Oppenheim bewegt“ – vor allem viel Geld

Da haben wir dann doch ein wenig gestutzt: Ein klei­ner Ver­ein fand in letz­ter Zeit gleich zwei­mal und völ­lig uner­war­tet in der „All­ge­mei­nen Zei­tung Lands­kro­ne“ Erwäh­nung, wie­wohl er sich in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung äußerst rar gemacht hat, seit län­ge­rer Zeit schon:

Am 23. August berich­te­te das Lokal­blatt über die Tou­ris­mus GmbH, die als mehr­heit­lich in Pri­vat­be­sitz befind­li­ches Unter­neh­men Ein­nah­men aus der Ver­wer­tung städ­ti­schen Ver­mö­gens kas­siert, ohne dass der Stadt­rat dies geneh­migt hät­te. Der ört­li­che Chef­kom­men­ta­tor Ulrich Gerecke schrieb dazu unter der Über­schrift: „Bei­ge­schmack“:

Die Dis­kuss­io­nen wie­der­ho­len sich, die Ar­gu­men­te sind im­mer die­sel­ben. Ob „Op­pen­heim be­wegt“, der Ver­ein für die Schlem­mer­wan­de­rung, ob die Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten GWG und HGO oder nun eben die Tou­ris­mus GmbH – in Op­pen­heim wer­den seit Jah­ren die­sel­ben po­li­ti­schen Schlach­ten ge­schla­gen. Die Op­po­si­ti­on schreit „Filz“ und wirft Stadt­bürg­er­meis­ter Mar­cus Held vor, Freun­de und Par­teif­reun­de mit Pöst­chen ein­zu­de­cken, im Dun­keln zu werk­eln und dem ma­ro­den Stadt­haus­halt Geld zu ent­zie­hen. 

Dass der Ver­ein „Oppen­heim bewegt“ jemals in „poli­ti­sche Schlach­ten“ ver­wi­ckelt gewe­sen sein soll, ist der Öffent­lich­keit bis­lang zwar ver­bor­gen geblie­ben. Aber unver­dros­sen schreibt der Redak­teur wei­ter; am 2. Sep­tem­ber ver­öf­fent­lich­te er eine Betrach­tung des „Sys­tems Held“ („Der gro­ße Riss“), und auch dar­in tauch­te, erneut ohne erkenn­ba­ren Zusam­men­hang, besag­ter Ver­ein auf:

An vie­len Oppen­hei­mer Schalt­stel­len sit­zen Held-Ver­trau­te, das ist eben­falls lan­ge bekannt. Dass der Ver­ein „Oppen­heim bewegt“ per­so­nell eng mit Stadt und SPD ver­floch­ten ist, stand im Okto­ber 2015 in die­ser Zei­tung…

Spä­tes­tens jetzt horch­te der Zei­tungs­le­ser auf: War­um erwähnt der Lokal­re­dak­teur ohne jeden Anlass wie­der­holt einen Ver­ein, von dem man doch schon so lan­ge nichts mehr gehört hat?

Wir kön­nen die Ant­wort lie­fern:

Der Zei­tungs­re­dak­teur wird einen Tipp bekom­men haben, dass der Autor die­ser Web­sei­te vor eini­ger Zeit Recher­chen zu „Oppen­heim bewegt“ auf­ge­nom­men hat: Was ist das eigent­lich für ein Ver­ein, wer steckt dahin­ter, wer sind die Ver­ant­wort­li­chen, was kon­kret machen die… Ganz nor­ma­le jour­na­lis­ti­sche Fra­gen, aber die mögen eini­ge Oppen­heim-Macher bekannt­lich nicht, kri­ti­sche Fra­gen machen sie ner­vös. Dem AZ-Redak­teur wird berich­tet wor­den sein, dass „Oppen­heim bewegt“ in den Sumpf des Oppen­heim-Skan­dals abrut­schen könn­te. Wor­auf­hin der in vor­aus­ei­len­den Gehor­sam schon mal jedes kri­ti­sche Wort über den Ver­ein als Genöh­le der Oppo­si­ti­on abtat.

