze Wahr­heit ja über­haupt erst her­aus, hat­ten Unbe­kann­te ein „Memo­ran­dum“ ver­öf­fent­licht.

Die Doku­men­te, die dem Dos­sier bei­la­gen, alar­mier­ten den Rech­nungs­hof Rhein­land-Pfalz: Der setz­te umge­hend eine Son­der­prü­fung an.

Dann mel­de­te sich die Staats­an­walt­schaft Mainz, viel frü­her als erwar­tet: Sie hat bereits ein ers­tes Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen Held ein­ge­lei­tet: wegen des Ver­dachts der wie­der­hol­ten Untreue!

Heu­te wis­sen wir: Es gibt noch vie­le wei­te­re Vor­wür­fe gegen Mar­cus Held. Die Füh­rung der Ver­wal­tungs­ge­schäf­te in Oppen­heim scheint sich von der übli­chen Ord­nung ent­fernt und jeder Kon­trol­le ent­zo­gen zu haben. Respekt vor Regeln? Ach­tung von Geset­zen? Viel­fach nicht erkenn­bar. Das Par­la­ment gewähl­ter Bür­ger­ver­tre­ter, der Stadt­rat der Stadt Oppen­heim: aus­ge­höhlt, oft­mals kalt­ge­stellt – unter Umge­hung der ihm kom­mu­nal­recht­lich zuge­wie­se­nen Kom­pe­ten­zen.

Und was macht Mar­cus Held ange­sichts die­ser Ent­hül­lun­gen? Ver­sucht er auf­zu­klä­ren? Viel­leicht sogar Feh­ler ein­zu­ge­ste­hen? Auf die Men­schen, die er hin­ter­ging und ent­täusch­te, zuzu­ge­hen?

Nichts von alle­dem. Held ver­sucht mit aller Kraft, die Wahr­heit zu unter­drü­cken. Und da ihm das nicht gelingt, will er wenigs­tens den Ver­fas­ser kri­ti­scher Arti­kel als unglaub­wür­dig denun­zie­ren:

Ein „soge­nann­ter ‚frei­er Jour­na­list’“ fah­re „in den sozia­len Medi­en eine geziel­te Hetz­kam­pa­gne“ gegen ihn, schreibt er jetzt in einem Rund­brief an die „lie­ben Genos­sin­nen und Genos­sen“. Der Jour­na­list ver­su­che „mit teil­wei­se sehr aggres­si­ver Recher­che Leu­te in mei­nem Umfeld ein­zu­schüch­tern und dann, offen­bar bewusst, fal­sche Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen auf­zu­stel­len“.

Held geht in die­sem aktu­el­len Rund­schrei­ben mit kei­nem Satz auf sei­ne eige­nen Ver­feh­lun­gen ein. Kein Wort zu den Vor­wür­fen, die auf sei­ner Stadt längst las­ten wie eine Asche­wol­ke nach einem Vul­kan­aus­bruch. Er wischt die Anschul­di­gun­gen weg – und greift lie­ber an: „Geziel­te Hetz­kam­pa­gne“ ist ein Schlag­wort von ihm. „Aggres­si­ve Recher­che“. „Offen­bar bewusst fal­sche Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen“. „Leu­te ein­schüch­tern“.

Kei­ne kon­kre­te, fak­ten­ba­sier­te Dar­stel­lung. Wie auch? Held hin­ter­legt nicht ein ein­zi­ges sei­ner dump­fen Schlag­wor­te mit einem Beweis. Es ist sein urei­ge­ner Poli­tik­stil, es ist eine bil­li­ge Masche: Ein­fach mal was behaup­ten, auch wenn es unwahr ist. Irgend­was wird schon hän­gen blei­ben.

Das ist das bestän­di­ge Hand­lungs­mus­ter – im Grun­de ein kran­kes Kal­kül – die­ses Sozi­al­de­mo­kra­ten.

Jour­na­lis­mus ist, wenn man etwas druckt, was ein ande­rer lie­ber nicht gedruckt sehen will.“ 

Der Satz stammt von David Schra­ven, einem der bekann­te­ren inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­ten Deutsch­lands. Mit sei­nen Aus­fäl­len adelt Mar­cus Held, unbe­wusst, die­se Web­sei­te: Sie ist Jour­na­lis­mus pur. Im Sin­ne Döpf­ners und Schra­vens ist sie guter, im Sin­ne unse­rer Gesell­schaft not­wen­di­ger Jour­na­lis­mus.

Nicht von unge­fähr hat Rechts­an­walt Prof. Dr. Jan Hege­mann „erheb­li­che Beden­ken“, den Ver­such zu unter­neh­men, die Doku­men­ta­ti­on des Oppen­heim-Skan­dals auf die­ser Web­sei­te juris­tisch zu unter­bin­den.