Schaun mer mal…

Das Gesetz des Schweigens gilt wohl auch in Oppenheim

Als der Autor die­ser Web­sei­te die ers­ten Fra­gen gestellt hat­te, als sich schon gleich zu Beginn der Recher­chen abzeich­ne­te, dass es bei dem Ver­ein vor allem um Geld geht, um sehr viel Geld sogar: Da lie­ßen die Ver­ant­wort­li­chen die Schot­ten run­ter, sofort. Die Oppen­heim-Omer­tà: Das Gesetz des Schwei­gens, mit dem die Mafia ihren Mit­glie­dern ver­bie­tet, gegen­über Nicht-Ange­hö­ri­gen über inter­ne Ange­le­gen­hei­ten zu spre­chen, es gilt sinn­ge­mäß wohl auch in die­sem rhein­hes­si­schen Städt­chen.

Das Sys­tem des gegen­sei­ti­gen Gebens und vor allem Neh­mens funk­tio­niert bekannt­lich, wenn alle dicht­hal­ten. Das Kar­tell des Schwei­gens aber hat hier Ris­se bekom­men, seit Unbe­kann­te vor eini­gen Mona­ten in einem Dos­sier die dubio­sen Geschäf­te des Stadt­bür­ger­meis­ters ver­öf­fent­lich­ten und damit den Lan­des­rech­nungs­hof und auch die Main­zer Staats­an­walt­schaft auf den Plan rie­fen. Seit­her wir­ken die Ver­su­che von Mar­cus Held und sei­ner Cli­que, bestimm­te Vor­komm­nis­se in der Stadt zu ver­leug­nen oder zu ver­tu­schen, nur noch bur­lesk:

Es kommt ja doch alles her­aus!

Aus dem Pro­to­koll des ers­ten Ver­eins­tref­fens: Alle Anwe­sen­den tru­gen sich in eine Lis­te ein.

Erzäh­len wir die Geschich­te vom Ver­ein „Oppen­heim bewegt“, soweit sie bekannt ist, nen­nen wir hier auch, das wur­de bis­her gut unter Ver­schluss gehal­ten, die Prot­ago­nis­ten beim Namen, die meis­ten wer­den Sie als Leser die­ser Web­sei­te sicher schon ganz gut ken­nen:

Es war am 10. Novem­ber 2008, als im Wein­haus Hil­big 14 Per­so­nen zusam­men­tra­fen (ein Ehe­paar ging vor­zei­tig, es fühl­te sich vom The­ma nicht ange­spro­chen, blie­ben also zwölf): Es sol­le ein För­der­ver­ein gegrün­det wer­den, erklär­te Stadt­bür­ger­meis­ter Mar­cus Held den Ver­sam­mel­ten. Der Ver­ein sol­le „Oppen­heim als Gan­zes“ vor­an­brin­gen, sich nicht nur gewerb­li­cher, son­dern auch kul­tu­rel­ler, sozia­ler und infra­struk­tu­rel­ler Belan­ge anneh­men, sich also irgend­wie um alles küm­mern, um die gan­ze Stadt. Jeder kön­ne Mit­glied wer­den, für nur drei Euro. Und das Schöns­te: Ein sol­cher Ver­ein kön­ne Spen­den­quit­tun­gen aus­stel­len!

Alle ein­ver­stan­den? Alle ein­ver­stan­den!

Im Vorstand viele bekannte Gesichter

Sodann wur­de der Vor­stand gewählt:

Vor­sit­zen­der wur­de Mar­kus Appel­mann, den ken­nen wir, er betreibt die Agen­tur InMe­dia und wird von Mar­cus Held regel­mä­ßig beauf­tragt, gegen Bezah­lung Wer­bung zu machen, für die Stadt, für die SPD, für die GWG und HGO usw.

Zwei­ter Vor­sit­zen­der wur­de Marc Sit­tig. Auch den ken­nen wir inzwi­schen, er mach­te unlängst unschö­ne Schlag­zei­len, als er poli­tisch Anders­den­ken­de auf sehr fie­se Wei­se run­ter­mach­te. Sit­tig sitzt in diver­sen SPD-Gre­mi­en, er kas­siert jeden Monat 450 Euro von der Stadt als Umwelt­be­auf­trag­ter. Was er haupt­be­ruf­lich macht? Auf der Inter­net­sei­te von Helds Kom­pe­tenz­team gibt er an, er sei Ange­stell­ter. Sein Name fin­det sich zudem auf der Home­page der Was­ser­wer­ke der Ver­bands­ge­mein­de Sprend­lin­gen-Gen­sin­gen: Dort wird der 42-Jäh­ri­ge als Aus­zu­bil­den­der geführt.

Ver­eins­schatz­meis­ter wur­de Rudolf Baum­gar­ten, der Uel­vers­hei­mer Bür­ger­meis­ter. Natür­lich kann man fra­gen, was den Uel­vers­hei­mer SPD-Bür­ger­meis­ter in den Vor­stand eines Stadt­för­der­ver­eins im Nach­bar­ort treibt. Die Ant­wort ist ein­fach: „Der Rudi“ (O-Ton Held) mischt eben über­all mit, und er pro­fi­tiert ja auch nicht schlecht davon (mehr hier). Mit sei­nem Büro „plan­gUT“ sitzt er im Oppen­hei­mer Rat­haus und bekommt von Mar­cus Held Pla­nungs­auf­trä­ge in Serie. Dane­ben betä­tigt er sich als Mak­ler städ­ti­scher Grund­stü­cke, auch mal mit Ver­trä­gen von Mar­cus Held, die ihm Pro­vi­sio­nen nicht nur von der Käu­fer­sei­te, son­dern auch von der Stadt zusi­chern. Trotz erkenn­bar beruf­li­cher Abhän­gig­keit vom Stadt­bür­ger­meis­ter sitzt Baum­gar­ten im Auf­sichts­rat der Gemein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft (GWG), wo er den Vor­stand Mar­cus Held kon­trol­lie­ren soll. Dass Baum­gar­ten auch Mit­ge­sell­schaf­ter der Oppen­hei­mer Tou­ris­mus GmbH ist, über­rascht da nie­man­den mehr…

Ver­eins­schrift­füh­rer wur­de Ste­fan Lösch. Der ist, wenn man etwas genau­er hin­sieht, eine Art „klei­ner Baum­gar­ten“. Auch Lösch betreibt im Rat­haus ein pri­va­tes Fir­men­bü­ro („MAP Con­sult GmbH“), auch er bekommt regel­mä­ßig Auf­trä­ge im Rah­men der Stadt­sa­nie­rung. Auch sei­ne MAP Con­sult ist Mit­ge­sell­schaf­ter der Tou­ris­mus GmbH. Dass er schließ­lich auch noch mit der ope­ra­ti­ven Lei­tung der Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft GWG (Vor­stand für 450 Euro/Monat: M. Held) und deren Toch­ter­un­ter­neh­men HGO (Geschäfts­füh­rer für 400 Euro/Monat: M. Held) beauf­tragt wur­de, lässt erah­nen, wel­che Schaf­fens­kraft dem Mann inne­woh­nen muss.

Die Kassenprüfer kennen sich in Gelddingen gut aus

Zu Bei­sit­zern von „Oppen­heim bewegt“ wur­den in der Grün­dungs­ver­samm­lung gewählt:

  • Peter Con­rad (ken­nen wir: Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer der Hebau GmbH, die in Oppen­heim nahe­zu alle Stra­ßen­bau-Pro­jek­te bekommt, Mit­ge­sell­schaf­ter der Tou­ris­mus GmbH…);
  • Klaus Wald­schmidt (ken­nen wir: Kauf­mann in Ruhe, Mul­ti-Funk­tio­när in der SPD von Mar­cus Held, den er zusam­men mit Baum­gar­ten als GWG-Auf­sichts­rat kon­trol­lie­ren soll);
  • Levent Aktürk, damals Betrei­ber des Restau­rants Hil­big, bevor er in den Obst- und Gemü­se­groß­han­del sei­nes Vaters in Mainz ein­stieg und
  • Hein­rich Kun­kel, der damals das Fisch­haus am Krö­ten­brun­nen betrieb. Kun­kel wie Aktürk wid­me­te Mar­cus Held sei­ner­zeit höchst­per­sön­lich freund­li­che Bild­tex­te in sei­nem SPD-Stadt­blätt­chen, eine Form von PR, die gemein­hin nur Genos­sen zuteil wird, zudem für nütz­li­che Freund­schafts­ban­de sorgt.