Was der Jurist dabei schreibt, um sei­ne Absa­ge an Held zu ver­pa­cken und weni­ger harsch klin­gen zu las­sen, klingt bei­na­he, als füh­re Held ihm die Feder:

Ich bin mir ziem­lich sicher, dass Ruhmöl­ler für sei­ne Ruf­mord­kam­pa­gne von einer hin­ter ihm ste­hen­den Per­son bezahlt wird. Es dürf­te sich dabei um den Ver­fas­ser des anony­men Memo­ran­dums han­deln, mit dem der angeb­li­che ‚Oppen­heim Skan­dal’ vor eini­gen Mona­ten los­ge­tre­ten wor­den ist. Ruhmöl­ler wird sich durch Durch­set­zung äuße­rungs­recht­li­cher Ver­bo­te nicht abschre­cken las­sen. Kos­ten, die ihm ent­ste­hen, wer­den ihm höchst­wahr­schein­lich erstat­tet. Er selbst und sein mut­maß­li­cher Auf­trag­ge­ber war­ten ver­mut­lich nur dar­auf, dass der Fall vor Gericht ver­han­delt wird.“

Letz­te­re Ein­schät­zung aller­dings ist inter­es­sant und dürf­te den wah­ren Grund für die Skep­sis des Ber­li­ner Pres­se- und Medi­en­recht­lers lie­fern: In der Tat, in einer zivil­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung käme die Wahr­heit ans Licht. Es wäre Beweis zu erhe­ben über die Rich­tig­keit der auf die­ser Web­sei­te zusam­men­ge­tra­ge­nen Fak­ten. Im Inter­es­se von Mar­cus Held kann das nicht sein. Also lie­ber Fin­ger weg.

Ob die­ser Erkennt­nis­la­ge stei­gert sich der Anwalt offen­sicht­lich in Rage, er fabu­liert von „Ela­bo­ra­ten“, von „wüten­den und blin­den Ver­fol­gungs­ei­fer“, von „ein­sei­ti­gen und par­tei­ischen Radau­jour­na­lis­mus“.

Die­se Bewer­tun­gen, for­mu­liert im Sti­le vor­gest­ri­ger Bou­le­vard­jour­na­lis­ten, wird der „bezahl­te Jurist“, so dür­fen wir ange­sichts des bestehen­den Man­dats­ver­hält­nis­ses ver­mu­ten, im Auf­trag sei­nes Man­dan­ten Mar­cus Held zu Papier gebracht haben. Der ver­schick­te das Papier als Anla­ge sei­ner Mail, die die SPD-Mit­glie­der in Oppen­heim „mit soli­da­ri­schen Grü­ßen“ von ihrem „Mar­cus“ beka­men.

Eigent­lich ist dem nichts mehr hin­zu­zu­fü­gen. Außer viel­leicht die­ses: Der Anwalt äußert die Sor­ge (Hoff­nung?), ob „irgend­je­mand über­haupt durch die Blei­wüs­ten (die­ser Web­sei­te) wan­dern“ wol­le.

Wir kön­nen ihn beru­hi­gen: Die Zahl der Besu­cher die­ser Web­sei­te wächst nach wie vor beein­dru­ckend. Neu­es­te Daten und Fak­ten dazu fin­den Sie hier.

7 Gedanken zu „Rechtsanwalt: Lass die Finger davon, Marcus Held!

  1. Evelyn

    Hal­lo,
    ich bin kein Jurist und es wür­de mich daher inter­es­sie­ren, wie die Ungleich­be­hand­lung – man­che Grund­stücks­er­wer­ber zah­len Mak­ler­pro­vi­si­on, ande­ren wird sie von Mar­cus Held aus wel­chen Grün­den auch immer erlas­sen – mit Arti­kel 3 unse­res Grund­ge­set­zes ver­ein­bar ist. Ist es denn kein Ver­stoß gegen die­sen Arti­kel, wenn bewusst man­chen Grund­stücks­käu­fern die von ande­ren ver­lang­te Pro­vi­si­on erlas­sen wird. Und wenn dies als Ver­stoß gegen besag­ten Art. 3 ver­stan­den wer­den muss, ist dies dann nicht auch straf­recht­lich rele­vant?

    • G.K.