Und schließ­lich gibt es noch zwei Kas­sen­prü­fer bei „Oppen­heim bewegt“. Dazu wur­den Män­ner ernannt, die nach­weis­lich gut mit Geld umge­hen kön­nen:

  • Mar­cus Held, (bezahl­ter) SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter, (bezahl­ter) Stadt­bür­ger­meis­ter und dar­über hin­aus Inha­ber etli­cher wei­te­rer (bezahl­ter) Jobs.
  • Erich Men­ger, Helds Vor­gän­ger im Rat­haus, heu­te Ehren­bür­ger und inzwi­schen Immo­bi­li­en­mak­ler in Bad Kreuz­nach. Sei­ne Ehe­frau hielt als Mak­le­rin beim Gra­din­ger-Ver­kauf die Hand auf und for­der­te von der Stadt eine fünf­stel­li­ge Mak­ler­cour­ta­ge ein, was Men­ger-Freund Held prompt unter­zeich­ne­te, obwohl er dafür kei­ne Geneh­mi­gung vom Stadt­rat ein­ge­holt hat­te (mehr hier).

Ange­sichts einer sol­chen Vor­stands­be­set­zung des städ­ti­schen För­der­ver­eins klingt, was AZ-Redak­teur Gerecke die Oppo­si­ti­on sagen lässt, dass näm­lich Mar­cus Held sei­ne Freun­de und Par­tei­freun­de mit Pos­ten und Pöst­chen ein­deckt, gar nicht so abwe­gig. Die glei­che Cli­quen-Wirt­schaft haben wir schon bei ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen und Unter­neh­men in Oppen­heim vor­ge­fun­den. Wenn ein Gemein­we­sen von einem solch engen poli­ti­schen Netz­werk über­zo­gen wird, spricht gewöhn­lich nicht nur die Oppo­si­ti­on von Filz. Dann muss man objek­tiv kon­sta­tie­ren: Das ist geleb­te Günst­lings­wirt­schaft. Klün­gel. Kum­pa­nei und Kun­ge­lei.

Fördergelder für andere Gruppierungen beantragt

Kom­men wir zur zwei­ten, wich­ti­ge­ren Fra­ge: Wen oder was bewegt der Ver­ein? Das ist schließ­lich sein Daseins­zweck, dafür sam­melt er Gel­der, dafür hat er die Gemein­nüt­zig­keit aner­kannt bekom­men.

Es gibt zur Beant­wor­tung die­ser Fra­ge zwei Quel­len: den Ver­ein selbst. Und dann die öffent­li­che Bericht­erstat­tung, unter ande­rem in der „All­ge­mei­nen Zei­tung Lands­kro­ne“, die erwie­se­ner­ma­ßen einen engen Draht zu den Oppen­heim-Akteu­ren pflegt und deren Tun und Trei­ben stets wohl­wol­lend beglei­tet.

Anruf bei Mar­cus Appel­mann. Über­ra­schung! Er spricht, gibt tat­säch­lich Aus­kunft. Er sagt: Der Ver­ein sei in ers­ter Linie Aus­rich­ter der Schlem­mer­wan­de­run­gen. Mehr kön­ne er eigent­lich nicht sagen, denn: Er sei gar nicht mehr Vor­sit­zen­der. Er sei „aus der Vor­stand­schaft“ aus­ge­schie­den, „auf eige­nen Wunsch Ende 2016“. Wer den Ver­ein nun füh­re? Das wis­se er nicht, sagt Appel­mann, wirk­lich wahr!, dazu kön­ne er nichts sagen.