      Die Ver­fas­sung („Grund­ge­setz“) regelt das Ver­hält­nis zwi­schen Bür­ger und Staat. Grund­rech­te sind durch Geset­ze oder auf Grund von Geset­zen ein­schränk­bar. So hat der Staat auf Grund­la­ge der Ver­fas­sung bei­spiels­wei­se die Woh­nung zu schüt­zen. Er kann aber auf Grund­la­ge von Geset­zen wie die Straf­pro­zess­ord­nung oder Poli­zei­ge­set­ze die­ses Grund­recht ein­schrän­ken. Des­we­gen müs­sen im übri­gen auch die durch die­se Geset­ze tan­gier­ten Grund­rech­te aus der Ver­fas­sung immer im Geset­zes­text auf­ge­führt wer­den. Das geschieht in der Regel am Ende der Geset­ze „Durch die­ses Gesetz wer­den die Arti­kel XXX GG …“

      Vor­lie­gend tritt aber nicht der „Staat“ mit sei­ner Staats­ge­walt auf son­dern als ganz nor­ma­ler Markt­teil­neh­mer, wie Du und Ich. Da gel­ten dann die übli­chen Regeln zwi­schen Ver­trags­part­nern.
      Das heißt, im Grun­de kann die Behör­de genau so Ver­trä­ge abschlie­ßen, oder auch nicht, wie jeder Pri­vat­mensch.
      Und bei der Gele­gen­heit: es gibt nur eine Gleich­heit im Recht. Das heißt, wenn jemand durch den Staat zu unrecht bevor­teilt wer­den wür­de, könn­te dies nie­mals Grund­la­ge für eine glei­che Unrechts­be­hand­lung eines Drit­ten sein. Dar­auf kann sich nie­mand beru­fen.

  2. K.Podesta

    er mein­te sicher­lich „Blei­wes­te“, weil da nichts durch­dringt, man also immun blei­ben kann! Den Begriff Blei­wüs­te in die­sem Zusam­men­hang ist mir per­sön­lich fremd. Genau die­sen Rat konn­te man ja ver­mu­ten, auch schon, als Herr Held und auch Herr Baum­gar­ten voll­mun­dig ange­kün­digt hat­ten, den ihnen „bekann­ten“ Infor­man­ten anzu­zei­gen, weil, der war ja ihnen, nicht aber der Öffent­lich­keit bekannt. Man hör­te, dass es nur ein CDU-Mensch sein kann den man ken­ne! Nur, wo war die Umset­zung die­ser mit Span­nung erwar­te­te Ent­hül­lung? Ver­mut­lich in der „Blei­wüs­te“!

    Zitat: Kro­nen­kra­nich schrei nicht so, Du bist ja nicht allein im Zoo!

    Pla­nungs-Rudi“ erklär­te, fast zeit­gleich, dass es ihm nun rei­che und er die­sen „Ver­leum­der“ anzei­gen wür­de. Ver­mut­lich war das aber auch nur geplant! Man hör­te, es soll ein Win­zer sein, natür­lich von der CDU usw. , die alte Lei­er halt! Mit Sub­stanz gefüt­tert war das aber nicht!

  3. Roland Bürger

    Ich wan­de­re sehr ger­ne durch die­se „Blei­wüs­te“! Wenn es sein soll, auch täg­lich…

  4. K.G.

    Tja, Mar­cus Held stößt an die Gren­zen, die die Demo­kra­tie ihm setzt. Wird auch mal Zeit. Auch wenn es ihm und sei­nen höri­gen Anhän­gern wie Frau Kloos nicht passt. Ein Hoch auf die Pres­se­frei­heit und immer schön dran blei­ben.

  5. Markus Eschenbach

    Mar­cus Held weiß in der Tat genau, dass er gegen die hier auf­ge­deck­ten Tat­sa­chen schlicht kei­ne Argu­men­te hat. Ich hof­fe, dass die SPD in Rhein­land-Pfalz eine kra­chen­de Nie­der­la­ge am 24. Sep­tem­ber ein­fährt. Das wäre dann die Quit­tung dafür, dass die Genos­sen an die­sem unhalt­ba­ren Mann fest­hal­ten. Soll­te er es den­noch über den ver­meint­li­chen siche­ren Lis­ten­platz schaf­fen (das Direkt­ma­na­dat ist uto­pisch), hät­te der Filz gewon­nen. Vie­le Wäh­ler wer­den sich abwen­den.

  6. Ulla

    Nun ja, vie­le die­ser Zei­len kann man auch auf ande­re Orte über­tra­gen. Die­se Cli­quen
    der SPD gibt es auch hier in Worms. Es hin­ter­läßt den scha­len Geschmack, dass es eben
    auch ande­re Mög­lich­kei­ten gibt um Men­sch­ne zum Gleich­schritt zu zwin­gen. Muss ja
    nicht immer gleich der Ker­ker sein.
    Gleich­zei­tig wei­sen wir immer auf die Tür­kei. Guter Rat: erst­mal hier die Augi­as­stäl­le aus­mis­ten, dann ande­ren den Weg zei­gen.
    Das wäre fair.

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