Ob er denn sagen kön­ne, was der Ver­ein in den Jah­ren sei­ner „Vor­stand­schaft“ geleis­tet habe? Appel­mann zählt auf – wört­lich: Rad­we­ge­aus­bau in Oppen­heim. Fest­spie­le der Stadt Oppen­heim. Kunst­ra­sen­platz des FSV Oppen­heim. Ver­eins­heim des Kar­ne­val­ver­ein CVO. Unter­stüt­zung des Aero Clubs bei der Anschaf­fung des neu­en Flie­gers. Oppen­hei­mer Schlem­mer­wan­de­rung.

Das klingt beein­dru­ckend, ja gewal­tig! „Oppen­heim bewegt“ bewegt Oppen­heim – da schau­en wir ger­ne genau­er hin:

Rad­we­ge­aus­bau in Oppen­heim

Hin­ter die­ser opu­len­ten For­mu­lie­rung ver­birgt sich die Pflas­te­rung von 110 Meter Fuß-/Rad­weg an der Fähr­stra­ße vor drei, vier Jah­ren. Es han­del­te sich um ein Pro­jekt des Eltern­aus­schus­ses des Gym­na­si­ums St. Katha­ri­nen (dama­li­ge Vor­sit­zen­de: SPD-Mul­ti­funk­tio­nä­rin Ste­pha­nie Kloos, die dem­nächst trotz null Ver­wal­tungs­er­fah­rung mit dem top-dotier­ten Pos­ten einer Kreis­bei­ge­ord­ne­ten belohnt wer­den soll). Die Kos­ten für die Pflas­te­rung wur­den mit 30.806,87 Euro ange­ge­ben, „Oppen­heim bewegt“ orga­ni­sier­te 20.000 Euro aus dem Etat für Ehren­amts­för­de­rung des Land­krei­ses Mainz-Bin­gen (unklar, war­um das der Eltern­aus­schuss nicht selbst tat); 6000 Euro stif­te­te die Spar­kas­se Mainz. Rudi Baum­gar­ten über­nahm laut Zei­tung die Bau­lei­tung. Was dann noch übrig blieb, wur­de in Eigen­leis­tung erbracht.

Fest­spie­le der Stadt Oppen­heim

Auf der Fest­spiel-Inter­net­sei­te wird „Oppen­heim bewegt“ noch heu­te als „Part­ner“ genannt: Im April 2014 hat­te der Ver­ein 2x 500 Euro für die Ver­an­stal­tung gespen­det.

Kunst­ra­sen­platz des FSV Oppen­heim

2014 wur­de das Kunst­ra­sen-Klein­feld hin­ter der Gesamt­schu­le an den FSV (Ehren­mit­glied: Mar­cus Held) über­ge­ben. „Oppen­heim bewegt“ bekam dafür 20.000 Euro von der Ehren­amts­för­de­rung des Land­krei­ses (war­um der FSV nicht selbst das Geld bean­tragt hat, las­sen wir mal offen). In der Zei­tung hieß es damals, der Ver­ein habe wei­te­re 8000 Euro gesam­melt, und auch der FSV habe 8000 Euro an Eigen­leis­tung erbracht.

Ver­eins­heim Car­ne­val Ver­ein Oppen­heim

Der Kar­ne­val­ver­ein CVO sanier­te in zwei Jah­ren sein Ver­eins­heim, bekam dafür 17.000 Euro aus der Ehren­amts­för­de­rung des Land­krei­ses. Noch ein­mal so viel Geld steu­er­te der Kar­ne­val­ver­ein aus Eigen­mit­teln bei. Eine Leis­tung von „Oppen­heim bewegt“ wird zwar erwähnt, aber nir­gend­wo bezif­fert.

Unter­stüt­zung des Aero Clubs bei der Anschaf­fung des neu­en Flie­gers

Dazu gibt es ledig­lich eine Notiz im Netz: Im Juni letz­ten Jah­res spen­de­te der Unter­neh­mer Harald Christ 10.000 Euro an den Ver­ein „Oppen­heim bewegt“. Auf dem Foto ste­hen neben Christ: Appel­mann, Baum­gar­ten, Held. Ver­eins­chef Appel­mann sag­te damals: „Mit die­ser Sum­me unter­stüt­zen wir unter ande­rem den Aero-Club sowie die Oppen­hei­mer Tafel.“ Wie die Unter­stüt­zung des Aero-Clubs kon­kret aus­sah, wur­de im Detail nicht kom­mu­ni­ziert. Auch nicht, was die Tafel bekom­men hat, deren Vor­sit­zen­der Mar­cus Held heißt.

Oppen­hei­mer Schlem­mer­wan­de­rung

Die Ver­an­stal­tung ist bekannt und auch beliebt, ohne Zwei­fel ein Erfolg – tou­ris­tisch, mit­hin wohl auch kom­mer­zi­ell. Als Kon­takt­adres­se ist im Inter­net unter www​.schlem​mer​wan​de​rung​.de die Adres­se der Agen­tur InMe­dia von Mar­kus Appel­mann ange­ge­ben. Mar­cus Held schreibt in einem Gruß­wort „ein herz­li­ches Dan­ke­schön“ an „Oppen­heim bewegt e.V.“ und InMe­dia. Ansons­ten ist nicht erkenn­bar, was der Ver­ein „Oppen­heim bewegt“ mit der Schlem­mer­wan­de­rung über­haupt zu tun hat. Völ­lig im Dun­keln bleibt vor allem, wer mit der Schlem­mer­wan­de­rung wie viel ver­dient bzw. wo die ein­ge­nom­me­nen Gel­der ver­blei­ben, was mit ihnen geschieht usw.

Vereins-Versammlungsraum für 40.000 Euro

Schließ­lich haben wir noch eine Geschich­te gefun­den, die Mar­kus Appel­mann lei­der nicht erwähnt hat, und auch hier geht’s um viel Geld: Im letz­ten Jahr bean­trag­te der Ver­ein erneut 20.000 Euro aus der Ehren­amts­för­de­rung des Land­krei­ses. Wie üblich muss ein sol­cher Antrag zunächst dem Rat­haus-Par­la­ment vor­ge­legt wer­den: Der Ver­ein wol­le, so hieß es in der Begrün­dung, die von ihm ange­mie­te­ten Räum­lich­kei­ten in der ehe­ma­li­gen Güter­hal­le am Bahn­hof sanie­ren und dar­aus einen Ver­samm­lungs­raum gestal­ten. Kos­ten: 39.919,70 Euro. Der Antrag wur­de vom Stadt­rat ange­nom­men, bei fünf Ent­hal­tun­gen der AL-Frak­ti­on. Die bean­trag­ten Gel­der wur­den vom Land­kreis auch bewil­ligt. Meh­re­re Oppen­hei­mer Rats­mit­glie­der konn­ten auf Nach­fra­ge nicht sagen, wo sich der Ver­samm­lungs­raum befin­det, wofür er über­haupt benö­tigt wird, wie er ein­ge­rich­tet wur­de bzw. wer­den soll…

Es gab, das soll nicht ver­schwie­gen wer­den, wei­te­re wohl­tä­ti­ge Spen­den des Ver­eins. Im Inter­net fin­den sich zwei Mel­dun­gen: Letz­tes Jahr wur­den 500 Euro an Rad­ler („Vor­Tour der Hoff­nung“) gespen­det. Und jüngst beim Wein­fest beka­men Jugend­li­che, die im Pfarr­hof der evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de in einem „Fre­eroom“ alko­hol­freie Geträn­ken anbo­ten, eben­falls 300 Euro.

Viel mehr ist nicht bekannt. Wir hät­ten noch eini­ge Fra­gen dazu. Aber Mar­kus Appel­mann, der laut offi­zi­el­lem Ver­eins­re­gis­ter Mainz zwar immer noch Vor­sit­zen­der ist, dies aber seit Ende letz­ten Jah­res nicht mehr sein will, gibt kei­ne wei­te­ren Aus­künf­te. Baum­gar­ten sei neu­er Vor­sit­zen­der, sagt er noch, oder doch viel­leicht eher Marc Sit­tig? Des­sen Mail­adres­se über­gibt er, doch das hilft nicht: Sit­tig reagiert auf Fra­ge-Mails nicht.

Auch der Bauhof ist im Einsatz – unentgeltlich

Sol­che Ver­schlos­sen­heit ist unge­wöhn­lich für einen Ver­ein, der in weni­gen Jah­ren allein vom Land­kreis Zuschüs­se in Höhe von 60.000 Euro ein­hol­te, der außer­dem eine Spen­de über 10.000 Euro kas­sier­te, der schließ­lich beim Gro­ße­vent Schlem­mer­wan­de­rung mit den vie­len tau­send Besu­chern stets gute Geschäf­te gemacht haben dürf­te. Das Enga­ge­ment des Ver­eins mag aner­ken­nens­wert und höchst lobens­wert sein; dies zu glau­ben fie­le aller­dings leich­ter, wenn über Geld­ein­nah­men und -aus­ga­ben offen berich­tet wür­de. Trans­pa­renz in finan­zi­el­len Din­gen ist bekannt­lich der bes­te Schutz einer gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­ti­on vor grund­lo­sem Miss­trau­en, das grund­sätz­lich immer ange­bracht ist, wenn es um Geld geht. Vor allem, wenn’s um Steu­er­gel­der geht.

Offen­heit ein­zu­for­dern ist auch aus einem ande­ren Grund drin­gend ange­bracht: Der Ver­ein nimmt schließ­lich auf ver­deck­te Wei­se auch noch geld­wer­te Leis­tun­gen der Stadt für sich in Anspruch, zum Bei­spiel in Form von Dienst­leis­tun­gen: Bei der Schlem­mer­wan­de­rung ist, wie bei ande­ren grö­ße­ren Ver­an­stal­tun­gen auch, in Oppen­heim regel­mä­ßig unter ande­rem der städ­ti­sche Bau­hof im Ein­satz.

Die klei­ne Frak­ti­on der Alter­na­ti­ven Lis­te hat­te des­halb Ende letz­ten Jah­res im Stadt­rat ange­regt, dass man den Ein­satz der flei­ßi­gen Hel­fer doku­men­tie­ren sol­le. Und dass die diver­sen Ver­an­stal­ter – unter ande­rem eben auch der Ver­ein „Oppen­heim bewegt“ – einen Obo­lus an die Stadt­kas­se zah­len soll­ten: Damit von den teu­ren Dienst­leis­tun­gen der Stadt nicht nur ein paar Weni­ge pro­fi­tier­ten, und dass die Arbei­ten wenigs­ten zu einem Bruch­teil ver­gü­tet wür­den.

Ange­sichts der Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Rat hät­te man das Ergeb­nis vor­her­sa­gen kön­nen: Der Vor­schlag wur­de abge­lehnt, gegen die fünf Stim­men der AL. „Oppen­heim bewegt“ soll wei­ter­hin öffent­li­che Mit­tel kas­sie­ren dür­fen. Und dabei möch­te man bit­te nicht gestört wer­den!

3 Gedanken zu „Oppenheim bewegt“ – vor allem viel Geld

  1. Mike Antworten

    Es ist zum wei­nen, eine Stadt als Selbst­be­die­nungs­la­den auf allen erdenk­li­chen Ebe­nen.

  2. K.Podesta Antworten

    wie lau­tet doch die­ser Spruch? Die dümms­ten Käl­ber wäh­len ihren Metz­ger selbst! So wird das auch hier sein, Her­den­tie­re, die dem Leit­bul­len fol­gen, wie bei den Lem­min­gen! Sor­ry, wer sich so ver­al­bern lässt, hat es eigent­lich ver­dient! Fehlt nur noch, dass man ihn zum Pro­fes­sor h.c. vor­schlägt und ihm dane­ben noch die Ehren­dok­tor­wür­de ver­leiht, wegen der vie­len Ver­diens­te für sich und sei­ne Vasal­len, in Oppen­heim!

  3. Roland Bürger Antworten

    Wie kann die Bevöl­ke­rung einer Stadt es hin­neh­men, dass ihr Bür­ger­meis­ter offen­bar in jedem Ver­ein sitzt, in den meis­ten davon das Sagen hat und sich einen feuch­ten Keh­richt um die Eck­pfei­ler der Demo­kra­tie schert: Ämter­häu­fung statt Trans­pa­renz , Geheim­nis­krä­me­rei statt Offen­heit etc, etc…

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